Kuchling, G. (2006): Endoscopic sex determination in juvenile freshwater turtles, Erymnochelys madagascariensis: Morphology of gonads and accessory ducts . – Chelonian Conservation and Biology 5 (1): 67-73.

Endoskopische Geschlechtsbestimmung bei juvenilen Süßwasserschildkröten, Erymnochelys madagascariensis: Morphologie der Gonaden und ihrer akzessorischen Gangsysteme

Die Gonaden und deren akzessorischen Gänge von 140 lebenden, in Gefangenschaft aufgezogenen juvenilen Erymnochelys madagascariensis (72-375 g Körpermasse) im Alter von 1-3 Jahren und die von einigen größeren wild lebenden Schildkröten wurden endoskopisch untersucht. Die Gonaden von allen untersuchten Schildkröten konnten zweifelsfrei als Hoden oder Eierstöcke identifiziert werden. Von den in Gefangenschaft aufgezogenen Jungtieren waren 75 % Weibchen und 25 % Männchen. Ein Jahr alte Weibchen hatten schmale, dünne, transparente Ovarien mit transparenten weißlichen Follikeln und dünnen Eileitern. Die Follikel der zweijährigen sind in ihrer Anzahl erhöht und erscheinen als transparente weißliche flache Scheiben und die Ovidukte sind breiter, transparent-weißlich bis weiß. Dreijährige Weibchen haben gelb-weiße Follikel und weißliche Eileiter. Juvenile Weibchen über 0,5 kg Körpermasse haben gelbe Follikel und weiße Ovidukte. Ein einjähriges Männchen und zwei kleinere zweijährige Männchen zeigten rose-pink-weißlichfarbene Hoden und transparente Samenleiter. Die anderen zweijährigen Männchen hatten gelb-orangefarbene Hoden und in Männchen mit über 130 g Körpermasse waren die Samenleiter transparent weißlich. Dreijährige Männchen hatten auch gelb-orange Hoden, die dicker und runder waren und weißliche (milchig erscheinend), meandernde Ducti epididymides. Die entwicklungsbedingten Veränderungen des juvenilen Reproduktionstrakts scheinen mehr in Abhängigkeit vom Alter als mit der Körpermasse einherzugehen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher eine zuverlässige Methode zur frühzeitigen Geschlechtsbestimmung, die auch bei der Kleinheit der Geräte unter Umständen im Feld einzusetzen ist. Dennoch ist damit ein invasiver Eingriff verbunden, und es muss eine sterile Wundversorgung gewährleistet sein. Insofern wäre es interessant zu wissen, ob man auch über eine Endoskopie der Kloake die Geschlechtsbestimmung genauso zuverlässig machen könnte, denn dort sollten ja auch die Eileiter bzw. die Penisanlage einmünden. Ferner wäre es, wenn auch nicht im Feld so doch für die in Zoos etablierten Zuchtprogramme eine gute Sache, die Methoden für eine nicht-invasive computer-tomographische Geschlechtsbestimmung zu erarbeiten. Hochauflösende Geräte erreichen heute schon Auflösungen, die im Bereich von wenigen 100 µm liegen, was eigentlich ausreichend sein sollte.

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