Hidalgo-Vila, J., C. Diaz-Paniagua, N. Perez-Santigosa, C. de Frutos-Escobar & A. Herrero-Herrero (2008): Salmonella in free-living exotic and native turtles and in pet exotic turtles from SW Spain – Research in Veterinary Science 85: 449-452.

Salmonellen in frei lebenden exotischen und natürlich vorkommenden Schildkröten und bei exotischen Haustierschildkröten in SW Spanien

Wir untersuchten 78 einheimische und 94 exotische Schildkröten aus natürlichen Teichen und 39 exotische Haustierschildkröten nach Salmonellen und fanden Infektionsraten von jeweils 6,61 %, 6,4 % und 5,1 % für diese drei Gruppen. Die gleichzeitige Ausscheidung von multiplen Serotypen der Bakterien konnte nur für eine Haustierschildkröte nachgewiesen werden. Elf Isolate wurden bei den frei lebenden Schildkröten nachgewiesen, wobei es sich um Serotypen handelte, die man üblicherweise in Reptilien findet. Allerdings konnte auch der Serotyp Typhimurium nachgewiesen werden, der üblicherweise für die Infektionen beim Menschen verantwortlich ist. Bei den Haustierschildkröten waren fünf Serotypen zu isolieren, die sich alle von denen der frei lebenden Schildkröten unterschieden und die ebenfalls zu jenen gehören, für die Berichte vorliegen, dass sie für das Auftreten einer reptilienassoziierten Salmonellosis beim Menschen verantwortlich sind. Diese Ergebnisse bestätigen, dass es ein Übertragungsrisiko für Salmonellen von frei lebenden als auch von Haustierschildkröten auf den Menschen gibt, was es erforderlich erscheinen lässt, den Schildkrötenhandel in Europa zu regulieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier eine klare Ansage der entsprechenden europäischen Wissenschaftler, den Handel noch stärker zu kontrollieren und wohl nach Möglichkeit einzuschränken, um das Gefährdungspotential und Infektionsrisiko für den Menschen zu senken und, wie ich einige der obigen Wissenschaftler einschätze, mit dem Ziel das Risiko und die Auswirkungen der Faunenverfälschung in Bezug auf importierte Schildkröten zu minimieren. Das sind erst einmal ernstzunehmende und zum Teil berechtigte Forderungen, gegen die man sachlich nichts einwenden kann und die, wenn sie richtig vorgebracht werden, auch die entsprechende politische und gesetzgeberische Entscheidungsfindung auf nationaler und EU-Ebene beeinflussen werden. Das abzustreiten und zu leugnen wäre absolut unsachlich und unglaubwürdig und das müssen auch die entsprechenden terrarianerorientierten Verbände zur Kenntnis nehmen. Als einziger Ausweg bleibt diese realen Gefahren sachlich richtig einzuschätzen und entsprechend vorzubeugen, indem man entsprechende Hygienestandards mit in die Haltungs- , Handels- und Umgangsrichtlinien mit aufnimmt und sich auch aus veterinärmedizinischer Sicht entsprechend verantwortungsvoll positioniert. Denn letztendlich sollte man auf den Tag gerüstet sein, damit man zumindest den schon längst implementierten und umgesetzten, verantwortungsvollen Umgang nachweisen kann, wenn über neue gesetzgeberische Maßnahmen zu entscheiden ist. Tun sie das nicht und vor allem tun sie es nicht rechtzeitig und öffentlich, werden solche Situationen wie Hessen immer wieder passieren und uns alle noch härter treffen, denn dann geht's nicht mehr nur um ein paar wirklich als giftig oder gefährlich zu bezeichnende Arten, sondern um alle, in denen jemals ein auf den Menschen übertragbarer Erreger nachgewiesen wurde. Gaertner, J. P., D. Hahn, J. Jackson, M. R. J. Forstner & F. L. Rose (2008): Detection of Salmonellae in captive and free-ranging turtles using enrichment culture and polymerase chain reaction. – Journal of Herpetology 42 (2): 223-231 oder Abstract-Archiv; Hames, A., J. Mumford, J. Hale & A. Galloway (2008): Salmonella Michigan soft tissue infection in an immunocompromised child. – Journal of Clinical Pathology 61 (6): 7773-7774 oder Abstract-Archiv; Hidalgo-Vila, J., C. Diaz-Paniagua, C. de Frutos-Escobar, C. Jimenez-Martinez & N. Perez-Santigosa (2007): Salmonella in free living terrestrial and aquatic turtles. – Veterinary Microbiology 119 (2-4): 311-315 oder Abstract-Archiv.

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