Ibáñez, A., P. Lopez & J. Martin (2012): Discrimination of conspecifics' chemicals may allow Spanish terrapins to find better partners and avoid competitors. – Animal Behaviour 83: 1107–1113.

Unterscheidung zwischen Artgenossen: Wahrscheinlich erlauben chemische Signalstoffe spanischen Sumpfschildkröten die Auffindung besserer Partner und die Vermeidung von Konkurrenten.

Die Unterscheidung der Geschlechter und anderer individueller Merkmale basiert bei vielen Reptilien auf Pheromonen (artspezifischen Duftstoffen). Allerdings ist über den Gebrauch der Chemorezeption in Bezug auf das Sozialverhalten von Sumpfschildkröten wenig bekannt. Wir untersuchten die Rolle, die chemische Signale während der Paarungszeit der spanischen Sumpfschildkröte, Mauremys leprosa für die innerartliche Kommunikation spielen. Chemische Signalstoffe, die die Schildkröten ins Wasser abgeben, können an andere Individuen Informationen über Geschlecht und andere Körperkonditionscharakteristika wie Größe, Kondition, Gesundheitsstatus übermitteln, was ja für die Geschlechtspartnerauswahl von großer Bedeutung ist. Um diese Hypothese zu testen, untersuchten wir die Zeitperiode, die Schildkröten in Wasserbehältern verbrachten, deren Wasser unterschiedliche chemische Signale von Artgenossen enthielt. Das Verhalten der Schildkröten zeigte, dass sie in der Lage waren, die Signale von unterschiedlichen Artgenossen zu unterscheiden und ihr Verhalten in Bezug auf die räumliche Nutzung der Testbecken dementsprechend anzupassen. Männchen bevorzugten Gewässer, die den Geruch von Weibchen enthielten, die eine höhere Immunantwort zeigten, während Weibchen Wasser mit den Signalstoffen großer Männchen bevorzugten. Die Bevorzugung von Wasser, das von besseren potentiellen Geschlechtspartnern genutzt wird, erhöht die Chance sich mit ihnen zu paaren, was die Fitness der Nachkommen fördern kann. Die Bevorzugung von großen Männchen durch Weibchen kann auch dazu beitragen, dass sie sich so vor Belästigungen durch kleinere Männchen schützen. Andererseits mieden Männchen Gewässer, die die Signalstoffe schwerer oder relativ schwerer Männchen enthielten, bevorzugten aber durchaus Wasser mit den Signalen kleinerer Männchen. Das Erkennen chemischer Signale für die Körpergröße mag es Männchen erlauben, die kräftezehrenden, aggressiven Auseinandersetzungen mit anderen Männchen zu minimieren. Die Auswahl von Gewässern anhand chemischer Signale von Artgenossen kann es den Schildkröten ermöglichen, ihre Geschlechtspartnerwahl zu optimieren und potentielle Konkurrenten zu meiden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Autoren konnten für Mauremys leprosa Gleiches zeigen, wie Poschadel et al. (2006) für Emys orbicularis. Insofern ist das auch hier wieder ein klares Anzeichen für Sozialverhalten bei Schildkröten und der dazu von ihnen benutzten Kommunikationsmechanismen.

Literatur

Poschadel, J. R., Y. Meyer-Lucht & M. Plath (2006): Response to chemical cues from conspecifics reflects male mating preference for large females and avoidance of large competitors in the European pond turtle, Emys orbicularis. – Behaviour 143: 569–587 oder Abstract-Archiv.

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