Kuchling, G. & O. Griffiths (2012): Endoscopic Imaging of Gonads, Sex Ratios, and Occurrence of Intersexes in Juvenile Captive-Bred Aldabra Giant Tortoises. – Chelonian Conservation and Biology 11: 91–96.

Die endoskopische Darstellung der Gonaden, des Geschlechterverhältnisses und von Zwittern bei juvenilen gezüchteten Aldabra-Riesenschildkröten.

Die Untersuchung des Geschlechterverhältnisses bei den Nachkommen ist für alle gefährdeten Arten von Bedeutung, die in Nachzuchtprogrammen erhalten werden sollen und bei denen eine temperaturabhängige Geschlechtsfestlegung vorliegt. Wir untersuchten hier das Geschlechterverhältnis von in Gefangenschaft nachgezogenen Aldabra-Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea oder Dipsochelys dussumieri) im La Vanille Krokodil- und Schildkrötenpark auf Mauritius. Die Geschlechtsorgane der kleinen juvenilen Aldabra-Riesenschildkröten sind dünn und länglich und hängen am dorsalen (Rücken-) Teil der Körperhöhle, wobei sich die Eierstöcke als transparente Schicht darstellen, die einige sichtbare Oozyten enthält, während sich Hoden als durchscheinende, wurstartige Stränge zeigen, deren Oberfläche von einem Netz feiner Blutgefäße durchzogen ist. Mit zunehmendem Wachstum erweitern sich die Eierstöcke, und es werden an deren Oberfläche praevitellinogene Follikel sichtbar. Die Hoden erscheinen erst pinkrosa-weiß und später gelblich mit tubulären Strukturen, die durch die dünne transparente Theka mit ihrem feinen Adergeflecht und eingelagerten Melanozyten zu erkennen sind. Drei Schildkröten hatten sowohl Hoden als auch Eierstöcke und wurden deshalb als Zwitter identifiziert. Die Aldabra-Riesenschildkröten, die in La Vanille während der späten 1990-iger und in den 2000-dern gezüchtet wurden, zeigten ein Geschlechterverhältnis Männchen/ Weibchen von 1:4(n = 106), was nahe legt, dass Aldabra-Riesenschildkröten eine temperaturabhängige Geschlechtsfestlegung zeigen. Allerdings wurden bislang die Inkubationsbedingungen nicht so genau überwacht, dass man schon eine Pivotaltemperatur oder die Temperaturspanne für eine Männchen und Weibchen produzierende Temperatur bestimmen könnte. Da für Nachzuchtprogramme gefährdeter Spezies ein durch Weibchen dominiertes Geschlechterverhältnis vorteilhaft gegenüber einem Männchen dominierten oder einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis erscheint, deutet sich an, dass es derzeit im Hinblick auf ein verbessertes Geschlechterverhältnis keine Notwendigkeit gibt, an den praktizierten Inkubationsbedingungen etwas zu verändern.

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