Ibáñez, A., A. Marzal, M. Gonzalez-Blazquez, P. Lopez & J. Martin (2015): Basking Activity is Modulated by Health State but is Constrained by Conspicuousness to Predators in Male Spanish Terrapins. – ETHOLOGY; 121: 335–344.

Bei den Männchen der spanischen Bachschildkröte wird die Sonnenbadeaktivität durch den Gesundheitsstaus moduliert, aber durch die Anwesenheit von Beutegreifern eingeschränkt.

Das Sonnenbaden hat außer der Thermoregulation vermutlich mehrere weitere Vorteile für Süßwasserschildkröten, wozu auch die Ausmerzung von Hautparasiten gehört, was zur Verbesserung des Gesundheitsstatus beiträgt. Allerdings ist der Aufenthalt außerhalb des Wassers riskant, denn es erhöht das Risiko der Schildkröten terrestrischen Beutegreifern zum Opfer zu fallen. Hier überwachten wir die Sonnenbadeaktivität von männlichen spanischen Bachschildkröten (Mauremys leprosa) in einer wilden Population der südwestlichen iberischen Halbinsel. Wir vermaßen auch die Körpergrößen, bestimmten den Gesundheitsstatus, die Parasitenhäufigkeit und die Beinfärbung der Individuen. Unser Ziel war es zu untersuchen, ob Sonnenbaden den Gesundheitsstatus der Schildkröten verbessert. Die Ergebnisse zeigten, dass männliche Schildkröten mit höherer Sonnenbadeaktivität zu jenen zählten, die mit Hepatozoon verparasitiert waren und niedrigere Anzahlen an weißen Blutzellen aufwiesen. Das könnte den Schluss rechtfertigen, dass Schildkröten mit geringeren Gesundheitsstatus die Sonnenbadeaktivitätszeiten ausweiten, um ihren Gesundheitsstatus zu verbessern. Zusätzlich – da Sonnenbaden riskant ist – erwarteten wir, dass Schildkröten mit einer auffälligeren Färbung ihre Sonnenbäder kurzhalten, um das Risiko von potentiellen Beutegreifern entdeckt zu werden gering zu halten. Wir fanden auch, dass von Parasiten infizierte Schildkröten im Gegensatz zu nicht infizierten eine weniger intensive Färbung der Beinstreifung aufwiesen. Unsere Studie liefert den Nachweis dafür, dass die Sonnenbadeaktivität den Gesundheitsstatus der Bachschildkröten fördert, aber dass die Auffälligkeit der Färbung „den Preis“ des Sonnenbadens erhöht (riskanter macht), speziell für verparasitierte Exemplare. Das Verständnis der Balance zwischen den Vorteilen und Nachteilen des Sonnenbadens könnte essentiell sein für das Erhaltungsmanagement von Süßwasserschildkrötenpopulationen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit geht nach meinem Dafürhalten von zu vielen erwarteten Vorhersagen aus, die dann auch noch die Interpretation der Daten sehr einseitig gestalten, indem sie nur darauf ausgerichtet sind die Erwartungen zu bestätigen. Ich denke, dass es genug Literatur darüber gibt, die eindeutig belegt, dass Sonnenbäder für die Thermoregulation essentiell sind und für einen normalen gesunden Stoffwechsel wechselwarmer Tiere unabdingbar sind. Selbstverständlich könnte auch allein das erklären, dass zum einen verparasitierte Schildkröten insbesondere zu den kühleren Jahres- und Tageszeiten ausgiebiger Sonnenbaden, da ihr Stoffwechsel zusätzlich Energie von den Parasiten abgezogen bekommt. Das davon auch der Immunstatus abhängig ist und mit beeinträchtigt wird lässt sich auch leicht nachvollziehen. Allerdings scheint mir das noch nicht ausreichend geklärt, denn man beobachtet auch häufig, dass gerade infizierte und erkrankte Schildkröten sich in kühlere Verstecke zurückziehen und dort verharren – also nur noch sehr geringe Aktivität zeigen. Die Beobachtungen liefern aber auch noch eine weitere Erkenntnis, nämlich die, dass das Immunsystem der Schildkröten auf eine optimale Thermoregulation und einen optimalen Stoffwechsel angewiesen ist, und dass die Schildkröten nicht per se entsprechend hohe Energiereserven gespeichert haben, um es ohne Einbußen aufrecht erhalten zu können. Letzteres sollte uns zumindest für die Haltung auch wieder daran erinnern, dass die Tiere in der Zeit – wo sie aktiv sind – auch entsprechende Energiemengen brauchen, um Krankheiten und Krankheitsausbrüchen vorzubeugen. Wechselwarme Tiere sparen Energie während ihrer Ruhephasen, während sie in den Aktivitätsphasen durchaus auf eine optimale Versorgung angewiesen sind. Somit sind die sogenannten ernährungsbedingten Entwicklungsstörungen auch meist eher ein Problem einer Dysbalance zwischen Ruhe- und Aktivitätsphasen als ein, wie so oft angesprochen, reines Ernährungsproblem.

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