Gallego-Garcia, N., M. Vargas-Ramirez, G. Forero-Medina & S. Caballero (2018): Genetic evidence of fragmented populations and inbreeding in the Colombian endemic Dahl's toad-headed turtle (Mesoclemmys dahli). – Conservation Genetics: 19 (1): 221-233.

Der genetische Beweis für das Vorkommen von fragmentierten Populationen und Inzucht bei der für Kolumbien endemischen Dahl’s-Krötenkopfschildkröte (Mesoclemmys dahli).

DOI: 10.1007/s10592-017-1021-z

Populationszerstückelung ist eine der negativsten Konsequenzen der Habitatfragmentierung wobei gerade kleine Populationen unter zunehmender „Genetischer-Drift“ und Inzucht zu leiden beginnen. Allerdings das Ausmaß mit der eine Habitatfragmentierung auch zur Populationsfragmentierung führt hängt nicht nur von der Landschaftsstruktur ab, sondern auch davon wie sich der davon betroffene Organismus selbst verhält. Diese Verhaltenskomponente der betroffenen Arten macht es schwierig eine Populationsfragmentierung nachzuweisen obwohl eine Habitatfragmentierung vorliegt wenn man dazu nicht besondere Nachweismethoden zu Hilfe nimmt. In dieser Studie verwendeten wir einen molekularen Ansatz um zu untersuchen ob die Population der Dahl’s-Krötenkopfschildkröte (Mesoclemmys dahli) fragmentiert ist, da sie nur noch in sehr begrenzten Gebieten des innerhalb Kolumbiens am stärksten degradierten Lebensraums (Bioms) dem tropischen Trockenwald vorkommt. Wir entwickelten ein Kataster von 15 Mikrosatelliten-Loci um die erste genetische Erfassung für M. dahli innerhalb ihres kompletten Gesamtverbreitungsgebiets durchzuführen. Wir fanden für M. dahli das Vorliegen einer signifikanten genetischen Struktur mit mindestens vier Subpopulationen mit einer überraschenderweise noch moderaten bis hohen genetischen Diversität. Trotz dieser hohen genetischen Diversität sind die Subpopulationen sehr klein (effektive Populationsgrößen <50) und sehr isoliert mit wenig bis gar keinen genetischen Austausch (Genfluss) zwischen den einzelnen Subpopulationen. Als Konsequenz daraus fanden wir das Paarungen zwischen naheverwandten Individuen vorkommen und dass alle vier Subpopulationen ein hohes Maß an Inzucht aufweisen. Um dieser Inzucht entgegen zu wirken empfehlen wir eine genetische Rettungsstrategie zu entwickeln und die Habitate zu restaurieren. Zudem sind wir für eine neue Überprüfung des Erhaltungsstatus und zwar nicht auf Grundlage der geographischen Verbreitung, sondern anhand der Gesamtpopulationsgröße der adulten Exemplare und dem Ausmaß ihrer Fragmentierung.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne Arbeit die auf ein altbekanntes Phänomen verweist, nämlich dass es bei langlebigen Spezies gar nicht so einfach ist einen Verlust an genetischer Diversität sofort zu erkennen, da die adulten Tiere häufig noch aus einer Zeit stammen zu der die Habitatfragmentierung noch nicht vorlag und noch ein hoher Genfluss garantiert war (siehe dazu Kommentar zu Miller et al., 2018). Wie bedrohlich die Situation für Mesoclemmys dahli sich darstellt wird auch deutlich, wenn man auf die kleinen, Individuen-schwachen, verbliebenen Subpopulationen schaut die eigentlich schon jetzt was die Adulttiere anbetrifft deutlich unter dem liegen was Caballero et al., (2017) als minimale Populationsgröße zur Kurzzeitüberlebensgarantie veranschlagen. Wer jetzt noch anfangen würde die festgestellte deutliche genetische Strukturierung dazu zu benutzen um aus jeder Subpopulation eine Unterart oder Art zu generieren der weiß aus meiner Sicht wahrscheinlich gar nicht was er tut und ich kann nur immer wieder darauf verweisen auch Zusammenhänge zu erkennen und nicht nur auf abgrenzende Unterschiede hinzuweisen.

Literatur

Caballero, A., I. Bravo & J. Wang (2017): Inbreeding load and purging: implications for the short-term survival and the conservation management of small Populations. – Heredity, 118: 177–185 oder Abstract-Archiv.

Miller, J. M., M. C. Quinzin, E. H. Scheibe, C. Ciofi, F. Villalva, W. Tapia & A. Caccone (2018): Genetic Pedigree Analysis of the Pilot Breeding Program for the Rediscovered Galapagos Giant Tortoise from Floreana Island. – Journal of Heredity 109(6): 620-630; DOI: 10.1093/jhered/esy010 oder Abstract-Archiv.

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