Eskildsen, L. I., J. M. Olesen & C. G. Jones (2004): Feeding response of the Aldabra giant tortoise (Geochelone gigantea) to island plants showing heterophylly. – Journal of Biogeography, 31: 1785-1790.

Fressverhalten von Aldabra-Riesenschildkröten (Geochelone gigantea) bei Insel-Pflanzen, die das Phänomen der Heterophyllie aufweisen

Heterophyllie (Verschiedenblättrigkeit: Unterschiedliche Blätter bei Jungpflanzen in Vergleich zur adulten Pflanze) ist weitverbreitet bei vielen Pflanzenarten. Die meisten davon sind Pflanzen, die endemisch auf bestimmten Inseln vorkommen, so dass Heterophyllie als eine Art von Anpassung (Abwehr, Schutz der Jungpflanzen) an das Vorhandensein von großen Pflanzenfressern angesehen wird z.B. Riesenschildkröten oder große Laufvögel (Anti-browser-hypothesis, Anti-Weidegänger-Hypothese). Wir testeten die Anti-browser-Hypothese, indem wir Aldabra-Riesenschildkröten die Blätter von Pflanzen, die von der Insel Mauritius stammten, als Futter anboten. Dabei wurde getestet, ob die Tiere zwischen Pflanzen mit Homopyllie und solchen mit Heterophyllie unterscheiden und ob sie bei den Pflanzen mit Heterophyllie zwischen den Blättern der Jugendstadien und jenen der ausgewachsenen Pflanzen differenzieren. Die Tests wurden auf Mauritius durchgeführt.
In einem Futterauswahlexperiment wurden 4 adulten Riesenschildkröten Blätter von 10 verschiedenen auf Mauritius vorkommenden Pflanzenarten angeboten, drei Arten zeigten Homophyllie und sieben Heterophyllie.
Ergebnisse: Generell zeigten die Jungblätter von Arten mit Heterophyllie eine Konvergenz bei der Form und der Mittelrippenfärbung. Blätter von Arten mit Homophyllie wurden grundsätzlich bevorzugt gegenüber Arten mit Heterophyllie. Bei den Arten mit Heterophyllie wurden die Blätter der adulten Pflanzen im Vergleich zu jenen der Jugendstadien bevorzugt.
Schlussfolgerungen: Viele der auf Mauritius beheimateten Pflanzen mit Heterophyllie zeigen eine auffällige Konvergenz (Übereinstimmung) in der Morphologie bei den Blättern der Jungendstadien und diese Jungblätter werden von den Schildkröten gemieden. Dies deutet an, dass die Pflanzen einen Selektionsprozess, bedingt durch große Pflanzenfresser wie z.B. Riesenschildkröten, durchlaufen haben. Dieses Beispiel aus Mauritius ist in Übereinstimmung mit mehreren vergleichbaren Befunden zur Pflanzen-Pflanzenfresser-Interaktion von anderen Inseln.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Waren es auf Mauritius schon immer die Schildkröten oder die ausgestorbenen Dronten (Laufvögel) deretwegen die Pflanzen einen solchen Evolutionsprozess durchlaufen haben?

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