Doszpoly A., J. F. Wellehan Jr, A. L. Childress, Z. L. Tarján, E. R. Kovács, B. Harrach & M. Benkő (2013): Partial characterization of a new adenovirus lineage discovered in testudinoid turtles. – Infections, Genetic and Evolution, doi: 10.1016/j.meegid.2013.03.049.

Partielle Charakterisierung einer neuen Adenoviruslinie, die in testudinoiden Schildkröten entdeckt wurde.

In den USA und in Ungarn wurden mittels der PCR-Methode fast zeitgleich Adenoviren einer vermutlich neuen Linie detektiert und sequenziert, die aus Schildkröten der Überfamilie Testudinoidea stammten, die vier verschiedenen Spezies (einschließlich zweier Unterarten) angehören. In den USA wurde eine Teilsequenz der adenoviralen DNS-abhängigen DNS-Polymerase aus Proben von in Gefangenschaft gehaltenen Spaltenschildkröten (Malacochersus tornieri), vier östlichen Dosenschildkröten (Terrapene carolina carolina) und zwei Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans) isoliert. In Ungarn waren mehrere Individuen der letzteren Art und einer weiteren Unterart der Gelbwangen-Schmuckschildkröte (T. s. scripta) damit infiziert, wobei fast identische oder zumindest sehr nahe verwandte, vermutlich neue Adenovirensequenzen gefunden wurden. Unter zahlreichen Versuchen, die anderen Teile der genomischen Virus-DNS zu amplifizieren (vermehren), war nur die so genannte Nested-Methode erfolgreich mit der ein 476-bp Fragment des Hexongens aus mehreren Proben amplifiziert werden konnte. Bei einer phylogenetischen Rekonstruktion, die entweder auf den DNS-Polymerasedaten basierte oder anhand der partiellen Hexonsequenz durchgeführt wurde, bildet der vermutlich neue Adenovirus eine eigenständige Klade, die distinkt zu den fünf bislang akzeptierten Gattungen aus der Familie der Adenoviridae ist. Es wurden drei virale Unterkladen aufgestellt, die sich den drei Wirtsgattungen zuordnen ließen (Malacochersus, Terrapene, Trachemys). Versuche die Isolate der neuen Adenoviren auf Schildkrötenherz-(TH-1)-Zellen anzuzüchten verliefen erfolglos. Eine gezielt durchgeführte PCR-Screening-Untersuchung bei lebenden und toten Exemplaren, die aus kleinen in Gefangenschaft gehaltenen Kolonien von Rotwangen- und Gelbwangen-Schmuckschildkröten in Ungarn stammten, ergab eine Infektionsrate von 25 %. Zur Pathologie und Pathogenität dieser Viren sind noch weitere Studien notwendig. Es zeigte sich jedoch, dass die Virus-DNS in nachweisbaren Mengen von klinisch gesunden Schmuckschildkröten ausgeschieden wurden. Basierend auf dem festgestellten phylogenetischen Abstand erscheint es gerechtfertigt, dieser neuen Adenoviruslinie den Rang einer neuen Gattung zuzuweisen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit sollte uns als Haltern wieder einmal klarmachen, wie wichtig Hygienemaßnahmen sind und dass zumindest bei den europäischen Schmuckschildkröten in Gefangenschaftshaltung Vorsicht geboten ist. Denn ich würde davon ausgehen, dass das in Ungarn erzielte Ergebnis nicht auf die dort gehaltenen Schildkröten zu begrenzen ist. Des Weiteren zeigt diese Arbeit, dass sich nicht alle Viren auf den dafür vorgesehen Standardschildkrötenzellkulturen anzüchten lassen. Auch das wird kein Einzelfall sein, wie man aus den Befunden von Jennemann (2013) (siehe Legende zu Abb. 7) schließen kann. Da man die Gensequenzen noch nicht für alle Viren so weit kennt, dass man allein mit PCR-Methoden screenen kann kommt der elektronenmikroskopischen Virussuche eine ziemliche Bedeutung zu. Denn im Elektronenmikroskop kann man die Spezieszugehörigkeit eines Virus zwar nicht identifizieren, aber man kann sehr wohl eine anderweitig nicht darstellbare Virusinfektion klar darstellen und diagnostizieren.

Literatur

Jennemann G. (2013): Panzerröte (rote Plastra und Carapaxe) bei Landschildkröten nach der Hibernation – Was sind die Ursachen? Eine histologische und bakteriologische Studie, die zu einer kausalen erkenntnisbasierten Behandlung führt – oder die Korrektur einer der häufigsten durch eine spekulative Reptilienmedizin propagierten Fehldiagnose. – Schildkröten im Fokus, Bergheim 10 (2): 3–22.

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