Bjorndal, K. A., A. B. Bolten, M. Chaloupka, V. S. Saba, C. Bellini, M. A. G. Marcovaldi, A. J. B. Santos, L. F. W. Bortolon, A. B. Meylan, P. A. Meylan, J. Gray, R. Hardy, B. Brost, M. Bresette, J. C. Gorham, S. Connett, B. V. S. Crouchley, M. Dawson, D. Hayes, C. E. Diez, R. P. van Dam, S. Willis, M. Nava, K. M. Hart, M. S. Cherkiss, A. G. Crowder, C. Pollock, Z. Hillis-Starr, F. A. Muñoz Tenería, R. Herrera-Pavón, V. Labrada-Martagón, A. Lorences, A. Negrete-Philippe, M. M. Lamont, A. M. Foley, R. Bailey, R. R. Carthy, R. Scarpino, E. McMichael, J. A. Provancha, A. Brooks, A. Jardim, M. López-Mendilaharsu, D. González-Paredes, A. Estrades, A. Fallabrino, G. Martínez-Souza, G. M. Vélez-Rubio, R. H. Boulon Jr, J. A. Collazo, R. Wershoven, V. Guzmán Hernández, T. B. Stringell, A. Sanghera, P. B. Richardson, A. C. Broderick, Q. Phillips, M. Calosso, J. A. B. Claydon, T. L. Metz, A. L. Gordon, A. M. Landry Jr, D. J. Shaver, J. Blumenthal, L. Collyer, B. J. Godley, A. McGowan, M. J. Witt, C. L. Campbell, C. J. Lagueux, T. L. Bethel & L. Kenyon (2017): Ecological regime shift drives declining growth rates of sea turtles throughout the West Atlantic. Global Change Biology 23: 4556-4568; DOI: 10.1111/gcb.13712.

Ökologische Verschiebungen fördern die Abnahme bei den Wachstumsraten der Meeresschildkröten im gesamten Westatlantik.

Insbesondere bei Ektothermen ist Körperwachstum eine integrierte, Individuum-basierte Reaktion auf die Umweltbedingungen. Gerade die Wachstumsdynamiken von großen, mobilen Tieren sind biologische Indikatoren für Umweltveränderungen innerhalb eines regionalen Maßstabs. Wir sammelten die Daten über die Wachstumsraten im gesamten Westatlantik für die Suppenschildkröte, Chelonia mydas, die eine langlebige und sehr bewegliche Art ist und zudem einen überwiegend herbivoren Megakonsumenten darstellt, der über hunderte oder gar tausende Kilometer wandert. Unser Datensatz ist der größte der jemals zusammengestellt wurde und enthält 9.690 Wachstumsangaben aus 30 Regionen von Bermuda bis Uruguay über einen Zeitraum von 1973 bis 2015. Unter der Anwendung von generalisierten additiven Mischmodellen untersuchten wir Covariablen, die Einfluss auf das Wachstum, die Körpergröße und Nahrung haben und wir fanden, dass alle diese Faktoren die jahresbezogene Wachstumsrate signifikant beeinflussen. In den früheren Jahren nahm das Wachstum kontinuierlich zu und zwar bis 1999 anschließend begann der jährliche Zuwachs um 26% zu sinken und zwar bis 2015. Dieser temporäre Effekt ist deshalb auch so interessant, weil fast zeitgleich zwei karnivore Arten wie die Karettschildkröten Eretmochelys imbricata und Caretta caretta ebenso einen Zuwachsrückgang zeigen, der seit 1997 im Westatlantik laut früherer Studien zu beobachten ist. Diese synchrone Abnahme die bei drei Meeresschildkröten über das gesamte Nahrungsspektrum zu beobachten ist, macht deutlich, dass es zu einer Gesamtökosystemveränderung (ERS) im Atlantik gekommen sein muss, die sich auf die Zuwachsraten auswirkt. Diese ERS resultierte aus einer Synenergie heraus die auf das 1997/1998 El Niño–Phänomen (der südlichen Oszillation (ENSO) zurückzuführen ist, bei der es sich um eine der stärksten seit ihrer Aufzeichnung handelte, die mit einer nie dagewesenen Zunahme bei der Erwärmung über die letzten 3 Jahrzehnte zusammen wirkte. Zusätzliche Unterstützung für diese Daten ergeben sich aus der strengen Korrelation zwischen den jahresbezogenen Zuwachsraten der Suppenschildkröten sowohl mit der Meeresoberflächentemperatur (SST) im Westatlantik mit den sinkenden Zuwachsraten (r = -.94) und dem Multivariaten-ENSO Index (MEI) über alle Jahre (r = .74). Die Granger-Kausalitätsanalyse unterstützt diese Nachweise gleichfalls. Wir diskutieren vielfältige Stressfaktoren die zusätzlich zu langanhaltenden ERS beitragen könnten. Diese Studie zeigt die Wichtigkeit für solche regionenübergreifende Untersuchungen und Zusammenarbeiten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine wie ich finde äußerst interessante Studie die eben nicht wie so viele andere sich nur um temperaturabhängige Geschlechterverschiebungen und Klimawandel bei Meeresschildkröten befassen. Denn letzteres haben wohl die sich frei im Meer beweglichen Schildkröten über etliche Erdgeschichtliche Perioden gemeistert und dabei die Dinosaurier überlebt. Hier deuten die Autoren aber daraufhin wie sich ganze Meeresbecken verändern und zwar wahrscheinlich auch im Hinblick auf deren Ernährungsmöglichkeiten was sich auf die Wachstumsraten auswirkt. Ein Signal das wir nicht unterschätzen sollten, den letztendlich kann sich das auch auf unsere eigene Ernährungssituation auswirken. Zumindest aber zeigen diese Daten eine sehr großflächige Veränderung an die nicht so einfach kompensiert werden kann. Ja und somit finde ich stellt sie weitaus wichtigeres Warnsignal für Veränderung dar, als das manchen lieb sein kann der heute noch meist politisch und wirtschaftlich motiviert die Realität lieber weiter verdrängen will. Hier ist schon was passiert! Man braucht also nicht über mögliche kommende Unwägbarkeiten streiten.

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