Kuchling, G, W. K. Ko, S. A. Min, T. Lwin, K. M. Myo, T. T. Kaing, T. T. Kaing, W. W. Mar & N. N. Win (2006): Two remnant populations of the roofed turtle Kachuga trivittata in the upper Ayeyarwady River system, Myanmar. – Oryx 40 (2): 176-182.

Zwei Reliktpopulationen der Dreistreifen-Dachschildkröte, Kachuga trivittata im oberen Ayeyarwady-Flusssystem, Myanmar

Die endemische Dreistreifen-Dachschildkröte, Kachuga trivittata ist in den meisten Teilen ihres ehemaligen Verbreitungsgebiets im Ayeyarwady-Flusssystem von Myanmar ausgerottet. Es sind nur noch zwei kleine Restvorkommen bekannt, die überlebt haben. Eines liegt in einem kleinen Flussabschnitt im oberen Chindwinfluss wo K. trivittata überlebte, weil es in den dort liegenden Shan-Dörfern traditionell verboten ist, große adulte K. trivittata zu töten. Trotzdem hat diese Population während der letzten Jahre einen dramatischen Rückgang erfahren, da dieses Verbot immer mehr durch nomadisierende Fischer, die von Zentralmyanmar aus einwandern und sich nicht an die lokalen Traditionen halten, aufgeweicht wird. Zudem werden natürlich traditionell die Gelege für Nahrungszwecke übermäßig genutzt. Allerdings bildet das traditionelle Fangverbot der Shan-Bevölkerung eine gute Basis. um über dessen verstärkte Durchsetzung und über zusätzliche Aufklärung der Zuwanderer ein Schutzprogramm zu etablieren. Zukünftige Maßnahmen müssten darauf abzielen, die Gelege zu schützen und Verbote zu erlassen, die das Errichten von Fischercamps und saisonbedingten, temporären Ansiedlungen auf den Sandbänken, die als Niststrände von K. trivittata genutzt werden, verbieten. K. trivittata überlebte zudem in einem kleinen Areal des Dokhtawadyflusses, weil sie dort nur geringem Jagddruck ausgesetzt war, da der Bereich in einer umkämpften Frontlinie der Regierungstruppen mit Rebellen lag. Allerdings seit dieses Gebiet wieder offen und ruhig ist, steht auch diese Population vor der Ausrottung, und es wird zudem in diesem Gebiet ein Wasserkraftwerk gebaut, das die ökologischen Bedingungen in diesem Flussabschnitt drastisch verändern wird. Wir schlagen hier vor zu untersuchen, ob man den entstehenden Stausee so gestalten kann, dass er für ein Erhaltungsprogramm zur Erhaltung der K. trivittata Population genutzt werden kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Gerade das letzte Beispiel zeigt eigentlich ein grundlegendes Problem des Naturschutzes, was wir auch aus Deutschland gut kennen: Überbevölkerung und Habitatverlust durch Zersiedelung. Kurz gesagt: Dort wo es den Menschen schlecht geht, geht's der Natur noch gut! Da sichert eine Kampf- bzw. Kriegszone das Überleben einer Art in Myanmar genauso wie dies für den ehemaligen Grenzstreifen zwischen BRD und DDR galt (siehe Seeadler, Laubfrosch). Sollten wir uns nicht auch mal darauf besinnen, uns auch schon aus Dankbarkeit für den errungenen Frieden naturkonform zu verhalten? Spinnen Sie den Gedanken weiter und träumen Sie davon, wie es wohl aussehen könnte, wenn sich der Planet einmal zurückholt, was ihm verloren ging (evt. kriegsähnliche Zustände); New Orleans nur als ein Vorgeschmack.

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