Bowen, K. D., P. L. Colbert & F. J. Janzen (2004): Survival and recruitment in a human-impacted population of ornate box turtles, Terrapene ornata, with recommendations for conservation and management. – Journal of Herpetology 38: 562-568.

Überleben und Zuwachs in einer vom Menschen beeinflussten Population von Schmuckdosenschildkröten, Terrapene ornata, mit Empfehlungen zum Erhalt und Management

Veränderungen und der Verlust von Habitaten sind wesentliche Faktoren, die zur andauernden Abnahme vieler Schildkrötenpopulationen beitragen. Allerdings gibt es nur sehr wenige Untersuchen bezüglich der Schildkrötenpopulationen, die in vom Menschen stark genutzten Gebieten leben. Wir benutzten daher einen theoretischen Ansatz anhand von zeitlich symmetrischer Modellierung (temporal symmetry modeling), um Vorhersagen über die Selektion, die Überlebensrate und den Zuwachs in einer Population von Dosenschmuckschildkröten, Terrapene ornata in einem fragmentierten und isolierten Habitat über einen Zeitraum von acht Jahren treffen zu können. Die anfängliche jährliche Überlebensrate war während der Zeit (0,97, SE = 0,06) hoch, ebenso war die Chance alt zu werden hoch (0,95 +/- 0,04). Die Zuwachsrate von Jungtieren bis zum Adulti (lambda) lag bei 1,02 (+/- 0,06). Unsere Daten ergaben eine gesunde Population, dennoch gibt es gute Gründe, diese Vorhersagen vorsichtig zu betrachten und es gibt Anhaltspunkte für einen Versuch, die Population zu managen. Diese Gründe beziehen sich insbesondere darauf, dass die Zuwachsrate (lamda) sehr vom Überleben der adulten Schildkröten abhängt und äußerst empfindlich auf die Entnahme adulter Tiere anspricht, wobei auch die genetische Variabilität stark vermindert würde. Ebenso gibt es auch eine gewisse Unsicherheit bezüglich unserer Datenerhebung, die auf Fehlern beim Datensammeln und im Rechenprogramm beruhen können.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Insbesondere dem letzten Satz des Abstracts kann ich nur zustimmen, da ich mich immer frage, wie man bei so wenig wirklich fundiertem ökologischen Wissen über die einzelnen Arten schon auf solche Modellprognosen bauen kann. Nur weil der Einsatz von Computern heute zum Standard gehört, muss man ihn auch nicht vorschnell überall einsetzen. Was wir bei solchen Modellen immer unberücksichtigt lassen, sind doch die Auswirkungen von umweltassoziierten Faktoren, die nur indirekt mit den Tieren etwas zu tun haben. Das Bohren eines Brunnens in einem von Menschen bewohnten Gebiet, dass z. B. zur Absenkung des Wasserspiegels führt, kann allein schon zu katastrophenartigen Populationszusammenbrüchen bei bestimmten Arten führen, ohne dass vorher jemand, der sich nur mit Fläche und Altersstruktur einer Population befasst hat, je daran gedacht hätte. Das Berücksichtigen all dieser Eventualitäten in solchen Programmen ist fast unmöglich und ist ja gerade ein Grund dafür, warum Umweltverträglichkeitsgutachten solange Zeiten in Anspruch nehmen und oft nur von mäßigem Wert bzw. Bestand sind.

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