Ibáñez, A., A. Marzal, P. Lopez & J. Martin (2013): Sexually dichromatic coloration reflects size and immunocompetence in female Spanish terrapins, Mauremys leprosa. – Naturwissenschaften 100: 1137–1147.

Die geschlechtsabhängige dichromatische Färbung reflektiert die Größe und die Immunkompetenz bei weiblichen Spanischen Bachschildkröten, Mauremys leprosa.

Viele Studien belegen die Bedeutung farbiger Ornamente (Zeichnung) für die Partnerwahl oder für intersexuelle Drohgebärden. Allerdings fokussierte sich die Erforschung solch farbiger Ornamente bislang meist auf Vögel, Echsen und Fische, wobei für alle anderen Tiergruppen wie den Schildkröten so gut wie keine Informationen vorliegen. Dazu kommt, dass die Zeichnung der Weibchen und deren Beziehung zur Geschlechtspartnerwahl meist noch völlig unbekannt sind. Hier maßen wir die Färbung des Panzers und der Streifung der Beine bei Männchen und bei Weibchen der spanischen Bachschildkröte, Mauremys leprosa und untersuchten, ob ein geschlechtsabhängiger Dichromatismus vorliegt und ob es eine Beziehung zwischen farblichen Charakteristika und der Körpergröße sowie dem Gesundheitsstatus gibt, wobei Letzterer anhand der Immunabwehrreaktion nach Injektion eines Antigens (Phytohaemagglutinintest) bestimmt wurde. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Panzerfärbung, die sehr wahrscheinlich durch natürliche Selektion dahingehend beeinflusst wird, dass sie auch der Tarnung dient, mit der Körpergröße veränderte, aber dabei keine geschlechtsspezifischen Unterschiede auftraten. Im Gegenteil zu der gleichen morphologischen Zeichnung, zeigten Weibchen hellere, aber weniger UV-gesättigte und dafür mehr orange-gesättigte Farbanteile in den Streifen der Extremitäten als die Männchen. Bei den Weibchen kam es zu interindividuellen Unterschieden bei der Streifenfärbung, die sowohl eine Beziehung zur Körpergröße, als auch zum Immunstatus zeigte, was nahe legt, dass diese Farbkomponenten zuverlässige Informationen über vielfältige Parameter liefern, die für die Geschlechtspartnerauswahl von Bedeutung sind. Im Gegensatz dazu war die Streifenzeichnung der Männchen blasser als bei Weibchen, und es zeigten sich keine Korrelationen mit Vitalitätsparametern, was vermuten lässt, dass die Färbung für die Auswahl der Männchen eine geringere Rolle spielt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wieder ein durchaus interessanter Beleg dafür, dass Färbung und Immunstatus bzw. (Gesundheitsstatus) in engem Zusammenhang in Bezug zur Geschlechtspartnerauswahl stehen. Wie ich denke, gibt es aber auch vergleichbare Qualitätskriterien für Männchen, die sich vielleicht nicht so sehr in der Färbung, aber vielleicht im Balzverhalten ausdrücken. Hieran wird auch klar, welche Bedeutung diesen Parametern langfristig gesehen in Bezug zum Fortbestand einer Art und deren Evolution zukommt. Gerade was das Immunsystem anbelangt, zeigt sich immer deutlicher, welche Rolle dabei der Genfluss spielt (Stiebens et al. 2013). Siehe auch: Kommentare zu Parham et al. (2013) und Zimmermann et al. (2011).

Literatur

Parham, J. F., T. J. Papenfuss, P. P. van Dijk, B. S. Wilson, C. Marte, L. R. Schettino & W. Brian Simison (2013): Genetic introgression and hybridization in Antillean freshwater turtles (Trachemys) revealed by coalescent analyses of mitochondrial and cloned nuclear markers. – Molecular Phylogenetics and Evolution 67 (1): doi: 10.1016/j.ympev.2013.01.004 oder Abstract-Archiv.

Stiebens, V.A., S. E. Merino, C. Roder, F. J. Chain, P. L. Lee & C. Eizaguirre (2013): Living on the edge: how philopatry maintains adaptive potential. – Proceedings of the Royal Society, Series B Biological Sciences doi: 10.1098/rspb.2013.0305 oder Abstract-Archiv.

Zimmermann, L. M., R. T. Paitz, L. A. Vogel & R. M. Bowden (2010): Variation in seasonal Patterns of innate and adaptive immunity in the red-eared slider (Trachemys scripta elegans). – Journal of Experimental Biology 213: 1477–1483 oder SiF 8 (2) 2011.

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