Bouchard, C., N. Tessier & F. L. Lapointe (2017): Paternity Analysis of Wood Turtles (Glyptemys insculpta) Reveals Complex Mating Patterns - Journal of Heredity 109(4): 405-415; DOI: 10.1093/jhered/esx103.

Vaterschaftsanalysen bei Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta) zeigen ein komplexes Paarungsmuster.

Verpaarungssystemcharakteristika sind von großer Bedeutung da sie einen großen Einfluss auf den Reproduktionserfolg von Männchen und Weibchen haben und Erkenntnisse über die reproduktionsbedingte Isolation liefern. Bei der Waldbachschildkröte (Glyptemys insculpta) handelt es sich um eine an landlebende Süßwasserspezies die bei der Internationalen Union zur Erhaltung der Natur als bedroht gelistet wird. In Anbetracht ihres Erhaltungsstatus und dem derzeitigen Mangel an Informationen über die elterlichen Beziehungen für diese Art führten wir hier eine Mikrosatellitenanalyse durch um das Verpaarungsverhalten der Waldbachschildkröten am Shawinigan-Fluss (Québec) zu untersuchen. Wir erhoben Daten aus 38 Gelegen über 2 Jahre hinweg (14 in 2006 und 24 in 2007) wobei wir Proben von insgesamt 248 Schlüpflingen anhand von 7 Mikrosatellitenloci genotypisierten. Die rekonstruierten Genotypen der Väter zeigte, dass der Reproduktionserfolg in den untersuchten Gelegen zwischen den einzelnen Männchen sehr stark schwankte und positiv korreliert war mit der Anzahl der begatteten Weibchen und der Anzahl der erfolgreich befruchteten Gelege. Die Häufigkeit von multiplen Vaterschaften wurde anhand von 3 verschieden statistischen Auswertemethoden auf 37% geschätzt. Es ergab sich eine positive Korrelation zwischen der genetischen Diversität (Verschiedenheit) innerhalb der Gelege und der Anzahl der beteiligten Väter. Allerdings beobachteten wir in 88% der Fälle wiederholte Vaterschaften (die Beteiligung der gleichen Väter) innerhalb der Gelege derselben Weibchen in den unterschiedlichen Jahren was nahelegt, dass die Weibchen das Sperma der beteiligten Männchen gespeichert haben oder dass sie sich in aufeinanderfolgenden Jahren meist mi den selben Männchen verpaaren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier haben wir wieder für eine ziemlich ausgedünnte, nördliche Population ein schönes Beispiel für die Mechanismen um den Genfluss innerhalb der Population möglichst hochzuhalten (siehe auch McGuire et al., 2013 und die dortigen Kommentare). In vielen Fällen waren zwei und manchmal auch 3 Väter an einem Gelege beteiligt, wobei der Befruchtungserfolg für die einzelnen Männchen innerhalb eines Geleges schwankte was auch die Vermutung zulässt, dass die Weibchen über Mechanismen zur Spermaauswahl verfügen könnten. Die häufige Begattung der Weibchen durch die selben Männchen führen die Autoren darauf zurück, dass für diese Art bekannt ist, dass sie in Gemeinschaft Überwintern und im Herbst immer wieder die gleichen Hibernacula aufsuchen wobei sie sich auch verpaaren. Für die Art ist ja bekannt, dass die Männchen an den Hibernacula schon auf die Weibchen warten (Greaves & Litzgus, 2008; Parren, 2013). Ob das in jedem Fall so sein muss bleibt unklar, Greaves & Litzgus (2007) beschreiben auch die Überwinterung in sehr kalten fließenden Wasser in Bächen.

Literatur

Greaves, W. F. & J. D. Litzgus (2007): Overwintering ecology of Wood Turtles (Glyptemys insculpta) at the species' northern range limit. – Journal of Herpetology 41(1): 32-40; DOI 10.1670/0022-1511(2007)41[32:OEOWTG]2.0.CO;2 oder Schildkröten im Fokus 4(3): 22-23, 2007

Greaves W. F. & J. D. Litzgus (2008): Chemical, thermal, and physical properties of sites selected for overwintering by northern wood turtles (Glyptemys insculpta). – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 86: 659-667 oder Abstract-Archiv.

McGuire, J. M.; Scribner, K. T. & J. D. Congdon (2013) Spatial aspects of movements, mating patterns, and nest distributions influence gene flow among population subunits of Blanding’s turtles (Emydoidea blandingii). – Conservation Genetics, 14: 1029–1042 oder Abstract-Archiv.

Parren, S. G. (2013): A Twenty-Five Year Study of the Wood Turtle (Glyptemys Insculpta) in Vermont: Movements, Behavior, Injuries, and Death. – Herpetological Conservation and Biology 8 (1): 176–190 oder Abstract-Archiv.

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