Christie, N. E. & N. R. Geist (2017): Temperature Effects on Development and Phenotype in a Free-Living Population of Western Pond Turtles (Emys marmorata). – Physiological and Biochemical Zoology 90 (1): 47-53.

Auswirkungen der Temperatur auf die Entwicklung und den Phänotyp bei einer wild lebenden Population der Westlichen Sumpfschildkröte (Emys marmorata)

Temperaturveränderungen ergeben sich global aufgrund des Klimawandels und durch Habitatveränderungen. Dabei wird erwartet, dass zukünftig die Temperaturen steigen und dass dies mit einer zunehmenden klimatischen Instabilität einhergehen wird. Diese Veränderungen können schwerwiegende Konsequenzen für ovipare Ektotherme haben, insbesondere für jene mit einer temperaturabhängigen Geschlechtsausprägung. Um die Auswirkungen über eine breitere Spanne der Entwicklungsphänomene bei einer Population der Westlichen Sumpfschildkröte (Emys marmorata) zu untersuchen platzierten wir Temperatursensoren auf jede Lage an Eiern innerhalb der Nester und maßen stündlich während der ersten 2-3 Monate die Inkubationstemperaturen. Diese Methode erlaubte es uns die in situ registrierten Nesttemperaturen hochaufgelöst auszuwerten. Wir fanden dabei, dass die durchschnittliche Inkubationstemperatur zwischen verschiedenen Nestern und den unterschiedlichen Lagen gleich waren, dass sich aber die Inkubationstemperaturschwankungen und die dabei maximal erreichten Temperaturen für beide Fälle deutlich unterschieden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schlüpflinge weiblich sind war deutlich erhöht, wenn sie während der Geschlechtsbestimmenden-Entwicklungsphase mehr als 30% der Zeit bei einer Temperatur von über 29°C inkubiert hatten. Der Gesamtschlupferfolg wurde im Wesentlichen bestimmt durch das Maximum der erreichten Inkubationstemperatur. Wir stellten auch fest, dass es eine Tendenz für eine Verkürzung der Inkubationszeit bei höherer Durchschnittsinkubationstemperatur kam. Allerdings, führt eine extrem hohe wie auch eine extrem tiefe Inkubationstemperatur zu einer Verlängerung der Inkubationszeit.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Studie liefert interessante Einblicke in den Inkubationsverlauf während der Geschlechtsausprägung. Allgemein wird ja meist angenommen, dass zu dieser Zeit Ende erstes, Anfang zweites Drittel der Gesamtinkubationszeit gleichbleibend hohe Temperaturen das Geschlecht bestimmen. Allerdings gilt das meist für konstante Inkubationsbedingungen, die man so in der Natur kaum vorfindet. Hier wird meines Wissens erstmals klar belegt, dass es dabei nicht über die gesamte Phase der Geschlechtsfestlegung um gleichbleibend hohe Temperaturen geht, sondern dass es sich dabei um ein Aufaddieren der Zeiten geht, in denen die Temperatur über einem bestimmten Grenzwert lag, der bei dieser Spezies über 29°C liegen muss, um die Entwicklung in Richtung Weibchen zu steuern. Siehe auch: Kommentar zu: Baxter et al., (2008); Dodd et al., (2006).

Literatur

Baxter, P. C., D. S. Wilson & D. J. Morafka (2008): Effects of nest date and placement of eggs in burrows on sex ratios and potential survival of hatchling desert tortoises, Gopherus agassizii. – Chelonian Conservation and Biology 7 (1): 52-59 oder Abstract-Archiv.

Dodd, K. L., C. Murdock & T. Wibbels (2006): Interclutch variation in sex ratios produced at pivotal temperature in the Red-Eared Slider, a turtle with temperature-dependent sex determination. – Journal of Herpetology 40 (4): 544-549 oder Abstract-Archiv.

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