Herrel, A., S. Petrochic & M. Draud (2018): Sexual dimorphism, bite force and diet in the diamondback terrapin. – Journal of Zoology 304: 217-224; DOI: 10.1111/jzo.12520.

Geschlechtsunterschiede bezüglich der Beißkraft und der Nahrung bei der Diamantschildkröte.

Geschlechtsunterschiede in Bezug auf die Kopfgröße und Form sind für etliche Tiere dokumentiert und es wird allgemein angenommen, dass dies einhergeht mit einer unterschiedlichen Nutzung der Nahrung zwischen Männchen und Weibchen um die Konkurrenz um die Nahrung für beide Geschlechter zu minimieren. Allerdings damit diese Annahme zutreffen kann, müsste es neben den Unterschieden in der Kopfgröße und -form auch zu Unterschieden bei anderen Parametern kommen, die es einem Geschlecht ermöglichen eine andere Beute oder Ernährungsweise zu nutzen. Bei vielen durophagen (harte Nahrung nutzenden) Schildkrötenspezies sind die Weibchen größer als die Männchen und sie haben bezogen auf ihre Körpergröße größere Köpfe. Hier testeten wir ob der beobachtbare Unterschied bei der Kopfgröße und Form bei der durophagen Malaclemys terrapin auch mit einer unterschiedlichen Beißkraft einhergeht. Zudem maßen wir die Kraft die notwendig ist um unterschiedliche Nahrungsbestandteile zu zerbeißen um damit zu belegen, dass dieser Unterschied in der Beißkraft es den Weibchen wirklich ermöglicht eine unterschiedliche Nahrung nutzen zu können. Zuletzt verglichen wir noch die Kopfgrößen und Formen und die Beißkraft zwischen der durophagen M. terrapin und einem Nahrungsgeneralisten wie Trachemys scripta. Unsere Ergebnisse zeigen, dass weibliche M. terrapin eine größere Beißkraft mit ihren größeren Köpfen aufbringen als deren Männchen immer in Bezug zur individuellen Körpergröße. Zudem erlaubt die höhere Beißkraft der Weibchen ihnen größere Beute und Schnecken unterschiedlicher Arten zu nutzen was zu einer unterschiedlichen Ernährung zwischen den Geschlechtern führt. Abschließend können wir auch nachweisen, dass beide Geschlechter von M. terrapin auf die Gesamtkörpergröße bezogen größere Köpfe und eine höhere Beißkraft aufbringen als der Nahrungsgeneralist T. scripta was auch für deren Juvenilstadien zutrifft. Zudem beißt M. terrapin immer härter zu auch wenn man die Kopfgröße mitberücksichtigt was nahelegt, dass bei diesen durophagen Arten intrinsische Faktoren wie die Kiefermuskulatur schon dazu beitragen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ja wieder ein Umweltfaktor nämlich die Nahrung die zu Art- und populationsspezifischen Geschlechtsunterschieden beiträgt (siehe dazu Kommentare zu Agha et al., 2018, Herrel & O’Reilly, 2018).

Literatur

Agha, M., J. R. Ennen, A. J. Nowakowski, J. E. Lovich, S. C. Sweat & B. D. Todd (2018): Macroecological patterns of sexual size dimorphism in turtles of the world. – Journal of Evolutionary Biology 31: 336-345; DOI: 10.1111/jeb.13223 oder Abstract-Archiv.

Herrel, A. & J. C. O'Reilly (2006): Ontogenetic scaling of bite force in lizards and turtles. – Physiological and Biochemical Zoology 79 (1): 31-42 oder Abstract-Archiv.

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