Loehr, V. J. T. (2018): Thermoregulatory challenges in the habitat of the world's smallest tortoise, Chersobius signatus. – Journal of Thermal Biology 71: 62-68; DOI: 10.1016/j.jtherbio.2017.10.018.

Thermoregulatorische Herausforderungen im Habitat der weltweit kleinsten Landschildkröte, Chersobius signatus.

Ektotherme haben verschiedene Möglichkeiten, um mit niedrigen Umgebungstemperaturen umzugehen, allerdings wurden nur wenige Arten wirklich diesbezüglich umfassend untersucht. Konsequenterweise verfügen wir kaum über Informationen um vorherzusagen, wie ektotherme Populationen auf globale Temperaturveränderungen reagieren werden. Landschildkröten aus den temperierten oder subtropischen Regionen überleben periodisch auftretende Kälte in dem sie einen Winterschlaf einlegen, aber die Gesägte Flachschildkröte (Chersobius signatus) muss aktiv bleiben um ihr saisonal vorhandenes Futter zu finden, da es nur durch die Winterregenfälle bedingt dann zur Verfügung steht. Diese Studie untersuchte, wie die Gesägte Flachschildkröte mit niedrigen Temperaturen während des Winters und Frühjahrs umgeht, in dem die thermischen Habitatbedingungen gemessen wurden und die Thermoregulationsmöglichkeiten basierend auf verschieden schwankenden operativen Temperaturmodellen in der Sonne, im Schatten und in tiefen Felsspalten modelliert wurden. Die Untersuchungen wurden über das ganze Jahr hinweg ausgedehnt, um ein Bild für die Thermoregulation über den Jahreszyklus hinweg zu erfassen. Obwohl größere Modelle (z. B. größere als die kleinen Flachschildkröten) erwartungsgemäß niedrigere operative Temperaturen haben sollten als kleinere, weil die ersteren größere innere thermische Speicherkapazitäten haben sollten, zeigten alle Modelle gleiche Temperaturprofile. Insofern war die kleine Körpergröße der Zielart nicht ausschlaggebend in Bezug auf eine Beschränkung durch die aufnehmbare Körpertemperatur während der kühlsten Jahreszeit. Trotzdem bot die niedrige operative Temperatur im Winter eine Herausforderung für die Landschildkröten, da sie ihre bevorzugte Körpertemperatur im freien Feld für nur durchschnittlich 0,8-0,9 Stunden pro Tag aufrechterhalten konnten. Zudem bedingte die niedrige Thermoregulationseffektivität vermutlich eine Kosten-Nutzenabwägung zwischen den physiologischen Vorteilen der bevorzugten Körpertemperatur und dem erhöhten Risiko Beutegreifern zum Opfer zu fallen. Der Frühling und der Herbst boten höhere Temperaturen, aber der Sommer stellte die größte Herausforderung in Bezug auf die Körpertemperatur dar. Obwohl die sommerlichen Körpertemperaturen wesentlich näher an der bevorzugten Körpertemperatur als zu jeder anderen Jahreszeit lagen, benötigten die Schildkröten Felsspalten um sich vor Überhitzung zu schützen. Die geringe Körpergröße der Schildkröten mag ihnen helfen diese Felsspalten zu nutzen. Im Sommer entsprachen die operativen Temperaturmaxima in den Felsspalten denen der bevorzugten Körpertemperatur im Freien, was nahelegt, dass ein Anstieg bei den Umgebungstemperaturen diese Schildkröten gefährden könnte. Im Hinblick auf die prognostizierten Temperaturanstiege müssen zukünftige Studien untersuchen ob Gesägte Flachschildkröten mit noch höheren Umgebungstemperaturen während des Sommers umgehen können.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit die wieder einmal zeigt welche Probleme diese kleinen Arten haben und welche Möglichkeiten sie zur Temperaturregulation nutzen. Was mir aus physikalischer Sicht aber hier aufstößt ist die Tatsache, dass die Modelle keine größenabhängigen Unterschiede für die Temperaturspeicherung zeigen sollen. Was aber ein ganz klarer Vorteil der kleinen und flachen Arten sein dürfte, ist ihre Befähigung sich schnell aufzuwärmen. Um sich gegen zunehmende Sommertemperaturen und Überhitzung zu schützen bleibt ihnen aber wohl die Möglichkeit tiefere Höhlen zu finden. Letztere könnten dann der limitierende Faktor für die Populationsgröße werden.

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