Bonino, M. F., J. N. Lescano, J. G. Haro & G. C. Leynaud (2010): Diet of Hydromedusa tectifera (Testudines: Chelidae) in a mountain stream of Córdoba province, Argentina. – Amphibia-Reptilia 30 (4): 545-554.

Die Nahrung von Hydromedusa tectifera (Testudines-Chelidae) in einem Bergbach der Provinz Cordoba in Argentinien.

Hier wird anhand von vergleichenden Nahrungsanalysen das Nahrungsspektrum von 154 in zwei Bergbächen in der Provinz Cordoba vorkommenden Hydromedusa tectifera beschrieben. Die Schildkröten wurden manuell zwischen August 2005 und 2006 in den jeweiligen Lokalitäten bei Tanti und Flor Serrana gefangen. Bevor die vermessenen und geschlechtsbestimmten Tiere wieder freigelassen wurden, mussten sie eine Magenspülung über sich ergehen lassen. Der Mageninhalt der Schildkröten wurde stereomikroskopisch untersucht, und die Beutetiere wurden identifiziert und je nach Größe und Mengenanteil klassifiziert. Die Bedeutung der verschiedenen Nahrungsbestandteile wurde anhand des „Index der Relativen Wichtigkeit“ (IRI) quantifiziert. Die Vergleichbarkeit der Nahrung zwischen den Geschlechtern und im Vergleich verschiedener Größenklassen während der Jahreszeiten wurde unter Anwendung des vereinfachten Morisita Index untersucht. Die trophische Breite wurde anhand des Shannon-Diversitätsindex bestimmt. Die Detrended-Correspondence-Analysis (DCA, Trend-bereinigte-Übereinstimmungsanalyse) wurde herangezogen, um die Unterschiede in Bezug auf die Nahrungsnutzung zwischen den Geschlechtern und den Größenklassen zu analysieren. Insgesamt wurden 47 Beuteobjekte identifiziert, die den folgenden Taxa angehörten: Egel, Anneliden (Ringelwürmer), Gastropoden (Schnecken/Muscheln), Spinnen (Arachnida), Insekten und Fische. Anhand der IRI-Werte zeigte sich, dass das Hauptfutter von H. tectifera aus Trichopterenlarven (Köcherfliegenlarven; IRI = 33,5) besteht, Fische (IRI = 30) und Libellennymphen (IRI = 25,2) kommen ebenfalls häufig vor. Die relative Bedeutung der Nahrungsbestandteile variierte in Bezug auf die Körpergrößenklassen, nicht jedoch mit dem Geschlecht. Die Größe der Beutetiere nahm mit der Größe der Schildkröten zu. Die größte trophische Breite wurde bei den kleineren Individuen gefunden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit zeigt, wie vielfältig die tierische Nahrung von H. tectifera in der Natur ist. Dabei fällt auf, dass hier genau dieses breite Nahrungsspektrum genutzt wird, wie es eigentlich laut der einschlägigen Literatur (für Hintergrundinformationen siehe Bidmon 2010 und die dort aufgeführten Zitate) notwendig ist, um Mangelzustände für bestimmte Nahrungsbestandteile zu vermeiden. Da finden sich Fische und Schnecken für die Vitamine A und D sowie für den Kalziumbedarf, genauso wie Spinnen (Arachnoida) für einen Pool an schwefelhaltigen Aminosäuren (Keratinvorstufenreiche Spinndrüsen), Würmern und Insekten. Die Arbeit zeigt jedoch auch, dass das Nahrungsspektrum für die meist schneller wachsenden Jungtiere am breitesten ist, also auch hier ein klares Indiz aus der Natur dafür, dass gerade für die Kleinsten und Jüngsten dieser Abwechslungsreichtum wichtig ist. Also auch hier deutliche Anzeichen dafür, dass für H. tectifera handelsübliches Lebendfutter wie Grille, Heimchen, Mehlwurm, Zophoba und Co. sowie Rinderherz bestenfalls als Ersatzfutter herhalten kann und einer genauen Anreicherung bedarf, wenn man Probleme vermeiden und eine naturnahe Ernährung anstreben will.

Literatur

Bidmon, H.-J. (2010): Karnivore Schildkröten: Was ist ihr handelsübliches Futter eigentlich wert? Oder: Die Bedeutung des Darminhalts der Futtertiere. – Schildkröten im Fokus 7 (1): 3-18.

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