Gerlach, J. (2008): Fragmentation and demography as causes of population decline in Seychelles freshwater turtles (Genus Pelusios). – Chelonian Conservation and Biology 7 (1): 78-87.

Fragmentierung und Demographie als Ursachen des Populationsrückgangs der Seychellen Süßwasserschildkröten (Gattung Pelusios).

Auf den Inseln der Seychellen sind alle drei endemischen Wasserschildkrötentaxa entweder ausgestorben (Pelusios seychellensis) oder stark gefährdet (Pelusios castanoides intergularis und Pelusios subniger parietalis). Diese Schildkröten werden durch den Habitatverlust bedroht und die Überwachung der Populationen seit 1996 ergab fortschreitende, signifikante Populationsrückgänge. Das Entwässern von Feuchtgebieten hat die Anzahl der Populationen verringert und auch bei den noch überlebenden Populationen zu einer Reduktion der Flächen und deren Habitatqualität geführt. Nur mehr 5 Populationen von Pelusios subniger parietalis und 3 von Pelusios castanoides intergularis zeigten während der vergangenen 10 Jahre noch Anzeichen von Reproduktion. Langlebigkeitsrekorde lassen vermuten dass Pelusios-Spezies etwa 40 Jahre alt werden und Zuchtdaten aus der Gefangenschaftshaltung lassen vermuten, dass die Geschlechtsreife bei diesen Taxa vergleichsweise früh erreicht wird (ca. 2 Jahre). Populationen können also für Jahrzehnte bestehen bleiben, obwohl sie sich längst nicht mehr fortpflanzen, was faktisch einem Erlöschen der Population gleich kommt, obwohl man die Umweltbedingungen stabilisiert hat. Dieses Charakteristikum teilen sie mit vielen anderen langlebigen Spezies, und demographische Erhebungen sollten daher eine essentielle Komponente der Erhaltungspläne bei solchen Arten darstellen. Andererseits kann eine Habitatverbesserung eine schnelle Populationserholung erlauben, wie dies für Pelusios subniger parietalis auf der Insel Fregate gezeigt werden konnte.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Siehe auch Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2007): Demographic response of snake-necked turtles correlates with indigenous harvest and feral pig predation in tropical northern Australia. – Journal of Animal Ecology 76 (6): 1231-1243 oder Abstract-Archiv; Enneson, J. J. & J. D. Litzgus (2008): Using long-term data and a stage-classified matrix to assess conservation strategies for an endangered turtle (Clemmys guttata). – Biological Conservation 141 (6): 1560-1568 oder Abstract-Archiv. Bei dieser Arbeit finde ich gut, dass der Autor zwischen einer Habitatstabilisation, die ja de facto der Erhaltung eines Ist-Zustands gleich kommt und einer Habitatverbesserung (Wiederherstellung) unterscheidet. Gerade bei solch langlebigen Arten erscheint es wichtig zu analysieren, ob die Gründe für eine Stagnation im Populationszuwachs oder deren Abnahme schon sehr lange zurückliegen oder ob sie erst kürzlich erfolgt sind. Denn wenn die dafür verantwortlichen Veränderungen schon sehr lange zurückliegen, kann es sein, dass das Unterschutzstellen mit dem Ziel einen Ist-Zustand zu konservieren der falsche Weg ist, denn zur Populationserholung würde ja nur die Wiederherstellung eines lange vergangenen Zustands beitragen. Deshalb ist es durchaus nicht unberechtigt, geschichtliche Fakten mit in das Arterhaltungsmanagement langlebiger Spezies zu integrieren. Siehe dazu Saenz-Arroyo A., C. M. Roberts, J. Torre, M. Carino-Olvera & J. P. Hawkins (2006): The value of evidence about past abundance: marine fauna of the Gulf of California through the eyes of 16th to 19th century travellers. – Fish and Fisheries 7 (2): 128-146 oder Abstract-Archiv. Genauso wie es Sinn ergeben kann die Reproduktionsstrategie der jeweiligen Spezies zu kennen (siehe Litzgus, J. D., F. Bolton & A. I. Schulte-Hostedde (2008): Reproductive output depends on body condition in Spotted Turtles (Clemmys guttata). – Copeia 2008 (1): 86-92 oder SiF 01/2009).

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