Galeotti, P., R. Sacchi, D. Pellitteri-Rosa & M. Fasola (2011): The yellow cheek-patches of the Hermann’s tortoise (Reptilia, Chelonia): Sexual dimorphism and relationship with body condition. – Italian Journal of Zoology 78: 464–470.

Die gelben Wangenflecken der Griechischen Landschildkröte (Reptilia, Chelonia): Geschlechtsdimorphismus und eine Beziehung zur Körperkondition.

Männliche und weibliche Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni) zeigen auffällige gelbe Flecken auf ihren Wangen, deren Herkunft und deren potentielle Funktion absolut unbekannt sind. In dieser Studie vermaßen wir die Größe und die Farbintensität dieser Flecken bei 29 männlichen und 19 weiblichen Schildkröten, um Geschlechtsunterschiede in Bezug auf diese Eigenschaften zu ermitteln. Zusätzlich analysierten wir die Beziehung zwischen den Fleckeneigenschaften und der Körperkondition, um eine mögliche Rolle dieser Ornamente als Statussignale aufzuzeigen. Wir fanden symmetrisch angeordnete gelbe Flecken bei allen untersuchten Weibchen, wohingegen bei 5 der Männchen keine Flecken vorhanden waren und zwei Männchen nur einseitig links einen gelben Wangenfleck zeigten. Obwohl die Kopfgröße, die Maße sowie die RGB-Werte (Farbintensität) der Flecken keine Differenzen zwischen den Geschlechtern erkennen ließen, waren die Wangenflecken der Weibchen signifikant größer als jene der Männchen. Zudem war das Ausmaß der Wangenflecken mit der Körperkondition der Weibchen korreliert, was vermuten lässt, dass diese Ornamente sich als ein zuverlässiges Anzeichen für die weibliche Qualität während der Evolution heraus selektionierten. Dies könnte durch einen geschlechtsbedingten Selektionsmechanismus erfolgt sein, der entweder durch die Konkurrenz der Weibchen untereinander (Rangordnung) oder durch die Partnerwahl der Männchen gesteuert wird.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Obwohl die Arbeit hier einen sehr interessanten Aspekt für weibliche Qualitätsattribute adressiert, bin ich bei dieser Studie eher skeptisch, denn mir blieb unklar, warum man um eine sauberere statistische Auswertung zu ermöglichen, nicht identische Anzahlen an Männchen und Weibchen untersucht hat. Denn selbst, wenn es sich hier um eine sehr kleine Population gehandelt haben sollte, muss man sich fragen, wie valide sind dann solche „Einzelbefunde“? Zumal dieses Autorenteam wie in ihren vorhergehenden Studien immer schon von vornherein einen Geschlechtsdimorphismus bzw. einen Bezug zur Kondition annimmt. Die Größe der Wangenflecken ist ja auch durch die Beschuppung mit vorgegeben und bei adulten Tieren sind die Flecken sehr beständig. Ich würde zwar vermuten, dass sich die Farbintensität mit der Körperkondition oder gar dem Gesundheitszustand kurzfristig oder von Saison zu Saison ändern kann, aber nicht unbedingt die Größe. Da aber ein Weibchen nicht in jedem Jahr die gleiche Körperkondition haben, muss müsste sich ja dann auch mit jeder Konditionsänderung die Fleckengröße verändern, und so etwas habe ich in all den Jahren der Schildkrötenhaltung noch nicht beobachtet. Insofern kann ich mir zumindest nur schwer vorstellen, dass diese Wangenflecken ein aktuell zuverlässiges Qualitätsmerkmal darstellen.

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