Fritz, U., S.R. Daniels, M.D. Hofmeyr, J. Gonzalez, C.L. Barrio-Amoros, P. Siroky, A.K. Hundsdorfer & H. Stuckas (2010): Mitochondrial phylogeography and subspecies of the wide-ranging sub-Saharan leopard tortoise Stigmochelys pardalis (Testudines: Testudinidae) – a case study for the pitfalls of pseudogenes and GenBank sequences. – Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research 48 (4): 348-359.

Die mitochondriale Phylogeographie und die Unterarten der unterhalb der Sahara weitverbreiteten Pantherschildkröte Stigmochelys pardalis (Testudines: Testudinidae) – Eine Fallstudie zu den Schwachstellen von Pseudogenen und GenBank-Sequenzen.

Die Pantherschildkröte Stigmochelys pardalis ist die am weitesten verbreite Landschildkröten Art südlich der Sahara. Das Verbreitungsgebietreicht vom Horn von Afrika über das ganze östliche Afrika bis zur Republik Südafrika, Namibia und das südliche Angola. Unter Verwendung von 1938 Basen Paaren mitochondrialer DNS (cyt b Gen, Teile des ND4 Gens plus benachbarter tRNA Gene) aus Proben die nahezu das gesamte Verbreitungsgebiet abdeckten untersuchten wir die phylogeographische Struktur und verglichen unsere Daten mit vorher publizierten GenBank-Sequenzen. Wir identifizierten sieben Hauptkladen die meist eine parapatrische Verbreitung zeigten. Ein paar Nachweise von distinkten Haplotypen die sich in der gleichen Lokalität fanden oder in sehr dichter Nachbarschaft zu einander auftraten könnten das Ergebnis einer Translokation (Verbringung) durch Menschen widerspiegeln. Die größte Diversität findet sich in den südlichsten Verbreitungsgebieten der Art wo fünf der insgesamt sieben Kladen vorkommen. Die Tests zur „Isolation durch Entfernung“ lassen vermuten, dass die beobachtete phylogeographische Struktur eher das Ergebnis eines eingeschränkten geographischen Genflusses ist als das einer historischen (lange zurückliegenden) Vikarianz. Dies steht in scharfem Kontrast zu den weit verbreiteten thermophilen Reptilien der westlichen palaearktischen Region bei denen die phylogeographische Struktur signifikant durch pleistozäne Unterbrechungen, aber auch durch frühere Ausbreitungsverläufe und Vikarianzeffekte bedingt wird. Wie sich zeigte stammen die meisten der cyt b–Sequenzen von S. pardalis aus der GenBank von nukleären Pseudogenen, oder haben eine chimerische Herkunft von Pseudogenen mit authentischen mitochondrialen Sequenzen was eher zur Vorsicht im unkritischen Gebrauch von GenBank-Sequenzen aufruft. Die kürzlich erfolgte Reevaluierung von zwei Unterarten von S. pardalis basierte auf der Verwendung einer chimerischen Pseudogensequenz, die irreführender Weise der Unterart S. p. babcocki zugeschrieben wurde. Nochmals, anhand unserer Daten stimmt die Verbreitung der mitochondrialen Kladen weder mit der traditionellen Verbreitung der Unterarten noch mit den deutlichen geographischen Größenunterschieden bei den Pantherschildkröten überein. Wir schließen daraus, dass es keine rationale Begründung dafür gibt S. pardalis in Unterarten aufzuteilen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine interessante Arbeit deren Meinung ich mich nach meinem Dafürhalten mal voll anschließen kann, denn mir waren die Begründungen der Merkmale für S. p. babcocki zumindest wie man sie im Handel sah schon immer suspekt. Außerdem könnten sich auch hier die lokal vorkommenden Größenunterschiede durch die Umwelt- und Habitatbedingungen erklären, denn immerhin fängt man langsam auch in der Wissenschaft an für Größenunterschiede andere Faktoren als angeblich weit reichende genetisch bedingte Unterschiede anzuerkennen (siehe Bury et al. 2010; Fordham et al. 2007).

Literatur

Bury, R. B., D. J. Germano & G. W. Bury (2010): Population Structure and Growth of the Turtle Actinemys marmorata from the Klamath-Siskiyou Ecoregion: Age, Not Size, Matters. – Copeia 2010 (3): 443-451 oder SiF 8(1) 2011.

Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2007): Demographic response of snake-necked turtles correlates with indigenous harvest and feral pig predation in tropical northern Australia. – Journal of Animal Ecology 76 (6): 1231-1243 oder im Abstract-Archiv.

Seitenanfang