Marschang, R. E., K. Ihász, R. Kugler, G. Lengyel, E. Fehér, S. Marton, K. Bányai, T. Aqrawi & S. L. Farkas (2016): Development of a consensus reverse transcription polymerase chain reaction assay for the specific detection of tortoise picornaviruses. – J Vet Diagn Invest. doi:10.1177/1040638716628584.

Die Entwicklung eines übereinstimmenden RT-PCR-Assays zum spezifischen Nachweis von Picornaviren bei Landschildkröten.

Picornaviren (PVs) von den verschiedensten terrestrischen Schildkrötenspezies wurden bis vor kurzem meist als „Virus X“ bezeichnet. Virus „X“ wurde häufiger in den verschiedensten Geweben anhand von Virusisolationstechniken nach Anzucht in Terrapeneherzzellkulturen als bevorzugte Labornachweismethode diagnostiziert. Hier beschreiben wir die Entwicklung von zwei RT-PCR-Assays zur Identifizierung und Charakterisierung von Picornaviren aus Schildkröten, die der vorgeschlagenen Gattung Topivirus zugerechnet werden. Zum Test dieser neuen Diagnosesysteme wurden PVs aus Mundschleimhautabstrichen und Gewebeproben die in Deutschland, Italien und Ungarn zwischen 2000 bis 2013 gesammelt worden waren, isoliert. Alle 25 getesteten Isolate zeigten eine positive Reaktion mit den beiden neuen Übereinstimmungsprimer-Sets. Die Sequenzierung der vervielfältigten Produkte bestätigten, dass alle untersuchten Viren zur neuen Gattung Topivirus gehörten. Die phylogenetische Analyse trennte klar zwischen 2 Linien innerhalb der Gattung. Basierend auf den Sequenzanalysen ergab sich aber keine Beziehung zwischen der geographischen Herkunft und der genetischen Verwandtschaft der Virusisolate. Zudem ließ sich auch keine strikte Wirtsspezifität für die Isolate erkennen. Diese auf der PCR-beruhenden Diagnoseverfahren liefern eine sehr zeitsparende und sensitive Methode zum Nachweis von PVs in Schildkröten und der Nachweis dieser Viren bei Schildkröten kann dazu beitragen die Ausbreitung dieser Viren besser zu kontrollieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine sehr hilfreiche Arbeit zur Feststellung von Picornaviren für die veterinärmedizinische Praxis. Allerdings denke ich, dass nach allem, was wir bisher zu diesen Viren wissen, es sich nicht verhindern lassen wird, dass sie Schildkrötenbestände infizieren, da sie doch recht ubiquitär vorkommen und meist nur bei Schildkrötenbeständen mit zu hohem Besatz oder wenn zu viele Nachzuchten auf zu kleinem Raum gehältert werden wirklich zu Erkrankungen führen dürften. Siehe auch: Farkas et al. (2014).

Literatur

Farkas, S. L., K. Ihász, E. Fehér, D. Bartha, F. Jakab, J. Gál, K. Bányai & R. E. Marschang (2014): Sequencing and phylogenetic analysis identifies candidate members of a new picornavirus genus in terrestrial tortoise species. – Archives of Virology 160 (3): 811–816 oder Abstract-Archiv.

Seitenanfang