Kaddour K. B., E. H. El Mouden, T. Slimani, F. Lagarde & X. Bonnet (2005): Sexual dimorphism, growth and maturation patterns of Testudo g. graeca, in the Central Jbilets, Morocco. – Revue d'Ecologie – La Terre et la Vie 60 (3): 265-278.

Geschlechtsunterschiede, Zuwachsraten und Geschlechtsreife bei Testudo g. graeca im Zentral Jbilet (Massiv), Marokko

Geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf die Größe, Wachstumsraten und Erlangung der Geschlechtsreife wurden für die mediterrane Maurische Landschildkröte, (Testudo g. graeca), in der Bergregion des Zentralen Jbilets (West-Marokko) untersucht. Die Anzahl und die Breite der Wachstumsringe auf den Schilden wurden zur ungefähren Altersbestimmung zum Zeitpunkt der Geschlechtsreife und zur Abschätzung der Zuwachsraten bei den juvenilen Tieren heran gezogen. Männchen erreichten die Geschlechtsreife früher als Weibchen, wobei die Zuwachsraten bis zum Erreichen der Geschlechtsreife für beide Geschlechter gleich waren. Somit sind Männchen beim Erreichen der Geschlechtsreife kleiner als Weibchen. Allerdings wurde auch eine nicht zu vernachlässigende Variationsbreite bezüglich des Alters und der Größe bei Erreichen der Geschlechtsreife festgestellt. Bei beiden Geschlechtern finden sich frühreife Individuen, die sich anfänglich durch eine hohe juvenile Zuwachsrate auszeichnen, insgesamt bleiben sie aber später kleiner als sich langsamer entwickelnde und erst später geschlechtsreif werdende Individuen. Dies zeigt, dass der Zeitpunkt des Erreichens der Geschlechtsreife von den juvenilen Zuwachsraten abhängt. Die Bedeutung der Unterschiede in Bezug auf das Alter, die Größe und die Geschlechtsreife während der Entwicklung der Individuen mag eine Plastizität (individuelle Anpassungsfähigkeit) in Bezug auf Schwankungen in den Umweltbedingungen widerspiegeln.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher ist die Schlussfolgerung, dass sich vielleicht jährliche Unterschiede in den Umweltbedingungen z. B. trockene versus feuchte Jahre auf die Entwicklung der Schildkröten auswirken, nicht von der Hand zu weisen. Kennen wir aber nicht alle das Phänomen, dass sich selbst Junge aus einem Gelege unterschiedlich schnell entwickeln? Auch in der Natur müsste man dann davon ausgehen, dass einige Jungtiere in einem besserem Mikrohabitat aufwachsen als andere. Oder die Unterschiede müssten immer nur für bestimmte Jahrgänge zutreffen. Dennoch bin ich der Meinung, dass dieses Phänomen komplexere Ursachen hat, die sowohl genetisch bedingt sein können, als auch schon vom Schlupf an durch die Schlupfgröße (siehe O'Brien et al., 2005, Abstract-Archiv), vorgegeben sein könnten. Hier kann sogar jeder Terrarianer, der Schildkröten nachzieht, einen eigenen Beitrag leisten, indem er nämlich von Anfang an Eigröße, Inkubationsbedingungen, Schlupfgewicht und dann natürlich die Entwicklung der Tiere möglichst lückenlos und vergleichbar dokumentiert.
Mit 100 Literaturangaben zum Thema ist die Arbeit sicher auch ein guter Ausgangspunkt, um sich ein eigenes Bild zu machen.

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