Edge, C. B., B. D. Steinberg, R. J. Brooks & J. D. Litzgus (2009): Temperature and site selection by Blanding's Turtles (Emydoidea blandingii) during hibernation near the species' northern range limit. – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 87 (9): 825-834.

Temperatur- und Ortswahl bei der Amerikanischen Sumpfschildkröte (Emydoidea blandingii) während der Überwinterung nahe ihrer nördlichsten Verbreitungsgrenze

Viele Tiere, die in nördlichen Klimaten leben, legen während des Winters längere Ruhephasen ein. Solche Tiere zeigen eine Reihe von Anpassungsformen in Bezug auf ihre Physiologie und ihr Verhalten, die dazu beitragen, die damit verbundenen Gefahren für das Überleben zu minimieren. Im Zusammenhang mit der Überwinterung gibt es drei große Gefahren für das Überleben: Metabolische und respiratorische Acidose (Übersäuerung), Einfrieren und Beutegreifern zum Opfer zu fallen. Die Auswahl der Überwinterungslokalitäten sollte daher dazu beitragen, diese Gefährdungen zu minimieren. Wir maßen während zweier Winter den gelösten Sauerstoffgehalt, die Wassertiefe und die Temperatur in den Überwinterungsorten der Schildkröten (Emydoidea blandingii (Holbrook, 1838)) und an Messstationen, die zufällig in sechs unterschiedlichen Habitattypen verteilt worden waren, im Algonquin Park, Ontario, Kanada. Die Wassertiefe und der gelöste Sauerstoffgehalt unterschieden sich in den Überwinterungslokalitäten der Schildkröten nicht von jenen, die in an den zufällig verteilten Messstationen gemessen wurden. Im Gegensatz dazu waren die daraus abgeleiteten Körpertemperaturen (die nahe 0 °C lagen) signifikant niedriger und weniger variabel als die Wassertemperaturen an den zufällig gewählten Messstationen. Unsere Daten und andere aus der Literatur lassen vermuten, dass es zwei Alternativen für die Selektion von brauchbaren Überwinterungsplätzen für gegenüber Sauerstoffmangel tolerante Schildkröten gibt. In Gebieten, wo es die zeitweilige Möglichkeit gibt, Sauerstoff aus der Luft zu atmen, wählen die Schildkröten Orte, an denen die Eisdecke nicht über den ganzen Winter geschlossen bleibt. Jedoch in Gebieten, wo es so kalt ist, dass die Eisdecke den Zugang zu Luftsauerstoff unterbindet, suchen die Schildkröten Stellen auf, an denen die Wassertemperatur nahe 0 °C bleibt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wieder eine schöne Arbeit, die uns Daten zur Überwinterungsphysiologie liefert, die, so glaube ich, eine gewisse Allgemeingültigkeit haben, da wechselwarme Schildkröten bei den kühlsten für sie tolerierbaren Überwinterungstemperaturen zwei Vorteile haben. Ihr Stoffwechsel bleibt niedrig und ihr Energieverlust bleibt gering. Dass Letzteres besonders dort wichtig ist, wo kein Zugang zu Atemluft besteht, ist fast schon selbstverständlich. (Siehe dazu Hout-Daubremont et al. 2003, Jackson 2004, Jackson et al. 2007). Nun mag man sich fragen, wie weit könnte diese Allgemeingültigkeit gehen und würde sie auch auf an Land überwinternde Arten zutreffen? Hier kann nur feststellt werden, dass auch dort bei den niedrigsten tolerierbaren Überwinterungstemperaturen der Energieverbrauch am geringsten ist und mit je mehr unverbrauchter Energie die Schildkröten erwachen, je besser können sie Schlechtwetterphasen nach der Überwinterung überstehen und je mehr Energie haben. Weibchen für den ersten Reproduktionszyklus nach der Winterruhe zur Verfügung.

Literatur

Hout-Daubremont, C., S. D. Bradshaw, F. W. Bradshaw G. Kuchling & C. J. Grenot (2003): Variation of plasma sex steroid concentrations in wild and captive populations of Hermann's tortoise (Testudo hermanni hermanni) in southern France. – General and Comparative Endocrinology 130: 299-307 oder Abstract-Archiv.

Jackson, D. C. (2004): Surviving extreme lactic acidosis: the role of calcium lactate formation in the anoxic turtle. – Respiratory Physiology & Neurobiology: 173-178 oder Abstract-Archiv.

Jackson, D. C., S. E. Taylor, V. S. Asare, D. Villarnovo, J. M. Gall & S. A. Reese (2007): Comparative shell buffering properties correlate with anoxia tolerance in freshwater turtles. – American Journal of Physiology – Regulatory, Integrative and Comparative Physiology 292 (2): R1008-R1015 oder Schildkröten im Fokus, Bergheim 4 (4) 2007.