Cablk, M. E. & J. S. Heaton (2006): Accuracy and reliability of dogs in surveying for desert tortoise (Gopherus agassizii). – Ecological Applications 16 (5): 1926-1935.

Treffsicherheit und Vertrauenswürdigkeit von Hunden in Untersuchungen zu Kalifornischen Wüstenschildkröten (Gopherus agassizii)

Die Kalifornische Wüstenschildkröte (Gopherus agassizii) ist auf nationaler Ebene als gefährdet gelistet, und sie ist in mehreren U.S. Bundesstaaten wie Kalifornien, Nevada, Utah und Arizona unter Schutz gestellt. Zahlreiche Faktoren von Habitatzerstörung bis zu Krankheiten werden für den Artenrückgang im gesamten Verbreitungsgebiet verantwortlich gemacht. Datensammlungen für Wüstenschildkröten sind sehr schwierig, denn diese Schildkröte lebt sehr versteckt und viele der Alters- und Größenstadien sind im Freiland so gut wie unauffindbar. Spürhunde werden seit Jahrzehnten zur Unterstützung des Menschen eingesetzt und der Gebrauch von Hunden zur Überwachung von Wildbeständen wird zunehmend von Wissenschaftlern und Wildhütern genutzt. Um nun die Grundfrage zu klären, ob Hunde auch zur Überwachung von Wüstenschildkrötenbeständen eingesetzt werden können, quantifizierten wir die Zuverlässigkeit und Effizienz von Hunden, die speziell dafür ausgebildet worden waren. Die Effizienz bezieht sich auf die Anzahl der gefunden Schildkröten innerhalb einer bekannten Population. Die Zuverlässigkeit ist hier ein Maß, wie oft ein Hund den erlernten Suchauftrag für Schildröten ausführt und das Vorhandensein einer Schildkröte anzeigt (Es wird überprüft, ob ein Hund, nachdem er eine Schildkröte gefunden ha, bereit ist, zuverlässig nach weiteren zu suchen). Dazu wurden experimentelle Tests durchgeführt, die so angelegt waren, dass man die Ergebnisse statistisch abgesichert unter Freilandbedingungen quantifizieren konnte, wobei überprüft wurde, wie trainierte Hunde lebende Wüstenschildkröten an der Oberfläche, in Höhlen und bei einer Fang-Wiederfang-Sequenz lokalisieren und anzeigen. Die Ergebnisse zeigten, dass Hunde effektiv und sicher Schildkröten sowohl an der Oberfläche als auch in Höhlen unter verschiedensten Umweltbedingungen lokalisieren können. Statistisch gesehen waren Hunde in der Lage, Schildkröten zwischen Temperaturen von 12 ºC und 27 ºC und bei rel. Luftfeuchten von 16 % bis 87 % und Windgeschwindigkeiten bis zu 8 m/s aufzufinden. In beiden Versuchsreihen waren die Hunde in der Lage, Schildkröten sowohl am Boden als auch in Höhlen mit einer Zuverlässigkeit von mehr als 90 % aufzufinden. In Vergleichsstudien mit Personen waren Hunde in der Lage, Schildkröten bis zu einer Körpergröße von 30 mm zu lokalisieren, wohingegen die kleinste von menschlichen Suchtrupps ausfindig gemachte Schildkröte eine Körpergröße von 110 mm hatte. Obwohl nicht alle Hundeteams die Vorgaben zur Durchführung einer zuverlässigen Bestandsüberwachung erfüllten, sind die Ergebnisse dieser Studie vielversprechend bezüglich der Nutzung von Hunden, um unser Wissen über seltene, gefährdete und vom Aussterben bedrohte Arten durch eine bessere Datensammlung zu verbessern.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wie oft haben Sie schon nach einem verschollenen Pflegling gesucht? Wohl dem oder der, der/die einen trainierten Spürhund besitzt!