Jacobson, E., R. Gronwall, L. Maxwell, K. Merrit & G. Harman (2005): Plasma concentrations of enrofloxacin after single-dose oral administration in loggerhead sea turtles (Caretta caretta). – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 36 (4): 628-634.

Plasmakonzentrationen von Enrofloxacin nach einmaliger oraler Gabe bei der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta)

Die Plasmakonzentrationen und die Pharmakokinetiken für Enrofloxacin (Baytril) wurden nach oraler Gabe bei 12 Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta) bestimmt. Sechs Schildkröten in Gruppe I und in Gruppe II wurde Enrofloxacin in einer Dosis von 10 mg/kg und 20 mg/kg Körpergewicht verabreicht. Blutproben aus dem Cervical-(Hals)-Sinus vor der Gabe und nach bestimmten Zeitintervallen, die bis zu 168 Stunden reichten, wurden gesammelt und ausgewertet. Die Plasmakonzentrationen von Enrofloxacin wurden mittels eines mikrobiologischen Assays (Tests) bestimmt. Die gemittelte Spitzenplasmakonzentration (C-max) lag bei 4,07 µg/ml und 21,30 µg/ml für die Gruppen I bzw. II. Es waren noch deutliche gemittelte Plasmaspiegel nach 168 Stunden (7 Tagen) nach der Medikamentengabe von 0.380 µg/ml für Gruppe I und 2.769 µg/ml für Gruppe II messbar. Die mittlere Halbwertszeit für die Elimination von Enrofloxacin lag bei 37,80 Stunden für Gruppe I und bei 54,42 Stunden für Gruppe II. Diese Daten zeigen, dass Enrofloxacin nach oraler Gabe von Unechten Karettschildkröten gut aufgenommen wird und dass die Blutplasmaspiegel bis zu 168 Stunden nach der Verabreichung aufrecht erhalten werden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch diese Arbeit sollte Anlass zum Nachdenken und zum Überdenken der oft praktizierten täglichen Baytrilgaben bzw. Antibiotikagaben im Allgemeinen führen. Sicher, es handelt sich hier um Meeresschildkröten und nicht um die häufig vorgestellten Wasser- bzw. Landschildkröten der Terrarianer, aber legen diese Daten nicht nahe, dass man bei täglichen Gaben eventuell doch überdosiert, weil eine Anreicherung aufgrund der möglicherweise auch bei diesen Arten auftretenden relativ langen Halbwertszeiten denkbar ist? Überdosierungen können eventuell beträchtliche Nebenwirkungen, wie eine progressive Zerstörung der Nieren, nach sich ziehen, die zum Teil erst spät und lange Zeit nach der Behandlung zu lebensbedrohlichen Konsequenzen führen könnten (siehe auch Harms et al. Journal of Zoo and Wildlife Medicine 35: 477-488 oder Abstract-Archiv).

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