Lecis, R., B. Paglietti, S. Rubino, B. M. Are, M. Muzzeddu, F. Berlinguer, B. Cheesa, M. Pittau & A. Alberti (2011): Detection and Characterization of Mycoplasma spp. and Salmonella spp. in Free-living European Tortoises (Testudo hermanni, Testudo graeca, and Testudo marginata) – Journal of Wildlife Diseases 47 (3): 717–724.

Detektion und Charakterisierung von Mycoplasma spp. und Salmonella spp. bei frei lebenden Europäischen Landschildkröten (Testudo hermanni, Testudo graeca, und Testudo marginata).

Frei lebende und unter menschlicher Obhut gepflegte Schildkröten können unter einer Infektion der oberen Luftwege leiden (upper respiratory tract disease, URTD). Diese Erkrankung wird primär durch Mycoplasma agassizii hervorgerufen. Wild lebende Schildkröten können ebenso ein nicht zu vernachlässigendes Reservoir für Salmonella spp. darstellen, die als Kommensalen im Wirtsorganismus leben, aber potentiell gefährliche zoonotische Pathogene darstellen. Zwischen Juli 2009 und Juni 2010, untersuchten wir frei lebende Europäische Landschildkröten (Testudo graeca, Testudo hermanni, Testudo marginata), die temporär in einem Wildtierzentrum in Italien untergebracht waren. Wir charakterisierten 13 Mycoplasma-Isolate, die in allen untersuchten Testudo-Spezies nachgewiesen wurden, wobei auch drei der PCR-positiven Tiere zum Zeitpunkt der Probennahme typische klinische Krankheitssymptome für URTD zeigten. Drei Salmonella enterica Serotypen (Abony, Potsdam, Granlo) wurden nachgewiesen, wobei alle drei bereits als Verursacher für reptilien-assoziierte Infektionen bei Menschen bekannt sind. Diese Ergebnisse heben die Bedeutung hervor, die Wildtiererhaltungszentren für die Verbreitung und Übertragung von pathogenen Erregern auf wilde Schildkröten, aber auch auf den Menschen zu kommt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wenn man auch trotz der Einhaltung von Hygienemaßnahmen nicht gerade immungeschwächten Personen den Besuch solcher Zentren empfehlen sollte, halte ich die Übertragung auf gesunde Menschen für das geringere Übel. Allerdings sollten wir uns schon fragen, welche Bedeutung der Bezeichnung „Schildkröten-Erhaltungs-Zentrum“ zukommt, wenn das zentrale Zusammenbringen von erhaltenswerten Individuen auch gleichzeitig ein erhöhtes und anscheinend nicht auszuschließendes Infektionsrisiko mit sich bringt, das sich bei der Auswilderung solcher Pathogenträger verheerend auf die Wildbestände auswirken kann? Wir sollten uns auch darüber im Klaren sein, dass es weltweit nirgends entsprechende Maßnahmen und Verfahren gibt, die bei der derzeitigen Praxis solche Infektionen verhindern könnten. Oder haben Sie, sofern Sie ihren Urlaub in einem dieser Zentren verbracht haben, gesehen, dass dort vor den Auswilderungsaktionen derartige Untersuchungen durchgeführt werden? Ich nicht, zumal dazu auch das Geld fehlen dürfte! Es scheint eher so zu sein, dass darauf vertraut wird, dass das Überleben eines solchen Aufenthalts die Überlebenden so abhärtet, dass sie eben weiterhin überlebensfähig sind. Über das Ausmaß von verstorben Tieren gibt es sowieso keine genauen Zahlen, geschweige denn, dass die Todesursache in der Vergangenheit in jedem Fall genau untersucht worden wäre. Hier kann man nur hoffen, dass sich einiges zum Besseren wandelt. Siehe auch: Kommentare zu Brown et al. 2008, Hunter et al. 2008, Lee et al. 2009, Mohammadpour et al. 2010.

Literatur

Brown, D. R., L. D. Wendland, G. J. Ortiz, M. F. Kramer, D. V. Lim, M. B. Brown & P. A. Klein (2008): Evanescent-wave biosensor for field serodiagnosis of tortoise mycoplasmosis. – Veterinary Immunology and Immunopathology 124 (3–4): 322–331 oder SiF 5 (3) 2008.

Hunter, K. W. Jr., S. A. Dupré, T. Sharp, F. C. Sandmeier & C. R. Tracy (2008): Western blot can distinguish natural and acquired antibodies to Mycoplasma agassizii in the desert tortoise (Gopherus agassizii). – Journal of Microbiological Methods 75 (3): 464–471 oder Abstract-Archiv.

Lee, K., T. Iwata, M. Shimizu, T. Taniguchi, A. Nakadai, Y. Hirota & H. Hayashidani (2009): A novel multiplex PCR assay for Salmonella subspecies identification. – Journal of Applied Microbiology 107 (3): 805–811 oder Abstract-Archiv.

Mohammadpour, H. A., C. R. Tracy, D. Redelman, S. A. Dupre' & K. W. Hunter (2010): Flow cytometric method for quantifying viable Mycoplasma agassizii, an agent of upper respiratory tract disease in the desert tortoise (Gopherus agassizii). – Letters in Applied Microbiology [Epub ahead of print] oder Abstract-Archiv.

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