Jones, S. C., W. J. Jordan IV, S. J. Meiners, A. N. Miller & A. S. Methven (2007): Fungal Spore Dispersal By The Eastern Box Turtle (Terrapene carolina carolina). – The American Midland Naturalist 157 (1): 121-126.

Pilzsporenverbreitung durch die östliche Dosenschildkröte (Terrapene carolina carolina)

Obwohl die Sporen der meisten Großpilze durch den Wind oder das Wasser verteilt werden, so mag auch die Verbreitung durch biologische Vektoren eine Rolle spielen. Die östliche Dosenschildkröte (Terrapene carolina carolina) ist eine fakultativer Pilzfresserin (Mykovor), die eine wichtige Rolle für die Verbreitung von Pilzsporen spielen mag, obwohl bislang keine Informationen vorliegen, dass Pilze in den Kotproben von Dosenschildkröten gefunden wurden oder dass Dosenschildkröten eine ökologische Bedeutung als Verbreitungsvektor für Pilze haben. Konsequenterweise haben wir eine Studie veranlasst, um zu untersuchen, welches Potential die östliche Dosenschildkröte als Verbreitungsvektor haben könnte. Dazu wurden wilde Dosenschildkröten gefangen und Kotproben gewonnen. Serielle Verdünnungsreihen der Kotproben wurden angelegt, um die Sporen auszuzählen, die Anzahl der Sporen pro Gramm Kotprobe zu bestimmen und um die Sporen zu isolieren und die Pilze zu identifizieren. Pilzsporen wurden in sehr großer Menge gefunden und waren extrem häufig in allen gesammelten Kotproben. In den Kotproben von 36 Schildkröten wurden Sporen von 23 unterschiedlichen Pilzarten aus den Taxa der Zygomycota, Ascomycota und Basidiomycota gefunden. Zwei Hefearten wurden isoliert, Cryptococcus albidus und Rhodotorula mucilaginosa, die in der Natur von Trifolium-(Klee)-Samen bekannt sind wurden in den Kotproben gefunden. Ein Schimmelpilz, der bislang aus Kotproben nicht bekannt war, Aspergillus wentii, wurde ebenfalls aus den Proben isoliert. Die gesammelten Daten lassen vermuten, dass östliche Dosenschildkröten einen Einfluss auf die Verbreitung von Pilzsporen haben, indem sie diese mit Pflanzen aufnehmen und in hohen Mengen über ihre Ausscheidungen in ihrem Lebensraum verbreiten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wie schon für Pflanzensamen berichtet (Liu et al. (2004): Oecologia 138: 539-546 oder Abstract-Archiv) scheinen also auch Pilze von Dosenschildkröten verbreitet zu werden. Nun, unklar bleibt, ob die Dosenschildkröten auch Pilze fressen, denn es wurden ja keine im Kot nachgewiesen, was die Autoren veranlasst, in ihrer Schlussbilanz darüber zu spekulieren, ob die Pilzsporen als Anhaftungen der Futterpflanzen mit aufgenommen werden. Allerdings halte ich persönliche diese Vermutung für wenig begründet und wenn sie zutrifft, mag sie für die auf Pflanzen lebenden Pilzarten zutreffen. Die Sporenmenge ist aber für andere Arten so hoch, dass man dann schon postulieren müsste, dass die Schildkröten die Sporen im Darm anreichern, was ich auch nicht glaube. Falls die Schildkröten Pilze direkt aufnehmen, könnte es sein, dass sie diese so gut verdauen, dass man sie bestenfalls noch in Magenspülungen als Pilze identifizieren könnte, nicht aber im ausgeschiedenen Kot. Viel eher ist aber davon auszugehen, dass die Pilzsporen aus dem Darm von Schnecken, Würmern und Insekten stammen, die als Pilzfresser bestens bekannt sind und die auch zum Beutespektrum von Dosenschildkröten gehören (siehe auch Gilbertson & Radke (2006): American Malacological Bulletin 21: 17-22 oder Abstract-Archiv). Für die Schildkröten selbst könnte die Aufnahme von Pilzen direkt oder indirekt über andere Wirbellose von Bedeutung sein, denn Pilze sind dafür bekannt, dass sie z.B. hohe Mengen an Vitamin D, bestimmte Mineralien und essentielle Aminosäuren enthalten (Mattila et al. 2000: Nutrition 16: 694ff). Insofern ist diese Beobachtung durchaus ein Indiz dafür, Pilze als Direktfutter oder als Futter in der Futtertierzucht nicht zu vernachlässigen, um gehaltenen Tieren ein ihrer Natur entsprechendes Nahrungsangebot liefern zu können und Mangelerscheinungen vorzubeugen. Denn manche Reptilienarten müssen sich nicht unbedingt in die Sonne oder UVB-Strahlen einer Lampe setzen, um z. B. ihren Vitamin D-Bedarf zu decken, insbesondere dann nicht, wenn sie von Natur aus daran angepasst sind, diesen über die Nahrung sicher zu stellen.

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