Henen, B. T., M. D. Hofmeyr, R. A. Balsamo & F. M. Weitz (2005): Lessons from the food choices of the endangered geometric tortoise Psammobates geometricus. – South African Journal of Science 101(9-10): 435-438.

Erkenntnisse bezüglich der Nahrungspräferenzen der gefährdeten Geometrischen Landschildkröte, Psammobates geometricus

DOI: None

Die Grundlagen dafür, dass die Geometrische Landschildkröte (Psammobates geometricus) nur Teilbereiche (Fragmente) im Gesamthabitat des West Coast Renosterveld besiedelt, sind unbekannt. Da aber die Flora des Renostervelds eine hohe Diversität aufweist, könnten die Pflanzen in bestimmten Bereichen bestimmte Ressourcen enthalten, wie bestimmte Nährstoffe, die besonders wichtig für diese Tiere sind. Deshalb untersuchten wir die Nahrungsbestandteile in frischen Blättern von 17 Pflanzenarten, von denen 9 als Futterpflanzen bekannt waren in einem von der Geometrischen Landschildkröte besiedelten Gebiet, Elandsberg in der westlichen Kap-Provinz. Im Vergleich zu den Nichtfutterpflanzen enthielten die Futterpflanzen sehr hohe Mengen an gelösten Kohlehydraten und enthielten nur geringe Mengen an säure-löslichen Faserbestandteilen (Ballaststoff) sowie Lipide (Fette). Die Phosphatkonzentrationen waren in den Futterpflanzen tendenziell höher als in den gemiedenen Pflanzenarten und waren in allen Futtergräsern sogar signifikant höher im Vergleich zu den Nicht-Futtergräsern. Alle selektierten Futterpflanzen zeichneten sich durch vergleichsweise hohe Konzentrationen an Eisen aus, was insbesondere auf die Kräuterarten zutraf. Die biomechanischen Eigenschaften (Festigkeit) der Pflanzen standen in einem engen Zusammenhang mit ihrem Gehalt an neutral-löslichen Fasern. Bessere und solide Kenntnisse der Pflanzenbiochemie und zu deren Biomechanik und deren Beitrag zur Beißbarkeit sowie der Zusammenhänge zwischen diesen Parametern könnten zu einem integrierten Verständnis beitragen und erklären, warum bestimmte Pflanzen so eine wichtige Nahrungsgrundlage für bestimmte Herbivore (Pflanzenfresser) darstellen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wieder eine sehr schöne Arbeit, die zum Nachdenken bezüglich der Fütterungsstrategien für bestimmte Landschildkröten Anlass gibt. Denn wer würde vermuten, dass zumindest für Psammobates geometricus ein hoher Kohlenhydratgehalt und viel Eisen eine Rolle bei der Nahrungsauswahl spielen. Dazu finden Sie bislang nichts in den so vehement verfochtenen Fütterungskonzepten für Landschildkröten. Auch hohe Phosphatgehalte lassen einen erstaunen, denn wer weiß nicht, dass so genanntes „Gutes Futter“ doch immer weniger Phosphat als Kalzium enthalten soll. Diesbezüglich ist es schade, dass die Kalziumgehalte nicht auch bestimmt wurden, denn es könnte ja sein, dass gerade in diesen Biotopen Phosphat eben nur in geringen Mengen verfügbar ist, was aber aufgrund der Küstennähe eher überraschen würde. Noch konträrer ergibt sich das Bild in Bezug auf die Fasern und Ballaststoffe, denn die scheint zumindest Psammobates in der freien Wildbahn gar nicht zu mögen, obwohl sie doch, wenn man sich so manche Diskussion anhört, für alle herbivoren Landschildkröten so wichtig sein sollen. Hierfür könnte es aber eine einleuchtende Erklärung geben, denn die meisten ernährungsphysiologischen Befunde einschließlich derer, die bislang an Gopherschildkröten erarbeitet wurden, zeigen, dass je ballaststoffreicher die Nahrung ist, desto mehr Wasser wird zu deren Verdauung benötigt. Frei zugängliches Wasser ist in diesen Biotopen aber so gut wie nie und meist nur in Form von Tau vorhanden. Insofern gibt es schon einen Unterschied zur Terrarienhaltung, zumindest dann, wenn den Tieren immer eine gefüllte Schale Wasser zur Verfügung steht.

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