Kahn, P. F., C. Guyer & M. T. Mendonca (2007): Handling, blood sampling, and temporary captivity do not affect plasma corticosterone or movement patterns of Gopher Tortoises (Gopherus polyphemus). – Copeia (3): 614-621.

Behandeln, Blutentnahme und zeitweilige Gefangenschaftshaltung beeinflussen nicht die Plasmacorticosteron- und Bewegungsmuster von Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus)

Wissenschaftler müssen häufig wilde Tiere ergreifen oder in Fallen fangen und handhaben, um grundlegende morphometrische, physiologische oder Gesundheitsdaten zu erfassen. Obwohl wir wissen, dass diese Bedingungen die Glucocorticoidspiegel bei vielen Spezies beeinflussen, gibt es nur wenige Studien, die auch untersuchen, ob dies zu Verhaltensänderungen bei den Tieren führt. Letzteres ist von besonderem Interesse für Wissenschaftler, die sich mit der Untersuchung der gefährdeten Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus) befassen, einer Art, die oft in Fallen gefangen wird und die länger andauernde Untersuchungen über sich ergehen lassen muss. Aus diesem Grund führten wir eine Studie durch, indem wir folgende Protokollabläufe nutzten wie Fallenfang, Behandlung mit Blutentnahme, Injektion mit einer sterilen Lösung, Nasenspülung, und kurzzeitige Gefangenschaftshaltung, um deren Auswirkungen auf die Gopherschildkröten zu analysieren. Erfasst wurden die Veränderungen beim Plasmacorticosteron, bei den Bewegungsmustern, bei der Höhlennutzung und bei der Home range. Wir erfassten diese Daten für vier Wochen vor der Behandlung und für vier Wochen nach dem Anwenden des Behandlungsprotokolls bei einer experimentellen und einer Kontrollgruppe. Wir fanden keine Auswirkungen, die durch die Anwendung des Untersuchungsprotokolls zustande kamen für die Plasmacorticosteronspiegel oder bei den Bewegungsmustern einschließlich der durchschnittlichen Wanderstrecken pro Wanderung, der Anzahl der Tage zwischen den Wanderungen und der durchschnittlichen Anzahl benutzter Höhlen und bei der Home range. Die einzige signifikante Abweichung bestand darin, dass die Schildkröten der experimentellen Gruppe eine Erhöhung der Anzahl von Wanderungen zu anderen Höhlen zwischen der Pro- und Postbehandlungsphase zeigte. Allerdings lag dieser geringfügige Anstieg in der Anzahl der Wanderungen zum Höhlenwechsel in einer Zeit, zu der auch andere Studien eine Erhöhung bei der Anzahl der Wanderungen zwischen Höhlen berichteten. Zusätzlich veränderte sich durch diese erhöhte Bewegungshäufigkeit nicht die Anzahl der benutzten Höhlen und auch nicht die Home range. Wir schließen daraus, dass die Anwendung moderat invasiver Protokolle mit kurzzeitiger Handhabungsdauer keine signifikanten Auswirkungen auf die Corticosteronspiegel und die täglichen Bewegungsmuster bei Gopherschildkröten haben.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Ergebnisse sind erstaunlich, und man fragt sich, ob nicht schon während der vierwöchigen Vorlaufphase ein gewisser Gewöhnungseffekt bei den Tieren auftritt, der sich nur deshalb nicht von den Kontrolltieren deutlich unterscheidet, weil denen ja auch Blut abgenommen werden muss, was eine gewisse Behandlung zwangsläufig mit einbezieht?

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