Luiselli, L., G. C. Akani & E. Politano (2006): Effects of habitat alteration caused by petrochemical activities and oil spills on the habitat use and interspecific relationships among four species of Afrotropical freshwater turtles. – Biodiversity and Conservation 15 (11): 3751-3767.

Auswirkungen von durch petrochemische Aktivitäten und Ölkatastrophen verursachten Habitatveränderungen auf die Habitatnutzung und die interspezifischen Beziehungen von vier Spezies afrotropischer Süßwasserschildkröten

Die großräumigen Auswirkungen der durch die Ölindustrie und die damit verbundenen Verschmutzungen hervorgerufenen Habitatveränderungen auf die Habitatnutzung von vier Süßwasserschildkröten (Pelusios castaneus, Pelusios niger, Pelomedusa subrufa, Trionyx triunguis) wurden im Nigerflussdelta, südliches Nigeria (West Afrika) zwischen 1996 und 2004 untersucht. Die Anzahl der beobachteten Schildkröten sank während der Studie in den verschmutzten Gebieten drastisch ab, obwohl man zu deren Nachweis vergleichbare Untersuchungsmöglichkeiten einsetzte. Die Anzahl aller Schildkrötenindividuen und aller Arten sank stark in allen betroffenen Habitattypen, aber ein komplettes Verschwinden in verschmutzten Arealen wurde nur bei einem Hapitattyp für Trionyx triunguis und für zwei Habitattypen für Pelomedusa subrufa festgestellt. Die Durchschnittswerte für die Spezies-Dominanz sowie die Diversitätsindizes (wie viele Arten pro Habitat) waren nicht statistisch signifikant unterschiedlich beim Vergleich zwischen unbelasteten und veränderten Gebieten. Basierend auf der interspezifischen Gleichheit in Bezug auf die proportionale Häufigkeit der Schildkröten pro Habitattyp, zeigte ein Set multivariater Analysen (UPGMA), dass die Schildkröten drei ökologischen Clustern zugeordnet werden konnten: Einem (i), bestehend aus Pelomedusa subrufa in verschmutztem und unverschmutztem Gebiet und Trionyx triunguis im verschmutzten Gebiet; ein Zweites (ii) gebildet aus Pelusios castaneus in verschmutztem Gebiet und Pelusios niger im verschmutztem Gebiet; ein Drittes (iii) gebildet aus Pelusios castaneus im unverschmutztem Gebiet und Pelusios niger im unverschmutztem Gebiet; allerdings waren sich die Arten des letzten Clusters nicht sehr nahe, wie die Verbindungsdistanz von annähernd 80 % für die Euklidsche-Distanz zeigt. Die Habitatnutzung zwischen den Schildkröten sowohl für verschmutzte wie unverschmutzte Untersuchungsgebiete wurde anhand von zwei Typen von Überlappungsformeln (Pianka und Czechanowski) und unter Anwendung der Monte-Carlo-Randomisierungen untersucht, um zu kontrollieren, ob es zu zufälligen Assoziationen von Spezies innerhalb der aktuellen Datenmatrix hätte kommen können. Diese Daten zeigten, dass es für ein Paar von Spezies (Pelusios niger vs. Pelusios castaneus), zu einer statistisch signifikanten Zunahme für die gleiche Habitatnutzung im verschmutzten Gebiet im Vergleich zum sauberen Gebiet kam, und es konnte gezeigt werden, dass dieses Assoziationsmuster unabhängig vom Zufall war (also nicht zufallsbedingt hätte zustande kommen können). Berücksichtigt man, dass diese beiden Spezies sowohl von ihrer Ökologie her und auch morphologisch sehr ähnlich sind, so können wir daraus schließen, dass die wahrscheinlichste Konsequenz dieser Befunde ist, dass es zu einer Zunahme der Intensität bei der Zwischenartlichen-Konkurrenz in Bezug auf den Lebensraum zwischen Pelusios niger und Pelusios castaneus in verschmutzten Gebieten kommt. Obwohl man die Richtung der Intensität dieses Kompetitionsprozesses nicht so ohne weiteres vorhersagen kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Art, die von ihrer Biologie her am schlechtesten an das Leben in offenen Flusssystemen und offenen Bächen angepasst ist, Nachteile gegenüber dem anderen Konkurrenten hat.

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