Blake, S., M. Wikelski, F. Cabrera, A. Guezou, M. Silva, E. Sadeghayobi, C. B. Yackulic & P. Jaramillo (2012): Seed dispersal by Galapagos tortoises. – Journal of Biogeography 39: 1961–1972.

Samenverbreitung durch Galapagos-Riesenschildkröten.

Ziel: Große Wirbeltiere spielen oft eine bedeutende Rolle für die Funktion von Ökosystemen bezüglich der Herbivorie, des Platttretens, der Samenverbreitung und des Nährstoffrecyclings. Die als Ikone zu bezeichnende Galapagos-Riesenschildkröte (Chelonoidis nigra) ist eine der größten terrestrischen Wechselwarmen und dennoch ist ihre Ökologie kaum bekannt. Große Körpergröße deutet auf eine Ernährung als Nahrungsgeneralist und auf langsame Verdauungsprozesse, mit der Fähigkeit weite Distanzen zu überbrücken. Letzteres lässt Riesenschildkröten als gute Samenverbreiter erscheinen. Wir untersuchten hier das Ausmaß der Samenverbreitung durch Galapagos-Riesenschildkröten sowie ihren Einfluss auf die Keimfähigkeit der Samen der selektierten Pflanzenarten, um die potentiellen Auswirkungen der Schildkrötenverteilung in der Landschaft für die Vegetationsdynamiken innerhalb von Galapagos zu erfassen.
Ort: Galapagos, Ecuador.
Methoden: Um die Anzahl der verbreiteten Samen zu bestimmen, zählten wir die intakten Samen in 120 frischen Kothaufen sowohl innerhalb der landwirtschaftlich genutzten Flächen als auch im Nationalpark. Um die Entfernungen abzuschätzen, über die die Schildkröten die Samen verbreiten, nutzten wir als Anhaltspunkt für die Nahrungsretentionszeiten frei lebender Tiere die Retentionszeiten, die bei in Gefangenschaft gehaltenen Landschildkröten bestimmt wurden. Außerdem nutzten wir die Bewegungsdaten der Schildkröten, die anhand der GPS-Telemetrie bestimmt wurden. Wir führten zudem Untersuchungen zur Keimfähigkeit der Samen für fünf Pflanzenarten durch, um festzustellen, ob sie durch die Prozessierung der Samen durch die Schildkröten beeinträchtigt wurde.
Ergebnis: In unseren Dungproben fanden wir intakte Samen von mehr als 45 Pflanzenarten, wobei die Samen von 11 eingeschleppten Pflanzenarten dabei waren. Die Schildkröten gaben mit einem Kothaufen durchschnittlich 464 (SE 95) Samen ab, die durchschnittlich von 2.8 (SE 0.2) Pflanzenarten stammten. Die Samen eingeschleppter Arten dominierten mengenmäßig insbesondere innerhalb der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Schildkröten trugen die Samen häufig über längere Strecken und bei einer Retentionszeit von durchschnittlich 12 Tagen legten die Schildkröten im Mittel 394 m (SE 34) und maximal 4355 m für die längste Retentionszeit von 28 Tagen zurück. Wir fanden keine Anhaltspunkte dafür, dass die Verdauung durch die Schildkröten oder die Anwesenheit von Kot die Keimfähigkeit beeinflusste.
Schlussfolgerungen: Galapagos-Riesenschildkröten sind bedeutende Samenverbreiter, die regelmäßig große Mengen an Samen in sich tragen. Dies könnte ein bedeutender Vorteil für jene Pflanzen sein, die durch die Schildkröten verbreitet werden, insbesondere dadurch, dass Samen weg von den Elternpflanzen in mögliche neue Besiedlungsgebiete verfrachtet werden. Es sind ausführlichere Studien notwendig, um die Erfolgsrate der Keimung, das Adultwerden der verbreiteten Pflanzen und deren Demographie unter natürlichen Bedingungen zu analysieren und um Vergleiche zwischen verbreiteten und nicht verbreiteten Pflanzen anzustellen, um ein Maß für die Effektivität der Samenverbreitung durch Galapagos-Riesenschildkröten herauszuarbeiten.

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