Jodice, P. G. R., D. M. Epperson & G. H. Visser (2006): Daily energy expenditure in free-ranging gopher tortoises (Gopherus polyphemus). – Copeia 2006 (1): 129-136.

Der tägliche Energieverbrauch bei frei lebenden Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus)

Studien zur Ökologie des Energiebedarfs bei Schildkröten sind selten. Hier beschreiben wir die ersten Untersuchungen zum täglichen Energieumsatz (DEE) und Wasserverbrauch (WIRS) in frei lebenden Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus). Wir verwendeten doppelt markiertes Wasser (DLW-Methode), um den DEE bei sechs adulten Tieren außerhalb ihrer Reproduktionsphase in Zentralmississippi, USA, zu bestimmen. Der tägliche Energiebedarf pro Schildkröte (DEE) variierte von 76,7-187,5 kJ/Tag, und der Wasserumsatz (WIR) bewegte sich zwischen 30,6-93,1 ml H2O/Tag. Es wurden keine Unterschiede im Energiebedarf zwischen den Geschlechtern festgestellt, aber der DEE stand in einer positiven Beziehung zur Körpermasse (d. h. je schwerer desto mehr Energie). Der Wasserbedarf variierte mit dem Geschlecht und der Körpermasse. Wir benutzten ein log/log Regressionsmodell, um die allometrische Beziehung zwischen DEE und Körpermasse für Gopherschildkröten, Wüstenschildkröten (Gopherus agassizii) und Dosenschildkröten (Terrapene carolina), den einzigen Schildkröten für die solche Daten vorliegen, zu ermitteln. Der Kurvenhöhepunkt in diesem allometrischen Modell lag bei (0,626), was deutlich niedriger war, als es früher für herbivore Reptilien mit (0,813) berechnet worden war. Letzteres lässt vermuten, dass Schildkröten einen wesentlich langsameren Energieumsatz haben als andere herbivore Reptilien. Wir benutzten weiterhin die Retrospective-Power-Analyse und die Daten aus der DLW-Isotopenanalyse, um Richtlinien in Bezug auf die Stichprobengröße, Dauer und die Messintervalle zu bestimmen, die man für groß angelegte Untersuchungen zum Energieverbrauch für diese Spezies einsetzen kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch wenn es sich kompliziert anhört, aber solche Untersuchungen bringen wirklich gute Daten, denn sie zeigen uns, welche Energiemengen bzw. Wassermengen von den Tieren unter Normalbedingungen durchschnittlich gebraucht werden. Daraus lässt sich zumindest ganz klar festlegen, was ein gutes Futter aus energetischer Sicht leisten muss. Wenn wir diese Daten dann noch mit den Daten zur Beschaffenheit der aufgenommen Nahrung in Einklang bringen könnten, ließen sich damit sogar die Grundlagen für ein artgerechtes „Kunstfutter“ erarbeiten.