Duncan, N.P. & R. L. Burke (2016) Dispersal of Newly Emerged Diamond-Backed Terrapin (Malaclemys terrapin) Hatchlings at Jamaica Bay, New York – Chelonian Conservation and Biology 15: 249-256.

Die Verbreitung frisch geschlüpfter Diamantschildkröten (Malaclemys terrapin) in der Jamaica Bucht, New York.

Das Überwinterungsverhalten der Diamantschildkrötenschlüpflinge (Malaclemys terrapin) ist sehr ungewöhnlich, da eine beträchtliche Prozentzahl der Schlüpflinge im Herbst das Nest verlässt um sich nach einer Überlandwanderung wieder im Bodengrund weiter weg vom Wasser einzugraben. Viele Aspekte dieses Verhaltens sind bislang schlecht dokumentiert und widersprüchlich. Wir überwachten 81 frisch geschlüpfte Schlüpflinge von ihren Nestern in der Jamaica Bucht New York bis zu ihren Überwinterungsorten und bis zum Verlassen der Orte im Frühjahr/Sommer. Die Schlüpflinge benutzten den Küstenstreifen (Wrack line) in dem sich bei hoher Flut der Unrat ansammelt nur für einen sehr kurzen Zeitraum nach dem Schlupf bevor sie ihre Wanderung landeinwärts begannen um sich in den Landhabitaten erneut einzugraben. Die Tiefe dieser Landrefugien war unterschiedlich und bis zu 10 cm tief wobei sie sich auch etwas vertikal je nach Saison bewegten. Die Schlüpflinge suchten sich Überwinterungsorte mit hoher Pflanzenbedeckung und diesbezüglich unterschieden sich die Überwinterungslokaltäten von den zuvor genutzten temporären Refugien. Die Schlüpflinge verließen die Überwinterungsorte zwischen dem 17 März und 7 Juli nach dem Schupfjahr. Unsere derzeitigen Beobachtungen charakterisieren etwas, dass wir als ein einzigartiges Verhalten bei Schildkröten bezeichnen können, allerdings bleibt der adaptive Wert dieses Verhaltens obskur.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Solche Überlandwanderungen von Wasserschildkrötenschlüpflingen wurden auch schon für andere Arten beschrieben (Ultsch, 2006, Paterson et al., 2012). Warum sie durchgeführt werden bleibt aber wie die Autoren berichten unklar. Allerdings könnte die Beobachtung, dass sie gut bewachsene Flächen als Überwinterungsorte auswählen einen Anhaltspunkt liefern, denn gut bewachsene küstennahe Landhabitate zeigen an, dass diese Stellen seit längerer Zeit von den Schäden die z. B. herbstliche oder gar winterliche Sturmfluten gefolgt von Eisgängen verursachen verschont geblieben sind. Vielleicht garantiert ja gerade das, dass sie nicht während ihres ersten Winters verdriftet werden, denn es ist wohl schwer vorstellbar, dass sie schon in der kurzen Zeit zwischen dem Verlassen des Nests und dem Wintereinbruch noch neue sichere Unterwasserüberwinterungsplätz entlang der Küste finden die sie vor solchen Unwägbarkeiten schützen könnten.

Literatur

Paterson, J. E., B. D. Steinberg & J. D. Litzgus (2012): Revealing a cryptic life-history stage: differences in habitat selection and survivorship between hatchlings of two turtle species at risk (Glyptemys insculpta and Emydoidea blandingii). – Wildlife Research 39: 408–418 oder Abstract-Archiv.

Ultsch, G. R. (2006): The ecology of overwintering among turtles: where turtles overwinter and its consequences. – Biological Reviews of the Cambridge Philosophical Society 2006 E-pub online. 81 (3): 339–367 oder Abstract-Archiv.

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