Loy, A., V. Ramacciato, F. Gentilotti & M. Capula (2007): Demography of Eurotestudo hermanni in a mesic area of Central Italy. – Amphibia-Reptilia 28: 87-95.

Die Demographie von Eurotestudo hermanni in einer Region mit mittlerer Bodenfeuchte in Zentralitalien

Die Griechische Landschildkröte (Eurotestudo hermanni), die in einer Region mit mittlerer Bodenfeuchte in Zentralitalien (Isernia, Molise) lebt, wurde hier für eine Periode von zwei Jahren (2003-2004) untersucht. Die Population ist im Vergleich zu anderen italienischen Populationen und europäischen Landschildkrötenpopulationen durch eine ziemlich hohe Populationsdichte charakterisiert. Die Dichte variierte von 16,16 Individuen/ha in 2003 bis zu 25,08 Individuen/ha in 2004 (Durchschnitt 20.84/ha). Das Geschlechterverhältnis lag in beiden Untersuchungsjahren bei 1:1. Weibchen wurden während der Monate Mai bis Juli in 2003 als auch in 2004 zu einem höheren Prozentsatz (häufiger) gefunden, wohingegen Männchen am häufigsten während der Monate August bis Oktober anzutreffen waren. Diese Unterschiede stehen in Bezug zu unterschiedlichen Bedürfnissen und Verhaltensweisen von Männchen und Weibchen während der beiden jahreszeitlichen Aktivitätsperioden und sind sicher auch durch die Umweltbedingungen im Untersuchungsareal bedingt. Alle aufgefundenen Schildkröten waren 10 bis 21 Jahre alt. Die adulten Männchen und Weibchen im Untersuchungsgebiet waren im Vergleich anderen italienischen und europäischen Populationen relativ klein.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Population adulter Schildkröten wird noch als normal eingestuft, dass heißt, dass zumindest die adulten Tiere noch nicht durch menschliche Einflüsse dezimiert wurden. Dabei fällt auf, dass es – wie in etlichen anderen Populationen auch – trotz der relativ hohen Dichte zu einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis kommt, wobei sehr wahrscheinlich die Weibchen gehäuft während der Eiablagesaison aktiv sind, während die Männchen zur Herbstbalz hin aktiver und damit leichter zu finden sind. Das sollte doch eigentlich die Frage aufwerfen, warum man nicht auch bei der Tierhaltung ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis anstreben sollte? Denn viele unserer in Zuchtgruppen artifiziell eingestellten Geschlechterverhältnisse scheinen zumindest genauso unnatürlich zu sein wie das Platzangebot. Schließlich bedeutet eine hohe Populationsdichte bei 25 Individuen pro Hektar doch 1 Tier pro 400 m2. Natürlich kann kaum ein Halter seinen Tieren so viel Platz bieten, aber sollte man der Ehrlichkeit halber dann nicht auch von solchen Vortragstiteln oder Veröffentlichungstiteln: „Wie Schildkrötenhaltung unter natürlichen Bedingungen“ Abstand nehmen? Und sollte man alle Empfehlungen zu Problembehebungen bei Balzverletzungen, Paarungsstress und damit assoziierte Verletzungen und Krankheiten nicht klar als Probleme beschreiben, die aus unnatürlichen Haltungsbedingungen herrühren, anstatt, nur weil man den Tieren kein den natürlichen Habitaten entsprechendes strukturiertes Platzangebot bieten kann, zu behaupten, dass Gemeinschaftshaltung unnatürlich sei oder unmöglich sei, weil die Tiere zu unverträglich bzw. unsozial seien. Das ist doch nachweislich Blödsinn, denn in der Natur werden sie ja auch nicht künstlich getrennt, sie haben lediglich eine Sozialstruktur, die mehr Raum und Platz und vielleicht auch etwas andere klimatische Bedingungen erfordert, als wir in den meisten Tierhaltungen bieten können. Wenn man Menschen auf zu engem Raum einpfercht und die Bewachung zu lasch handhabt, kann es auch zu Mord und Totschlag kommen, wie man bei manchen Vorfällen in Strafanstalten durchaus auch in Deutschland feststellen kann. Nichtsdestotrotz sollten wir nicht auch als Halter die Kirche nach Möglichkeit im Dorf lassen und keine Dinge als natürlich oder naturgegeben bezeichnen, deren eigentliche Ursachen in den unnatürlichen Haltungsbedingungen liegen?
Siehe auch: Crews, D., W. Lou, A. Fleming & S. Ogawa (2006): From gene networks underlying sex determination and gonadal differentiation to the development of neural networks regulating sociosexual behavior. – Brain Research 1126: 109-121 oder Abstract-Archiv.

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