Aresco, M. J. (2005): The effect of sex-specific terrestrial movements and roads on the sex ratio of freshwater turtles. – Biological Conservation 123: 37-44.

Die Auswirkungen geschlechtsspezifischer Landgänge und Straßen auf das Geschlechterverhältnis von Süßwasserschildkröten.

Unterschiede in der Häufigkeit der Mortalitätsrate auf Straßen kann die demografische Entwicklung von Wirbeltierpopulationen nachhaltig beeinflussen, wenn diese mit der Nahrungssuche, Reproduktion oder der Ausbreitung dazu führen, dass ein bestimmtes Geschlecht oder Entwicklungsstadium häufiger dazu neigt, Straßen zu nutzen oder zu überqueren. Im Fall von Schildkröten stellen Straßen ein artifizielles, offenes (unbeschattetes) Habitat dar, welches sehr attraktiv für Eier legende Weibchen sein kann, aber dadurch eine erhöhte Mortalitätsrate bedingen kann. Ich testete diese Annahme durch den Vergleich der Geschlechterverhältnisse von Schildkrötenpopulationen in einem See, der beidseitig von stark frequentierten, vierspurigen Straßen umgeben ist, mit solchen Populationen aus zwar geografisch nahegelegenen Teichen, die aber fern von Straßen liegen, im nordwestlichen Florida (USA). Dabei untersuchte ich die Rolle, die die Straßenmortalität für die „unnatürlichen“ Verschiebungen im Geschlechterverhältnis spielt, indem ich analysierte, ob adulte, weibliche Wasserschildkröten häufiger über Land wandern, als man das anhand des vorherrschenden Geschlechterverhältnisses erwarten würde, für vier Schildkrötenarten, für die bekannt ist, dass sie alljährlich entlang von Straßen ihre Eier ablegen. Das Geschlechterverhältnis war sehr stark verschoben zugunsten der Männchen in den Straßen-assoziierten Habitaten für die Florida-Schmuckschildkröte (Pseudemys floridana; 80 % Männchen), Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta; 73 % Männchen), und der Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus; 65 % Männchen), während in den straßenfernen Populationen die Geschlechterverhältnisse ganz anders aussahen, und wo der Anteil der Männchen in der Regel zwischen 39 % und 60 % variierte. Im Straßen-assoziierten, Männchen-dominierten Habitat befanden sich unter normalen Bedingungen (also keine Trockenzeit oder Austrocknung) signifikant mehr Weibchen (57 %-72 %) an Land entlang der Fahrbahn als Männchen, wodurch ihr Risiko während des Jahres überfahren zu werden, wesentlich höher lag. Nach den Schätzungen schwankt der Anteil der adulten Weibchen, die jährlich ihre Eier am Straßenrand ablegen, zwischen 6-29 %. Wenn dieses Phänomen generell für Wasserschildkrötenpopulationen zutrifft, die nahe an Straßen beheimatet sind, so dürfte das zu einem stark Männchen-dominierten Geschlechterverhältnis mit nur wenigen legereifen Weibchen führen, das sich durch kumulative Auswirkungen dieser geschlechtsspezifischen, verkehrsbedingten Mortalitätsrate erklären lässt.

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