Lyons, J. A. & D. J. D. Natusch (2011) Wildlife laundering through breeding farms: Illegal harvest, population declines and a means of regulating the trade of green pythons (Morelia viridis) from Indonesia. – Biological Conservation, (Vorabversion) doi:10.1016/j.biocon.2011.10.002.

Das Waschen von Wildfängen durch Zuchtfarmen: Illegales Absammeln, Populationsrückgänge und Maßnahmen zur Regulation des Handels mit Grünen Baumpythons (Morelia viridis) aus Indonesien.

Zuchtfarmen für Wildtiere wurden einst gefördert, um die Biodiversität dadurch zu erhalten, dass sie den Absammel- oder Bejagungsdruck von den Wildpopulationen nehmen. Allerdings gibt es zunehmend Bedenken, dass diese Zuchtfarmen überwiegend dazu benutzt werden, illegal eingesammelte Wildtiere zu legalisieren. Die gezielten Untersuchungen von Wildtierhändlern in den indonesischen Provinzen Maluku, West Papua und Papua wurden zwischen August 2009 und April 2011 durchgeführt und hatten zum Ziel, den Handel mit Grünen Baumpythons (Morelia viridis) zu erfassen. Dabei handelt es sich um eine Art, die derzeit in sehr großen Stückzahlen von Indonesien aus exportiert wird, wobei alle als in Gefangenschaft nachgezogen deklariert werden. Insgesamt wurden während der Erfassungsuntersuchung 4.227 illegal gesammelte wilde Grüne Baumpythons konkret erfasst und die hohen Absammlungsraten hatten dazu geführt, dass die Untersuchungsgebiete leer geräumt waren und die demographischen Erhebungen für einige der Inselpopulationen ergaben verheerende Rückgänge. Die Schlangen wurden direkt von den Orten, wo sie gefangen wurden an die Zuchtfarmen in Jakarta geliefert, von wo aus sie in den Tierhandel gingen. Diese vor Ort Feststellungen bestätigen klar die Berichte aus der Vergangenheit, dass diese Zuchtfarmen dazu dienen, Wildfänge zu waschen, sprich umzudeklarieren. Die Hochrechnungen, die man anhand der Zahlen von pro Jahr gefangenen Grünen Baumpythons von den Fängern erhält, lassen vermuten, dass immer noch mindestens 5.337 Grüne Baumpythons pro Jahr gefangen werden was nahe legt, dass etwa 80 % der jährlich von Indonesien exportierten Baumpythons illegale Wildfänge sind. Das Ergebnis der Untersuchung von nur 139 Eierschalen, die von fünf verschieden Pythonspezies stammten legen nahe, dass man die Eierschalen der Reptilien zur Überprüfung von deren Herkunft verwenden kann und dass man diesen Nachweis für jedes der zu exportierenden Tiere fordern sollte. Diese Methode sollte in Anbetracht, dass Zuchtfarmen eine bedeutende Rolle in Bezug auf die illegale Ausbeutung der Bestände spielen, den Arterhaltungsmanagern ein Werkzeug an die Hand geben mit dem sie beginnen können, den Handel in adäquater Weise zu überwachen und die Rolle der Zuchtfarmen zu regulieren und festzulegen, sodass deren Funktion zum Schutz der Wildbestände auch umgesetzt werden kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sie fragen sich, warum eine Arbeit über Schlangen in einer Schildkrötenrubrik? Nun weil es sich hierbei um eine Arbeit handel,t die erstmals möchte ich sagen an exakt erfassten Daten die Umdeklaration von Wildfängen durch Zuchtfarmen belegt. Sicher, die Zahlen sind vergleichsweise niedrig, wenn man sie mit jenen für Vierzehenschildkröten vergleicht (siehe Vinke & Vinke 2009), aber es sind hier aktuelle Belege aus der jüngsten Vergangenheit, die nicht nur auf Abschätzungen beruhen und die nur für eine Art vorgenommen wurden. Zudem sind es aktuelle Zahlen aus schon seit Jahrzehnten ausgebeuteten Beständen (wer mehr dazu wissen will, wie lange und in welchen Mengen diese Exporte laufen, denen empfehle ich das Buch: Stolen World von Smith [2011]). Auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick scheinen ja Zuchtfarmen auch unter dem Anliegen von C.I.T.E.S. eine gute Idee zu sein, sowohl den Handel als auch den Schutz der Wildbestände zu gewährleisten, die aber anscheinend dem Moloch geopfert wird. Allerdings braucht eine gute Zuchtfarm nicht nur Zuchttiere, sondern auch eine entsprechende Infrastruktur und natürlich Investitionsmittel. Letzteres spart man sich, wenn man anstatt Nachzuchten heranzuziehen Wildfänge umdeklariert. Insofern ist es also zu begrüßen, dass solche Erhebungen nun auch nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt werden und dass man die Möglichkeiten, die die Molekularbiologie bietet (siehe Gaur et al., 2006, Shamblin et al. 2011) zunehmend auch für Reptilien nach forensischen Gesichtspunkten zur Kontrolle des Handels einsetzen will (siehe auch Kommentar zu Clapham & Van Waerebeek 2007). Diese illegalen Machenschaften beschränken sich ja nicht nur auf Schlangen, sondern gelten auch für Schildkröten (siehe Vinke & Vinke 2009, Jeitner & Jeitner 2011, Eisemberg et al. 2011) und wenn sie fragen, was uns dass hier Deutschland oder Europa zu interessieren hat, wo wir doch im eigenen Land nachzüchten, dann kann ich nur sagen, dass ich erst bei der letzten Börse in Hamm auf Nachfrage zumindest bei einem Anbieter gesagt bekam, dass die angeboten Burmesischen Sternschildkröten, Geochelone platynota Nachzuchten aus einer thailändischen Zuchtfarm stammen würden und legal in die EU importiert worden wären. Ein Schelm wer dabei Böses denkt! Denn selbst in den in Myanmar realisierten Nachzuchtprogrammen zur Wiederansiedlung klappt die Nachzucht eher mäßig. Wie geht das erst, wenn man vor Ort wirklich so züchten will, dass es Gewinn abwerfen soll?
Insofern sollten wir wirklich die besinnlichen Tage zwischen den Jahren nutzen, darüber nachzudenken, ob wir diese Importe wirklich brauchen, denn es gibt viele Gründe dafür, sich auch trotz der eigenen Passion dagegen zu entscheiden (siehe auch Kommentar zu Hildago-Vila et al. 2011, Rataj et al. 2011).
Betrachten wir den zweiten Blick. Zuchtfarmen, gerade solche, die im Herkunftsgebiet der jeweiligen Spezies angesiedelt sind, könnten natürlich dazu genutzt werden, so genannte Erhaltungspopulationen (Metapopulationen) aufzubauen, in denen Tiere unter seminatürlichen bis natürlichen Bedingungen so heranwachsen, dass sie sich bestens für eine Auswilderung oder Wiederansiedlung eignen sollten. Aber auch hier versagen derzeit die Kontrollinstanzen und die internationale Unterstützung fehlt meist völlig. Denn wenn man diese großräumigen wenigstens seminatürlichen, teureren Nachzuchtbedingungen nicht schafft und überwacht, zieht man mehr oder weniger domestizierte Tiere heran, deren Überlebenschancen in Freiheit kaum abzuschätzen sind. Zudem braucht man dann auch gute Zuchtprogramme, die nicht auf Masse sondern auf genetische Vielfalt ausgerichtet sind, um die Auswirkungen genetischer Flaschenhälse (siehe Kuo & Janzen 2004) und die damit eventuell verknüpften Domestikationserscheinungen so gering wie möglich zu halten. Ebenso sollte auch eine veterinärmedizinische Betreuung solcher Projekte gegeben sein. Würde man das wirklich im Sinne einer Erhaltungsnachzucht praktizieren, würde das wahrscheinlich auch dann wenn man ein paar Prozent der Nachzuchten zur Finanzierung der Maßnahmen kontrolliert in den Tierhandel abgibt ein Zuschussgeschäft bleiben, dass internationaler Unterstützung und Spenden bedürfte. Wenn man sich diesbezüglich dann anschaut, wie sich die USA gegenüber Madagaskar verhalten (siehe Lee 2011) wird klar, was aus diesen Vorhaben wird, und man versteht auch, warum Forscher wie Leuteritz oder Rioux-Paquette sich nicht mehr dort aufhalten, sondern zuhause mit Gopherus zu befassen haben. Wir sollten aber gerade an solchen Problemen erkennen, dass Artenschutz und Ökosystemschutz, die ja auch unmittelbar mit dem Klimaschutz verknüpft sind, eher auf ein langfristiges Engagement angewiesen sind, als auf kurzfristige und kurzsichtig, wahltaktisch planende Politik. Letzteres zwingt uns fast schon die Evaluierung und Errichtung von Metapopulationen (Bidmon 2008) auf, aber dazu an einem aktuellen Beispiel mehr im neuen Jahr.

Literatur

Bidmon, H.-J. (2008) Der Aufbau von Metapopulationen erscheint unerlässlich: Ein Kommentar. – Schildkröten im Fokus, Bergheim 5 (1): 32–34.

Clapham, P. & K. Van Waerebeek (2007): Bushmeat and bycatch: the sum of the parts. – Molecular Ecology 16 (13): 2607–2609 oder Abstract-Archiv.

Eisemberg, C. C., Rose, M., Yaru, B. & A. Georges (2010): Demonstrating decline of an iconic species under sustained indigenous harvest – The pig-nosed turtle (Carettochelys insculpta) in Papua New Guinea. – Biological Conservation., 144: 2282–2288.

Gaur A., A. Reddy, S. Annapoorni, B. Satyarebala & S. Shivaji (2006): The origin of Indian Star tortoises (Geochelone elegans) based on nuclear and mitochondrial DNA analysis: A story of rescue and repatriation. – Conservation Genetics 7 (2): 231–240 oder SiF 3 (3) 2006.

Hildago-Vila, J., A. Martinez-Silvestre, A. Ribas, J. C. Casanova, N. Perez-Santiago & C. Diaz-Panigua (2011): Pancreatitis associated with the helminth Serpinema microcephalus (Nematoda: Camallanidae) in exotic red-eared slider turtles. – (Trachemys scriptaelegans). – Journal of Wildlife Diseases 47 (1): 201–205 oder SiF 4/2011.

Jeitner, A. & F. Jeitner (2011): Illegaler Handel und Verzehr von geschützten Schildkröten im peruanischen Amazonasgebiet. – Schildkröten im Fokus, Bergheim 8 (1) 2011: 24–30.

Kuo, C.-H. & F. J. Janzen (2004): Genetic Effects of a Persistant Bottleneck on a Natural Population of Ornata Box Turtles (Terrapene ornata). – Conservation Genetics 5 (4): 425–437 oder SiF 2 (2) 2005.

Lee, H. (2011): Climate change, connectivity, and conservation success. – Conservation Biology, 25: 1139–1142.

Rataj, A. V., R. Lindtner-Knific, K. Vlahovic, U. Mavri & A. Dovc (2011): Parasites in pet reptiles. – Acta Veterinaria Scandinavica 53 (1): 33.

Shamblin, B. M., M. G Dodd, K. L. Williams, M. G. Frick, R. Bell & C. J. Nairn (2011): Loggerhead turtle eggshells as a source of maternal nuclear genomic DNA for population genetic studies. – Molecular Ecology Resources 11: 110–115 oder SiF 3/2011.

Smith, J. E. (2011): Stolen World: A Tale of Reptiles, Smugglers, and Skulduggery. – Crown Publishers, New York.

Vinke, T. & S. Vinke (2009): Bedrohen Schildkrötenfarmen die Wildbestände. – Schildkröten im Fokus, Bergheim 6 (4): 3–20.

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