Hatt, J.-M., A. Fruth & W. Rabsch (2009): Informationsupdate zur reptilienassoziierten Salmonellose. – Tierärztliche Praxis Kleintiere 37 (3): 188-193.

Informationsupdate zur reptilienassoziierten Salmonellose

Gegenstand und Ziel: Die Zahl der als Heimtiere gepflegten Reptilien nimmt stetig zu. Reptilien stellen bekannte Träger von Salmonellen dar, die auch für den Menschen pathogen sind. So genannte reptilienassoziierte Salmonellosen werden in Nordamerika und Europa zunehmend als bedeutende Zoonose erkannt. Das Wissen zum Umgang mit Salmonellen bei Reptilien unter gesundheitlichen Aspekten ist sowohl für praktisch tätige Tierärzte als auch für Amtstierärzte von Bedeutung, um Mitarbeiter und Tierbesitzer umfassend informieren zu können. Material und Methoden: Durch Literaturrecherche und retrospektive Analyse eigener Untersuchungsdaten wurden das Ausmaß, die Risiken sowie die Prophylaxe von reptilienassoziierten Salmonellosen ermittelt. Ergebnisse: Bei bis zu 90 % der in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien wird eine Salmonellenausscheidung, in der Regel ohne klinische Manifestation, nachgewiesen. Reptilien aus der Wildbahn scheinen weniger häufig Salmonellen auszuscheiden. Reptilienassoziierte Salmonellosen beim Menschen werden häufig durch die seltenen Serovare der Subspezies I, II und besonders der Subspezies IIIb und IV verursacht. Kinder sind besonders gefährdet. Eine Aufklärung zu dieser Infektionsgefahr könnte deshalb eine erfolgreiche prophylaktische Methode zur Reduktion reptilienassoziierter Salmonellosen darstellen. Schlussfolgerung und klinische Relevanz: Reptilienassoziierte Salmonellosen stellen ernst zu nehmende Zoonosen dar. Die steigende Zahl von Reptilien in der tierärztlichen Praxis erfordert, dass Tierärzte ein Grundlagenwissen zum hygienisch korrekten Umgang mit Reptilien haben. Zudem kommt dieser Berufsgruppe eine besondere Bedeutung in der Verbreitung von Fachinformationen zu. Wichtigste prophylaktische Maßnahmen gegen reptilienassoziierte Salmonellosen sind die Vermeidung des Kontakts von Reptilien oder deren Exkrementen mit Kleinkindern unter 5 Jahren oder mit Esswaren. Durch Waschen mit Seife oder Alkohol können Salmonellen zuverlässig entfernt werden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Zur Verbreitung dieser Erkenntnisse trage ich gerne bei, und es freut mich auch, dass es zumindest Schweizer Veterinäre geschafft haben, sich verantwortungsvoll der Gefährdung zu stellen und zwar in einem Journal, das zumindest über das Web of Science international und damit auch von den EU-Gremien wahrgenommen werden kann. Insofern ist es schade, dass die doch immer auf ihre Größe und zahlreichen Mitglieder verweisenden deutschen herpetologisch-terraristisch orientierten Verbände es bis heute nicht geschafft haben, wenigsten eines ihrer Publikationsorgane so zu platzieren, dass es auch außerhalb der verbandsinternen Strukturen wahrgenommen werden könnte und somit nicht nur intern sondern auch international oder zumindest auf der Ebene der Europäischen Union und der Politik wahrgenommen werden kann und zur Meinungsbildung bzgl. der Gesetzgebung beitragen könnte. Ich frage mich wirklich, wie lange es wohl dauern mag, bis man sich auf die eigentlichen Erfordernisse eines zusammenwachsenden Europas im Sinne ihrer Mitglieder und deren verantwortungsvollen Exotenhaltung einstellt? Oder ist wirklich jemand der Meinung, dass die alleinigen Gespräche mit Vertretern einiger Bundesländer bei zunehmender Gesetzgebung auf europäischer Ebene noch weiterhelfen? Für junge Nachwuchsherpetologen wäre auch ein Impactfaktor wichtig, um diese Journale für die berufliche Karriere als ernstzunehmende Publikationsmedien zu nutzen, aber selbst wenn der anfänglich nicht übermäßig hoch wäre, so würde zumindest eine Listung bei den entsprechenden und üblicherweise genutzten wissenschaftlichen Literaturdatenbanken dazu beitragen, dass man über den verantwortungsvollen Umgang mit Exoten innerhalb dieser Verbände auch international wahrgenommen wird. Sollte das nicht geschehen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn besser organisierte radikale Tierschützer auch zukünftig leichtes Spiel haben und auf allen politischen Ebenen ungestört agieren können, denn niemand hat die Möglichkeit, sich schnell und einfach über die Literatur zu informieren. Oder glauben Sie, dass deutsche Verbände mit 7000 bis 8.000 Mitgliedern so wichtig sind, dass jeder Politiker, der in den entsprechenden Literaturdatenbanken nichts findet, eine Geschäftsstelle anruft oder gar einen Mitgliedsantrag ausfüllt, um zeitnah an Informationen zu kommen, die nur in verbandsinternen Medien verbreitet werden? Schön, dass zumindest Reptilien verbundene Veterinäre aus benachbarten Nicht-EU-Staaten Journale wählen, die nicht nur lokal, sondern auch international bei Bedarf schnell und einfach zugänglich sind und somit auch wahrgenommen werden können. Denken Sie einmal darüber nach und sorgen Sie dafür, dass Sie sich als Terrarianer gut vertreten fühlen – ernst zunehmende Wissenschaftler haben dafür ihre eigenen Institutionen – oder stellen Sie sich darauf ein, zukünftig noch mehr Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Denn die Arbeiten der Leute, die sich für andere Ziele einsetzen, nutzen längst diese Medien (siehe auch: Boehme, H., A. Fruth & W. Rabsch (2009): Reptile-associated Salmonellosis in Infants in Germany. – Klinische Pädiatrie 221 (2): 60-64 oder Abstract-Archiv, Hidalgo-Vila, J., C. Diaz-Paniagua, N. Perez-Santigosa, C. de Frutos-Escobar & A. Herrero-Herrero (2008): Salmonella in free-living exotic and native turtles and in pet exotic turtles from SW Spain – Research in Veterinary Science 85: 449-452 oder Abstract-Archiv).

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