Edwards, D. L., E. Benavides, R. C. Garrick, J. P. Gibbs, M. A. Russello, K. P. Dion, C. Hyseni, J. P. Flanagan, W. Tapia & A. Caccone (2013): The genetic legacy of Lonesome George survives: Giant tortoises with Pinta Island ancestry identified in Galápagos. – Biological Conservation 157: 225–228.

Das genetische Erbe von Lonesome George überlebt: Riesenschildkröten, die Abkömmlinge jener von der Insel Pinta sind, wurden auf Galapagos identifiziert.

Der Tod von Lonesome George, der letzten reinerbigen Riesenschildkröte von der Insel Pinta, Chelonoidis abingdoni, markierte die Auslöschung einer der 10 noch überlebenden Riesenschildkrötenarten des Galapagosarchipels. Unter Verwendung eines DNS-Referenzdatensatzes, der sowohl DNS von C. abingdoni als auch von mehr als 1600 lebenden Riesenschildkröten auf dem Wolf-Vulkan enthielt, entdeckten wir 17 Riesenschildkröten, die von C. abingdoni abstammten. Dabei war uns bekannt, dass gerade der Wolf-Vulkan viele Hybriden beherbergt. Wir fanden auch hier, dass die C. abingdoni Abkömmlinge verschiedenen Hybridkategorien zuzuordnen sind, wobei aber einige der Tiere möglicherweise Hybriden der ersten Generation darstellen und als mehrere nicht miteinander verwandte Individuen identifiziert wurden. Ihr Alter und ihre relative Häufigkeit lassen vermuten, dass es noch zusätzliche Hybridindividuen und vielleicht sogar reinerbige Individuen gibt, die immer noch auf dem Wolf-Vulkan leben. Die räumliche Verteilungsanalyse der Orte, wo Schildkröten mit C. abingdoni Abstammung gefunden wurden, deckt sich mit alten historischen Überlieferungen, die beschreiben, wohin Schildkröten einst durch den Menschen verfrachtet wurden. Diese Ergebnisse liefern die Möglichkeit zur Artrestaurierung für die Riesenschildkröten der Insel Pinta unter Verwendung von Zuchttieren, die von C. abingdoni abstammen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine sehr schöne Arbeit, die wie ich finde, genau den von Hennessy (2013) angesprochenen Managementaspekt verdeutlicht, denn gerade an diesem Beispiel fällt auf, dass der Mensch – sprich unsere jüngsten Vorfahren – sowohl an der Ausrottung als auch an der Verfrachtung und damit Hybridisierung von C. abingdoni und anderer nach meinem Dafürhalten Unterarten von Galapagos-Riesenschildkröten verantwortlich war, ebenso wie er jetzt im so genannten Arterhaltungsmanagement dafür sorgt, dass die Art sich regenerieren soll. Insofern schon erstaunlich, dass gerade Schildkröten seit den Anfängen der Evolutionstheorie diese unablässig durchziehen und deren Entwicklung in unsere heutige Zeit prägen. Ein Paradebeispiel der Co-Evolution zweier weltweit verbreiteter zu ausgeprägter Hybridisierung neigender Evolutionslinien: Schildkröte & Mensch. Welchen Stellenwert Hybridisierung in Bezug zur Artenentwicklung, Biodiversitätserhaltung und Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Umwelten mit sich bringen kann, habe ich schon mehrfach diskutiert (Siehe zuletzt: Parham et al. 2013). Die Galapagosinseln sind relativ jung und vulkanischen Ursprungs, sie sind ein Symbol für Umweltveränderung per se und nicht nur ein Fenster in eine vorsintflutliche Vergangenheit. – Tun wir den Schritt, und lernen wir daraus, damit diese Art der Co-Evolution zweier Evolutionslinien noch möglichst lange parallel verlaufen kann.

Literatur

Hennessy, E. (2013): Producing ‘prehistoric’ life: Conservation breeding and the remaking of wildlife genealogies. – Geoforum 49: 71–80 oder Abstract-Archiv.

Parham, J. F., T. J. Papenfuss, P. P. van Dijk, B. S. Wilson, C. Marte, L. R. Schettino & W. Brian Simison (2013): Genetic introgression and hybridization in Antillean freshwater turtles (Trachemys) revealed by coalescent analyses of mitochondrial and cloned nuclear markers. – Molecular Phylogenetics and Evolution 67 (1): doi: 10.1016/j.ympev.2013.01.004 oder Abstract-Archiv.

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