Jackson, D. C., E. M. Rauer, R. A. Feldman & S. A. Reese (2004): Avenues of extrapulmonary oxygen uptake in western painted turtles (Chrysemys picta belli) at 10 degrees C. – Journal of Comparative Biochemistry and Physiology A – Molecular & Integrative Physiology 139: 221-227.

Wege zur extrapulmonären Sauerstoffaufnahme bei der Westlichen Zierschildkröte (Chrysemys picta belli) bei 10 °C

Die Hauptwege der extrapulmonalen Sauerstoffaufnahme wurden bei abgetauchten westlichen Zierschildkröten bei 10 °C untersucht, wobei die verschiedenen Möglichkeiten zum Gasaustausch selektiv blockiert wurden. Frühere Arbeiten lieferten Anhaltspunkte dafür, dass die Haut, die Kloake und die Buccalpharyngealhöhle (Mundhöhlen-Rachenschleimhaut) je nach Schildkrötenart signifikant zum Gasaustausch beitragen. Die Sauerstoffaufnahme wurde anhand des Abfalls des Sauerstoffpartialdrucks des Wassers innerhalb einer geschlossenen Tauchkammer errechnet. Es wurden zwei Versuchsreihen durchgeführt: In der Serie 1 wurden die einzelnen Möglichkeiten zur Sauerstoffaufnahme einzeln oder in Kombination mechanisch ausgeschaltet; in Serie 2 wurde die Aktivität der Kloake und der Mundhöhle (Muskelpumpe) pharmakologisch mit Hilfe des Paralytikums (Muskellähmend) Rocuronium ausgeschaltet. In Serie 2 wurde zusätzlich eine Versuchsgruppe an Schildkröten vor dem Tauchgang einer Stickstoffatmosphäre ausgesetzt und bei den Tieren der Serie 2 wurden Blutproben entnommen, um den pH-Wert sowie die Partialdrucke für pO2, pCO2 und die Laktatwerte zu bestimmen. Die Ergebnisse aus beiden Serien zeigten eindeutig, dass das Ausschalten der Buccalpharyngeal- und Kloakalatmung die Gesamtsauerstoffaufnahme nur unwesentlich beeinflusste. Allerdings erbrachte in Serie 1 eine Unterbindung der Hautatmung eine um 50 % reduzierte Sauerstoffaufnahme. Vorherige Stickstoffbegasung der Schildkröten hatte keinen Einfluss auf die Sauerstoffaufnahme in gelähmten (paralysierten) Schildkröten, erhöhte aber die Sauerstoffaufnahme signifikant in nicht gelähmten, nicht katheterisierten Schildkröten. Die Blutanalysen ergaben, dass in allen Schildkröten der Laktatgehalt (Milchsäuregehalt) anstieg, aber der Anstieg war am geringsten in den gelähmten Tieren. Daraus schließen wir, dass bei dieser Art die Atmung über das Integument (Haut) den Hauptteil zur extrapulmonalen Sauerstoffaufnahme ausmacht.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Für die praktische Tierhaltung bedeutet dies, dass diese Wasserschildkrötenart eventuell auftretende Sauerstoffverluste, die bei Infektionen der Lunge auftreten können, für einige Zeit über die Haut ausgleichen kann, solange die Haut intakt bleibt und das Wasser sauber und reich an Sauerstoff ist.

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