James, M. C., J. Davenport & G. C. Hays (2006): Expanded thermal niche for a diving vertebrate: A leatherback turtle diving into near-freezing water. – Journal of Experimental marine Biology and Ecology 335 (2): 221-226.

Ausdehnung der thermalen Nische für ein tauchendes Wirbeltier: Eine Lederrückenschildkröte taucht in Gewässern nahe am Gefrierpunkt

Die globale Verteilung der existenten Reptilien ist begrenzter als die der Säuger und Vögel, mit geringerer Reptiliendichte in den nördlicheren Breitengraden. Der Hauptgrund dafür ist die ektotherme (Poikilothermie) Natur von Reptilien, was bedeutet, dass sie normalerweise bei kälterer Umgebungstemperatur erstarren. Allerdings können wir hier erstmals über eine ausführliche Telemetriestudie berichten, die zeigt, dass eine Lederrückenschildkröte (Dermochelys coriacea) auch in den kalten Gewässern hoher Breitengrade taucht. Eine Schildkröte, die mit einem Satellitensender bestückt war, der die Temperatur- und Tiefenprofile aufzeichnete, tauchte kontinuierlich für mehrere Wochen in Gewässertiefen mit einer Temperatur von 0,4 °C. Daraus lässt sich schließen, dass auch die globale Erwärmung die Jagdgründe der Lederrückenschildkröten in boreale Gewässer ausdehnt (siehe auch McMahon, et al. (2005):– Limnology and Oceanography Methods 3: 392-398 oder Abstract-Archiv).

Kommentar von H.-J. Bidmon

Daran wird deutlich, dass Lederschildkröten die Fähigkeit haben müssen, ihre Körpertemperatur zumindest zeitweise zu regulieren. Bleibt zu hoffen, dass die Schutzbestimmungen greifen und die Schildkröten lange genug überleben, um die nördlichen Breiten zu erkunden. Für mich persönlich sind die Gefühle bei dem Gedanken zwiespältig. Zum einen eine schöne Vorstellung, auch einmal Schildkröten am Nordseestrand nisten zu sehen (falls man alt genug würde), andererseits, wenn es so warm ist, dürften Holland und die Kölnerbucht unter Wasser liegen. Also doch lieber CO2-Reduktion und Klimaschutz und kein zukünftiges Lederrückenschildkrötennest im derzeitigen Vorgarten.

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