Chassin-Noria, O. , R. Macip-Rios, P. H. Dutton & K. Oyama (2017): Multiple paternity in the East Pacific green turtle (Chelonia mydas) from the Pacific coast of Mexico. – Journal of Experimental Marine Biology and Ecology 495: 43-47; DOI: 10.1016/j.jembe.2017.05.015.

Multiple Vaterschaften bei ostpazifischen Suppenschildkröten (Chelonia mydas) von der Pazifikküste Mexikos.

Multiple Vaterschaften sind normal für Meeresschildkröten. Dieses Verhalten ergibt sich aus der Dichte der Männchen und dem Phänomen der Spermaspeicherung bei Meeresschildkröten, allerdings sind die Fitnessvorteile für die Nachkommen aus Nestern mit multipler Vaterschaft bislang unbekannt. Die Suppenschildkröte (Chelonia mydas) wird relative häufig an verschieden Stellen der Welt untersucht. Nachweise für multiple Vaterschaften bei C. mydas reichen von null bis zu 100%. In dieser Studie untersuchten wir die multiplen Vaterschaften bei C. mydas anhand von Mikrosatelliten um die Anzahl der beteiligten Männchen die an der Befruchtung eines Geleges beteiligt sind während zweier Nistsaisons entlang eines Niststrands mit sehr hoher Ablagedichte im westlichen Bundesstaat Michoacan, Mexiko. Es wurde die geringste Eizahl pro Nest untersucht, die untersucht werden muss um eine multiple Vaterschaft nachzuweisen und um die Anzahl der beteiligten Männchen zu erfassen. Die Ergebnisse zeigten, dass in 75% der Gelege eine multiple Vaterschaft vorlag. Zudem lag die geringste Anzahl der zu untersuchenden Eier pro Nest zum Nachweis für multiple Genotypen bei 6.66 Eiern zum Nachweis von 2 beteiligten Vätern bei 12.44 zum Nachweis von 3, bei 15.49 zum Nachweis von 4 und bei 20.24 zum Nachweis von 5 beteiligten Männchen. Die Weibchen befruchteten ihre Eier mit dem Sperma von mehreren unterschiedlichen Männchen zwischen einzelnen Gelegen, wie auch innerhalb eines Geleges während der Nistsaison. Dieses Verhalten führte zu einem multiplen Vaterschaftsmuster das Überlebensvorteile während unterschiedlicher Lebensstadien mit sich bringen kann, die aber nicht notwendigerweise schon bei den frisch geschlüpften Schlüpflingen zu erfassen sind.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine sehr schöne Studie die wieder einmal das untermauert was bislang für viele Schildkrötenspezies weltweit nachgewiesen wurde und zwar auch für Land- und Süßwasserschildkröten. Bemerkenswert ist auch der Verweis der Autoren auf den Vorteil eines solch hohen Genflusses auch wenn für langlebige Schildkröten solche Nachweise bislang nur spärlich (Stiebens et al., 2013) und Andeutungsweise für Galapagosschildkröten vorliegen. Dies wird aber durchaus verständlich wenn man die lange Generationsfolge dieser Tiergruppe in Betracht zieht (z. B. McGuire et al., 2015). Dennoch möchte ich aber auf Arbeiten an anderen Lebewesen mit kürzerer Generationsfolge hinweisen für die solche Vorteile klar belegt sind (siehe Ding et al. 2017 und die dort zitierte Literatur). Nun werden natürlich wieder einige anmerken, dass das ja keine Schildkröten sein und man das nicht vergleichen könnte. Dazu sage ich nur, dass es gewisse sozusagen als universell erkannte Prinzipien gibt (siehe z. B. Romiguier et al., 2014) und außerdem unsere Veterinäre sind da nicht so kleinlich und häufig der Meinung, dass Medikamente für alle gleich gut sind ohne die spezifische Physiologie von wechselwarmen Reptilien oder Panzerträgern zu berücksichtigen. Tja und nicht zuletzt sei angemerkt, dass wir gar nicht so viel Zeit haben, solche Grundprinzipen beim Erhaltungsmanagement von Schildkröten zu vernachlässigen, denn die Artenrückgänge beschleunigen sich rasant und solche Erfolge wie sie von Milinkovitch et al. 2013) in jüngster Zeit erzielt wurden sind selten und zudem trotz bester Absichten noch nicht so gut abgesichert, dass man von gesichertem Langzeitüberleben ausgehen kann (siehe dazu Bidmon, 2017).

Literatur

Bidmon, H.-J. (2017): Sind phylogenetische Stammbäume nur ein Traum? – Schildkröten im Fokus, Bergheim 14 (1): 14–27.

Ding, G., H. Xu,B. P. Oldroyd & R. S. Gloag (2017): Extreme polyandry aids the establishment of invasive populations of a social insect. – Heredity 119: 381-387; DOI: 10.1038/hdy.2017.49.

McGuire, J. M., J. D. Congdon, O. M. Kinney, M. Osentoski & K. T. Scribner (2015): Influences on male reproductive success in long-lived Blanding’s Turtles (Emydoidea blandingii). – Canadian Journal of Zoology 93: 487–497 oder Abstract-Archiv.

Milinkovitch, M. C., R. Kanitz, R. Tiedemann, W. Tapia, F. Llerena, A. Caccone, J. P. Gibbs & J. R. Powell (2013): Recovery of a nearly extinct Galapagos tortoise despite minimal genetic variation. – Evolutionary Applications 6: 377–383 oder Abstract-Archiv.

Romiguier, J., P. Gayral, M. Ballenghien, A. Bernard, V. Cahais, A. Chenuil, Y. Chiari, R. Dernat, L. Duret, N. Faivre, E. Loire, J. M. Lourenco, B. Nabholz, C. Roux, G. Tsagkogeorga, A. A.-T. Weber, L. A. Weinert, K. Belkhir, N. Bierne, S. Glémin & N. Galtier (2014): Comparative population genomics in animals uncovers the determinants of genetic diversity. – Nature 515: 261–263 & 9 S. Supplements oder Abstract-Archiv.

Stiebens, V.A., S. E. Merino, C. Roder, F. J. Chain, P. L. Lee & C. Eizaguirre (2013): Living on the edge: how philopatry maintains adaptive potential. – Proceedings of the Royal Society, Series B Biological Sciences doi: 10.1098/rspb.2013.0305 oder Abstract-Archiv.

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