Bailey H., S. Fossette, S. J. Bograd, G. L. Shillinger, A. M. Swithenbank, J. Y. Georges, P. Gaspar, K. H. Strömberg, F. V. Paladino, J. R. Spotila, B. A. Block & G. C. Hays (2012): Movement Patterns for a Critically Endangered Species, the Leatherback Turtle (Dermochelys coriacea), Linked to Foraging Success and Population Status. – PLoS One 7 (5): e36401.

Bewegungsmuster einer stark gefährdeten Spezies, der Lederrückenschildkröte (Dermochelys coriacea) im Zusammenhang mit Jagderfolg und Populationsstatus.

Der Jagderfolg von pelagischeen Wirbeltieren spiegelt sich in ihrem horizontalen und vertikalen Bewegungsmuster wider (z.B.: wo viel Futter ist, verbleibt man länger). Wir zeigen hier deutlich im Nordatlantik unterschiedliche Muster für Lederrückenschildkröten im Vergleich zum östlichen Pazifik. Die Tiere ernähren sich von gelatinösen Zooplankton (Quallen), das nur sporadisch in hoher Dichte zu finden ist. Im Atlantik zeigte die Wandergeschwindigkeit der Schildkröten zwei Charakteristika, die mit hohem Jagderfolg bei niedriger Geschwindigkeit (<15 km/Tag) und einer hohen Reisegeschwindigkeit zum nächsten Jagdgrund (20–45 km/Tag) einhergehen. Nur eine einzige Fortbewegungsgeschwindigkeit von 21km/Tag wurde im Pazifik gefunden, die anzeigt, dass die Tiere Dauerwandern. Die mittlere Tauchtiefe schwankte stärker in Abhängigkeit zum Breitengrad, aber noch dichter zur mittleren annuellen Tiefe der Thermokline (Temperaturschichtung (gradient) des Wassers) und Nutrikline (Tiefenzonen in denen sich die Beutetiere aufhalten) im Nordatlantik im Vergleich zu den Schildkröten im östlichen Pazifik. Die übereinstimmende Erklärung für diese Befunde ist, dass die Schildkröten im östlichen Pazifik sehr selten ausreichend dicht von Beutetieren besiedelte Gewässer finden und deshalb nur mäßige Jagderfolge haben. (Sie müssen ständig schwimmen um einzelne Quallen oder kleine Quallenansammlungen zu finden) Hierbei handelt es sich um die erste Studie, die eine Erklärung für diese Verhaltensunterschiede in Bezug zum Nahrungserwerb zwischen den Populationen dieser stark im Bestand gefährdeten Spezies liefert, und sie legt nahe, dass die langen Perioden des Nahrungssuchens die Erholung der pazifischen Bestände verhindern, wohingegen sich die atlantische Population aufrecht erhalten kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Warum dieses Abstract aus der Reihe der zahlenmäßig überwiegenden Publikationen zu Meeresschildkröten? Hier wurde erstmals für Schildkröten beispielhaft beschrieben, wie Populationsgröße und Populationserholung von den Nahrungsressourcen abhängen – für den Natur- und Artenschutz ein generelles Problem, das meist unberücksichtigt bleibt. Hier wird auch ganz klar deutlich, dass es keinen Sinn ergibt, Lederrückenschildkröten zu schützen, ohne auch den Schutz ihrer Ernährungsgrundlage zu forcieren oder wenigstens aufrecht zu erhalten. Auch hier ein praktisches Beispiel, welchen Einfluss Lebewesen für den biologischen Energiefluss in ökologischen Zusammenhängen haben (siehe auch Kommentare zu (Saenz-Arroyo et al. 2006, Bertolero et al. 2007, Gerlach 2008).

Literatur

Bertolero, A., D. Oro & A. Besnard (2007): Assessing the efficacy of reintroduction programmes by modelling adult survival: the example of Hermann's tortoise. – Animal Conservation 10 (3): 360–368 oder Abstract-Archiv.

Gerlach, J. (2008): Fragmentation and demography as causes of population decline in Seychelles freshwater turtles (Genus Pelusios). – Chelonian Conservation and Biology 7 (1): 78–87 oder Abstract-Archiv.

Saenz-Arroyo A., C. M. Roberts, J. Torre, M. Carino-Olvera & J. P. Hawkins (2006): The value of evidence about past abundance: marine fauna of the Gulf of California through the eyes of 16th to 19th century travellers. – Fish and Fisheries 7 (2): 128–146 oder Abstract-Archiv.

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