McMaster, M. K. & C. T. Downs (2013): Thermal variability in body temperature in an ectotherm: Are cloacal temperatures good indicators of tortoise body temperature? – Journal of Thermal Biology 38: 163–168.

Thermale Unterschiede in der Körpertemperatur bei einer Ektothermen: Sind die Kloakentemperaturen brauchbare Indikatoren für die Körpertemperatur von Landschildkröten.

In der Vergangenheit wurden Studien zur Thermalbiologie von Reptilien so durchgeführt, dass man einen Vergleich zwischen der Umgebungstemperatur und der Körpertemperatur des zu untersuchenden Tieres maß, wobei die Körpertemperatur meist mit verschiedensten Instrumenten als Kloakentemperatur gemessen wurde. Die Entwicklung von chirurgisch einsetzbaren, inneren Miniaturtemperaturdatenspeichern machte es möglich, die Übereinstimmung und Richtigkeit der gemessen Kloakentemperatur mit der inneren Körpertemperatur für Thermoregulationsstudien zu ermitteln. Wir erwarteten, dass es zwischen Haut-, Kloaken- und innerer Körpertemperatur zu Unterschieden kommen würde. Hier wurden bei Pantherschildkröten (Stigmochelys pardalis) unter Verwendung von Thermoelementen und Miniaturtemperaturdatenspeichern die Temperaturen in verschiedenen Positionen gemessen, wobei die Datenspeicher auch chirurgisch implantiert worden waren. Die Temperaturmessungen in verschiedensten Bereichen der Schildkröten waren immer signifikant unterschiedlich zur Umgebungstemperatur. Die Kloakentemperatur lag immer deutlich niedriger als die anderen Temperaturmesswerte am Schildkrötenkörper wie Haut- und Carapaxtemperaturen. Zudem ergaben sich auch Unterschiede zu den Temperaturen weiterer Körperbereiche. Die Unterschiede zwischen der inneren Körpertemperatur und der Kloakentemperatur und zu den anderen Temperaturen anderer Körperregionen zeigen, dass es bei dieser relativ großen Landschildkröte zu jeder Zeit innerhalb des Schildkrötenkörpers zu deutlichen, größeren Temperaturgradienten kommt, woraus hervorgeht, dass die Kloakentemperatur kein gutes Maß für die innere Körpertemperatur ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit macht sehr schön auf einen wichtigen physiologischen Parameter im Leben wechselwarmer Schildkröten aufmerksam und zeigt im Wesentlichen, dass die Kloakentemperatur und die Carapaxtemperatur zwar im Feld sofort und relativ leicht zu messen ist, dass sie aber kein gutes Maß für die so genannte innere (oder Kern-) Körpertemperatur sind. Das müsste auch jedem einleuchten, denn je näher eine Messstelle an einem relativ großen Tierkörper an den Außengrenzen dieses Körpers liegt, desto stärker wird sie auch von der Umgebungstemperatur beeinflusst, wobei wie beim Carapax auch dessen Exposition (der Sonne zugewandt) und Farbe mit eine Rolle spielen. Diese Arbeit wird nur in wenigen Graphiken konkret bezüglich der gemessenen Absoluttemperatur, denn hier werden meist in Tabellen und Graphiken die Temperaturdifferenzen zwischen den Messstellen und deren Beziehung zueinander veranschaulicht, und es ist für den Laien sicher schwierig zu verstehen, was ein Temperaturunterschied zwischen z.B. Carapaxtemperatur und der inneren Körpertemperatur von etwa –6 ºC bedeuten mag. Insofern möchte ich auch hier nur anmerken, dass als allgemeingültige Aussage gelten kann, dass die Schildkröten im Sommer die innere Körpertemperatur unterhalb der Umgebungstemperatur halten, mit Ausnahme des Morgens, wenn sie sich nach der Nacht aufwärmen, und sie sie im Winter deutlich über der Umgebungstemperatur halten. Aber auch hier sei für manche unserer Veterinäre schon angedeutet, dass Körpertemperaturen von 36 ºC Ausnahmen darstellen und dass selbst Pantherschildkröten im Sommer bei einer Körpertemperatur von etwa 30,5 ºC den Schatten aufsuchen. Für alle, die sich für die wirklichen Körpertemperaturen und den damit assoziierten Verhaltensweisen der Tiere interessieren, empfehle ich die zweite Arbeit aus dieser Serie (McMaster & Downs 2013) und den dazu verfassten Kommentar.

Literatur

McMaster, M. K. & C. T. Downs (2013): Thermoregulation in leopard tortoises in the Nama-Karoo: The importance of behaviour and core body temperatures. – Journal of Thermal Biology 38: 178–185 oder Abstract-Archiv.

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