Daniels, S. R., M. D. Hofmeyr, B. T.; Henen & E. H. W. Baard (2010): Systematics and phylogeography of a threatened tortoise, the speckled padloper. – Animal Conservation 13: 237–246.

Systematik und Phylogeographie der gefährdeten, Gesägten Flachschildkröte.

Diese Studie untersuchte die Systematik und die Phylogeographie einer bedrohten Landschildkröte Südafrikas, der gesägten Flachschildkröte, Homopus signatus. 63 Exemplare wurden in 17 Lokalitäten gesammelt, die das gesamte Verbreitungsgebiet der beiden bekannten Unterarten im westlichen Südafrika abdeckten. Zusätzlich wurde eine nordöstliche, erst kürzlich nahe Pofadder entdeckte Population mit eingeschlossen. Die Pofadder Tiere konnten anhand ihrer Morphologie keiner der beiden bekannten Unterarten zugeordnet werden. Die Proben wurden im Hinblick auf zwei mtDNS-Fragmente sequenziert: Nikotinamid-Adenin-Dinucleotid-Dehydrogenase-Komponente 4 und Cytochrome b, die beide gleiche 1.1 kb enthielten. Bei einer Untergruppe der Proben wurde zudem ein 390 bp umfassendes nukleäres DNS-Fragment für Prolactin sequenziert. Die phylogenetische Analyse der mtDNS unterstützte anhand der Minimum-Evolution, der Maximum-Parsimonie und der Bayesian-Inferenzen die Monophylie von H. signatus und zeigte, dass die Exemplare aus Pofadder in Bezug auf die Topologie an der Basis stehen und eine Schwestergruppe zu den anderen darstellt. Die phylogenetischen Analysen ergaben keine Anhaltspunkte für die Anerkennung von zwei Unterarten. Die Statistik unterstützte die Annahme der Homopus signatus signatus Klade, aber Homopus signatus cafer war nicht monophyletisch. Die nDNS Analyse zeigte keine Differenz zwischen den Unterarten und platzierte die Pofadder-Exemplare zwar entfernt, aber nicht distinkt von H. s. signatus. Die mtDNS und die nDNS Daten lassen den Schluss zu, dass die beiden Unterarten keine validen taxonomischen Einheiten darstellen. Die Struktur des mtDNS-Netzwerks korrespondiert mit der geographischen Verbreitung der Populationen. Die nord-westlichen Populationen bilden ein Haplocluster, das mit H. s. signatus korreliert während die südwestlichen Populationen drei Haplocluster bilden die mit H. s. cafer korrespondieren. Die Exemplare aus Pofadder waren nicht an dieses Netzwerk angeschlossen. Die Morphologie der nördlichen und südlichen Morphotypen spiegelt vermutlich selektive Anpassungen an die verschiedenen Substrattypen (Bodenformationen) der betreffenden Regionen wider (Granit versus Sedimentgestein). Diese Ergebnisse verweisen darauf, dass auch der Unterartstatus anhand molekularer Techniken belegt werden sollte, denn die morphologische Plastizität kann die phylogenetischen Beziehungen verdecken. Wir empfehlen die westlichen H. signatus Populationen als eine taxonomische Einheit zu behandeln und empfehlen weitere Untersuchungen, um den taxonomischen Status der Pofadder-Linie weiter aufzuklären.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit, die zeigt, wie man die molekulargenetischen Daten mit den morphologischen Unterschieden durchaus in Einklang bringen kann. Man muss sich nur bewusst sein, was man will! Man hat schon Recht, wenn man Lokalformen oder Lokalmorphtypen beschreibt, denn die gibt es ja zweifellos, nur man sollte auch sehen, dass es sich dabei eben nicht um eigenständige Arten handelt oder handeln muss. Siehe auch Kommentar zu McGaugh (2012), Rieppel & Kearney (2007), Siroky & Fritz (2007).

Literatur

McGaugh, S. E. (2012): Comparative population genetics of aquatic turtles in the desert. – Conservation Genetics 13: 1561–1576 oder Abstract-Archiv.

Rieppel, O. & M. Kearney (2007): The poverty of taxonomic characters. – Biology & Philosophy 22 (1): 95–113 oder Abstract-Archiv.

Siroky, P. & U. Fritz (2007): Is Testudo werneri a distinct species? – Biologica Bratislava 62: 1–4 oder Abstract-Archiv.

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