Dimitriadis, C., I. Fournari-Konstantinidou, L. Sourbes, D. Koutsoubas & A. D. Mazaris (2018): Reduction of sea turtle population recruitment caused by nightlight: Evidence from the Mediterranean region. – Ocean & Coastal Management 153: 108-115.

Eine Reduktion des Zuwachses bei einer Meeresschildkrötenpopulation verursacht durch nächtliche Beleuchtung: Beweise aus dem Mittelmeerraum.

DOI: 10.1016/j.ocecoaman.2017.12.013

Die Verbreitung nächtlichen Kunstlichts wird zunehmend als eine Gefährdung für die globale Artenvielfalt wahrgenommen. Die Identifizierung und Untersuchung dieser sogenannten „Lichtverschmutzung“ auf das Verhalten von Tierarten, deren Ökologie und Populationsdynamiken kann den Arterhaltungserfolg verbessern. Meeresschildkrötenschlüpflinge die das Nest bei Nacht verlassen benutzen visuelle Signale die sie in Richtung des hellsten und niedrigsten Horizontes leiten die sie zur See leiten. Nachtlichtverschmutzung kann diese Signalwahrnehmung beeinträchtigen und die ohnehin gefährdeten Schlüpflinge fehlleiten. Wir untersuchten das Ausmaß an künstlicher Beleuchtung und das Orientierungsverhalten von Meeresschildkrötenschlüpflingen auf der Insel Zakynthos, Griechenland an einem der größten Niststrände für die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) im Mittelmeer. Wir analysierten die Bewegungsmuster bei 5967 Schlüpflingen aus 230 verschiedenen Nestern und konnten feststellen, dass nächtliche künstliche Beleuchtung den Populationszuwachs um mehr als 7% reduziert was nahelegt, dass Gegenmaßnahmen eine hohe Arterhaltungspriorität zu kommt. Unsere Ergebnisse zeigen zudem, dass die Reaktionen der Schlüpflinge auf künstliche Nachtbeleuchtung signifikant variieren können was wiederum von mehreren Faktoren abhängig ist die zu einen vom Menschen abhängen oder natürlich auftreten können. Lokale örtliche Bedingungen am jeweiligen Nistplatz bestimmen das Ausmaß der Reaktionen bei den Schlüpflingen was letztendlich dazu dienen sollte bei Erhaltungsmaßnahmen die örtlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Probleme waren nicht neu und sollten uns durchaus daran erinnern, dass schön beleuchtete Strandpromenaden und Silhouetten nicht nur ein romantischer Anblick sind. Ja, nächtliches Kunstlicht beeinträchtigt auch uns selbst aber darüber können sie sich in medizinisch orientierten Journalen informieren. Hier geht es um Tiere und im besonderen Fall um die Meeresschildkrötenbestände was Vielerorts wie in den USA schon zu entsprechenden Vorschriften und Schutzmaßnahmen geführt hat. Es geht dabei aber auch um weitreichendere Probleme, wie zum Beispiel dem Insektensterben, denn auch Insekten fängt man nicht nur mit spezifischen Pheromonfallen sondern auch mit Lichtfallen. Etwas das sich Spinnen sogar zunutze machen denn sie weben oft ihre Netze direkt im Schein von Straßenlampen um ihren Beuteerfolg zu steigern. Solche Lichtquellen können viele Insekten Tag für Tag und Jahr für Jahr fehlleiten was den Individuen zwar nicht unbedingt direkt das Leben kosten muss was ihnen aber zusätzliche Energie abverlangt und sie deshalb stressen und schwächen kann. Der sogenannte Umweltstress kann viele Facetten haben die es zu berücksichtigen gilt, wenn man über Erhaltungsmaßnahmen und Kurswechsel nachzudenken hat. Es ist nicht nur der Straßenverkehr und der Pestizideinsatz der viele solcher Lebewesen gefährdet es kann auch Kunstlicht sein. Solche Dinge haben sicher auch gute Seiten selbst wenn wir im Moment oft nur die schlechten aus ökologischen und direkt gesundheitsgefährdeten in den Vordergrund rücken, aber deshalb sollten wir uns einfach mal darum bemühen nicht alles zu übertreiben. Denn letzteres so glaube ich ist das eigentliche vom Menschen verursachte Problem, da wir die Tendenz haben alles zu maximieren, Gewinne, das Sicherheitsgefühl, den landwirtschaftlichen Ertrag, die Geburtenzahlen, das Lebensgefühl und den KFZ-Luxus der SUV’s obwohl fast jede Zufahrtsstraße zum Reitstall asphaltiert ist usw. Ja und wenn sie sich fragen wie ist der jetzt in seinem Kommentar von Schildkröten auf Spinnen und Insekten gekommen? Ja dann sollten sie vielleicht mal darüber nachdenken, dass auch zumindest junge Schildkröten sich davon ernähren. Unser Problem scheint ja nur allzu oft darin zu bestehen, dass wir die Zusammenhänge innerhalb komplexer Systeme nicht erkennen oder sehen wollen. Siehe dazu auch die Kommentare zu: Scott et al., (2018); Soares et al., (2018); Bertolero et al., (2007).

Literatur

Bertolero, A., D. Oro & A. Besnard (2007): Assessing the efficacy of reintroduction programmes by modelling adult survival: the example of Hermann's tortoise. – Animal Conservation 10 (3): 360–368 oder Abstract-Archiv.

Scott, P. A., T. C. Glenn & L. J. Rissler (2018): Formation of a recent hybrid zone offers insight to the geographic puzzle and maintenance of species boundaries in musk turtles. – Molecular Ecology DOI: 10.1111/mec.14983 oder Abstract-Archiv.

Soares, L. S., K. A. Bjorndal, A. B. Bolten, M. A. G. dei Marcovaldi, P. B. Luz, R. Machado, R. Lo, S. F. McDaniel, A. C. Payton, T. B. Waltzek & M. L. Wayne (2018): Effects of hybridization on sea turtle fitness. – Conservation Genetics 19: 1311-1322 oder Abstract-Archiv.

Seitenanfang