Galeotti P., R. Sacchi, D. P. Rosa & M. Fasola (2005): Female preference for fast-rate, high-pitched calls in Hermann's tortoises Testudo hermanni. – Behavioural Ecology 16: 301-308.

Die Präferenz der Weibchen für in schneller Abfolge ausgestoßene hochfrequente Rufe bei der Griechischen Landschildkröte, Testudo hermanni

Das Balz- und Paarungsverhalten von reproduktionswilligen Landschildkröten basiert auf einer Vielzahl von Signalen, die sowohl visuelle, geruchliche, taktile als auch akustische Reize beinhalten. Die Vokalisation (Laute ausstoßen) scheint dabei eine besondere Bedeutung zu haben, denn Laute werden oft nur zur Paarungszeit ausgestoßen. Diese Lautproduktion und das Aufreiten stellen für die Männchen einen erhöhten Energieaufwand dar, deshalb könnte es sein, dass die Lautäußerungen etwas über die Qualität aussagen, anhand der Weibchen ihre Reproduktionspartner aussuchen. In der vorliegenden Arbeit untersuchten wir experimentell in einer unter natürlichen Bedingungen gehaltenen Gruppe, ob die Paarungslaute von Griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni) einen relevanten Stimulus für beide Geschlechter darstellen. Wir analysierten auch die Lautcharakteristika, um herauszufinden, ob, und welche der Lautcharakteristika für die Partnerwahl oder zur Abschreckung von Rivalen entscheidend sind. Die Weibchen reagierten auf vorgespielte (Playback) Laute, wohingegen Männchen diesen keine Aufmerksamkeit schenkten. Zudem zeigten sich Weibchen stark angezogen von kurzen, hohen Lauten, die in schneller Abfolge ausgestoßen wurden. Ebenso reagierten die Weibchen auf kurze (Dauer) Laute.
Es zeigte sich, dass die Männchen mit den besten Rufqualitäten einen höheren Hämatokritgehalt (Rote-Blutzellen) aufwiesen, so dass die Rufe durchaus etwas über die Fitness der Männchen zum Ausdruck bringen, was den Weibchen zur besten Partnerwahl für ihren Nachwuchs dienen kann. Dies ist die erste Studie bei der eine Attraktionsfunktion für die Laute von Landschildkröten dokumentiert werden konnte.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ähnliches wurde auch schon für Testudo marginata beschrieben. Deshalb sollte man bei der Auswahl männlicher Zuchttiere durchaus auch auf die akustischen Qualitäten achten.

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