Innes, C. J., M. Garner, A. Johnson & R. Ogust (2006): Investigation of an upper alimentary tract disorder in a group of captive Arakan forest turtles (Heosemys depressa). – Proceeding of the Annual Conference of the Association of Reptilian and Amphibian Veterinarians 13: 83-86.

Untersuchung einer Erkrankung des oberen Verdauungstrakts bei einer Gruppe der Flachen Erdschildkröte (Heosemys depressa)

Zehn in Gefangenschaft gehaltene Flache Erdschildkröten (H. depressa) wurden zur Untersuchung vorgestellt, da sie unter oronasalen Ausfluss, Appetitlosigkeit und Lethargie litten. Die physische Untersuchung der Tiere ergab einen farblosen bis weißen, schaumigen Ausfluss aus Mund und Nase sowie unterschiedliche Grade von Entzündungsherden auf der Zunge und der Rachenschleimhaut. Einige Schildkröten zeigten Diphtherie-ähnliche gelbe bis braune 1 cm große Beläge auf der Zunge und im Rachen. Die Diagnose schloss die Kultivierung von Bakterien und Pilzen, radiologische, gastroskopische, virologische und histopathologische Untersuchungen mit ein. An zwei Schildkröten, die verstarben, wurden Autopsien durchgeführt. Die histopathologischen Befunde variierten zwischen den einzelnen Fällen und zeigten eine moderate bis stark ausgeprägte lymphoplasmazystische Ösophagitis eine lymphonoduläre und lymphoplasmacystische Mucositis (Schleimhautentzündung) der Zunge, eine chronische Gastritis, granulomatöse, nekrotisierende Glossitis und eine metastasenartige Mineralisierung des Verdauungstrakts. Es wurden aber keine infektiösen Agenzien identifiziert. Eine unterstützende Behandlung half bei einigen der Fälle. Dieser Bericht wird hier mit dem Ziel vorgestellt, andere Tierärzte dafür zu sensibilisieren, dass es bei der Flachen Erdschildkröte zu einer eigenartigen Erkrankung des oberen Verdauungstrakts kommen kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit, die gerade weil keine bestimmten pathologischen Krankheitserreger nachgewiesen werden konnten und weil es zu diesen Mineralisationsherden in den Geweben des Verdauungstrakts kam, andeutet, dass auch hier primär vielleicht eine falsche Mineralversorgung und Supplementierung des Futters vorgelegen haben könnte. Solche Mineralisationsherde mit rauer Oberfläche könnten dann sekundär entzündliche Prozesse auslösen, die anschließend mit unspezifischen Krankheitserregern besiedelt werden und zu schwereren Symptomatiken führen. Deshalb Vorsicht beim Umgang mit Mineral- und Vitaminpräparaten bei Arten, die bekanntermaßen aus Biotopen stammen, in denen mineralreiche Nahrung nur sporadisch z. B. beim Fressen von Kadavern oder Knochen zur Verfügung steht.

Seitenanfang