Clark, N., M. A. Gordos & C. E. Franklin (2008): Thermal plasticity of diving behavior, aquatic respiration, and locomotor performance in the Mary River turtle Elusor macrurus. – Physiological and Biochemical Zoology 81: 301-309.

Anpassung in Bezug auf die Temperatur, die aquatische Atmung und die Bewegungsperformance bei der Mary River Schildkröte, Elusor macrurus

Beweglichkeit ist ein gängiges Maß für Performance, die insbesondere bei Studien zur thermischen Akklimatisation eingesetzt werden, weil es eine gute Korrelation mit der erfolgreichen Fluchtreaktion und dem „Erbeuten von Gejagtem“ gibt. Allerdings vermuten wir für aquatische Tiere wie Wasserschildkröten, dass das Tauchverhalten der bessere ökologische Anzeiger für optimale Performance ist. Eine Zunahme der Tauchdauer bei Schildkröten reduziert deren Zeit, die sie Beutegreifern ausgesetzt sind, und somit ergibt sich aus der Tauchdauer ein ökologischer Vorteil. Das Tauchverhalten ist von der Temperatur abhängig, und bei einigen Wasserschildkröten wird die Tauchlänge auch durch die Fähigkeit zur aquatischen Atmung mitbestimmt. Diese Studie untersuchte den Einfluss der thermischen Akklimatisation auf das Tauchverhalten, die aquatische Atmung und die Performance (Unterwasseragilität) bei der bedrohten, bimodal atmenden Mary River Schildkröte Elusor macrurus. Das Tauchverhalten war bei etwa 17 °C akklimatisiert (ausgeglichen), wobei Schildkröten unterhalb von 17 °C signifikant längere Abtauchphasen zeigten als Schlüpflinge in 28 °C warmen Wasser. Diese Zunahme der Tauchdauer bei 17 °C war nicht bedingt durch eine physiologische Umstellung der Metabolismusrate, wurde aber dadurch ermöglicht, dass die aquatische Sauerstoffaufnahme stark zunahm. Es war also die Zunahme des aquatischen Sauerstoffverbrauchs, die es den kühl akklimatisierten Schlüpflingen erlaubte, signifikant länger abgetaucht zu bleiben, wobei eine Schildkröte sogar 2,5 Tage abgetaucht blieb. Wenn man die „burst-swimming“-Geschwindigkeit (also einmalige, maximale Fluchtgeschwindigkeit) als Maß für die Performance zu Grunde legte, konnten wir keine thermische Akklimatisation nachweisen. Zusammenfassend zeigt E. macrurus eine partielle Akklimatisation an sich verändernde Umwelttemperaturen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Begründung für diese Arbeit und die ökologische Relevanz der Tauchlänge ist fraglich, denn die Tauchlänge schützt sicher nicht vor Beutegreifern, die unter Wasser lauern, um denen zu entkommen haben fliegende Fische das „Fliegen“ erfunden. In Bezug auf die Fluchtreaktion sprich „maximale Schwimmgeschwindigkeit“ zeigte sich aber keine physiologische Akklimatisation, so dass hier kältere Temperaturen auch langsamere Fortbewegung bedeuten. Somit scheint die Akklimatisation in Bezug auf die Tauchdauer wohl auch eher einen Energiespareffekt zu haben, wobei sie aufgrund der Zunahme bei der aquatischen Schleimhautatmung die Energiemenge einspart, die ein wiederholtes Auftauchen und Atmen an der Oberfläche verbrauchen würde. Ob damit auch eine Reduktion der Zeit, in der man potentiellen Beutegreifern ausgesetzt ist, erreicht wird, bleibt fraglich und von der Umwelt, bzw. von den vor Ort vorhandenen Prädatoren abhängig.

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