Le, M., W. P. McCord & J. B. Iverson (2007): On the paraphyly of the genus Kachuga (Testudines: Geoemydidae). – Molecular Phylogenetics and Evolution 45: 398-404.

Über die Paraphylie der Gattung Kachuga (Testudines: Geoemydidae)

Diese Kurzmitteilung hat kein Abstract, deshalb hier kurz die wichtigsten Fakten. Die Autoren analysierten die systematische Stellung und die phylogenetischen Abstammungslinien anhand von drei mitochondrialen DNS-Sequenzen 12S, 16S und cyt b und zwei nukleären DNS-Sequenzen Rag 1 und Rag 2 für Batagur baska, Callagur borneoensis, Geoclemys hamiltonii, Geoemyda japonica, Geoemyda spengleri, Hardella thurjii, Kachuga dhongoka, K. kachuga, K. trivittata, Malayemys subtrijuga, Morenia ocellata, Orlitia borneensis, Pangshura smithii, P. tecta, P. tentoria, Rhinoclemmys melanosterna, R. nasuta und Siebenrockiella crassicollis. Anhand der Daten ergab sich für die Geoemydidae ein Stammbaum, der mit 93%iger Wahrscheinlichkeit als gut abgesichert gelten kann und durch unterschiedliche Analyseverfahren gestützt wird. Danach ergibt sich eine monophyletische Klade, der die Gattungen Batagur, Callagur, Hardella, Kachuga und Pangshura zuzurechnen sind. Zudem konnte die Stellung der Gattung Hardella geklärt werden, die ein Schwestertaxon zu Batagur+Callagur+Kachuga darstellt. Unter Einbezug der Spezies Kachuga kachuga und K. trivittata stützen die Befunde die Daten von Spinks et al. (2004), wobei es deutliche Anhaltspunkte dafür gibt, dass Kachuga polyphyletisch zu Callagur und Batagur ist. Hier ist die Schwesterbeziehung von K. kachuga zu Batagur als neu hervorzuheben. Anhand dieser Daten und morphologischer Untersuchungen an 27 Exemplaren schlagen die Autoren vor, die drei Gattungen Batagur, Callagur und Kachuga unter der Gattung Batagur (Gray 1855) zu vereinigen. Alle Arten dieser Klade weisen ein gemeinsames Charakteristikum auf, nämlich costale Fontanellen am Carapax adulter Männchen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine gut gestützte phylogenetische Analyse, die sich der gleichen Fragestellung widmet wie die fast zeitgleich erschiene Arbeit von Praschag et al. 2007 (Praschag, P., A. K. Hundsdoerfer & U. Fritz (2007): Phylogeny and taxonomy of endangered, South and South-east Asian freshwater turtles elucidated by mtDNA sequence variation (Testudines: Geoemydidae: Batagur, Callagur, Hardella, Kachuga, Pangshura). – Zoologica Scripta 36 (5): 429-442 oder Abstract-Archiv). Ohne in irgendeiner Form die publizierten Daten zu werten, zeigen diese fast zeitgleich erschienen Arbeiten – wobei wohl hier die Form Kurzmitteilung gewählt wurde, um eben noch im gleichen Jahr dabei zu sein – genauso wie die fast zeitgleich erschienenen Arbeiten zu T. werneri (s. Attum, O., S. B. El Din, S. Carranza, R. Earley, E. N. Arnold & B. Kingsbury (2007): An evaluation of the taxonomic validity of Testudo werneri. – Amphibia-Reptilia 28 (3): 393-401 oder Abstract-Archiv; Siroky, P. & U. Fritz (2007): Is Testudo werneri a distinct species? – Biologica Bratislava, 62: 1-4 oder Abstract-Archiv) wie interessant aber auch wie „umkämpft“ der „Markt der Systematik“ ist. Wie hoch dabei der Karrieredruck für die Nachwuchssystematiker ist, kann man nur vermuten. Ob dieser Druck auch der Qualität dient, bleibt offen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass etliche der neueren Artbeschreibungen noch nicht einmal eine Dekade lang Bestand hatten und die erst jüngst propagierte Gattung Eurotestudo auch schon wieder als obsolet anzusehen ist (siehe Abstracts zum Thema Genetik und Fritz, U. & O. R. Bininda-Emonds (2007): When genes meet nomenclature: Tortoise phylogeny and the shifting generic concepts of Testudo and Geochelone. – Zoology (Jena). 2007 doi:10.1016/jzool.2007.02.003 oder Abstract-Archiv). Welch negativen Auswirkungen dies für den aktiven Artenschutz hat, lässt sich nur vermuten, aber die Daten von Rivalan et al. (2007) (Can bans stimulate wildlife trade? Proactive management of trade in endangered wildlife makes more sense than last-minute bans that can themselves increase trading activity. – Nature 447: 529-530) oder Abstract-Archiv), Stuart et al. (2006) (Scientific description can imperil species. Science 312: 1187), Courchamp et al. (2006) (Rarity value and species extinction: The anthropgenic allee effct. – PLoS Biol. 4: e415 online und Nature) und Brook & Sodhi (2006): (Rare species have to cope not only with habitat loss, genetic bottlenecks and invasive competitors, but also with a self-reinforcing cycle of human greed. This last threat has now been dragged into spotlight. Nature 444: 555-557) sprechen eigentlich eine deutliche Sprache.

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