Amato, M. L., R. J. Brooks & J. A. Fu (2007): A phylogeographic analysis of populations of the wood turtle (Glyptemys insculpta) throughout its range – Molecular Ecology 17 (2): 570-581.

Eine phylogeographische Analyse der Populationen von Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta) über ihr Verbreitungsgebiet

Wir untersuchten die Phylogeographie der Waldbachschildkröte, Glyptemys insculpta, in Nordamerika anhand von 750 bp der mitochondrialen Kontrollregion an 117 Individuen, die aus 29 verschiedenen Lokalitäten innerhalb des Verbreitungsgebiets stammten. Insgesamt wurden 21 Haplotypen identifiziert, und es ergab sich eine nur geringe genetische Variation. Die höchsten Differenzen im paarweisen Vergleich lagen bei 2 %. Die „Nested-Clade“-Analyse (NCA), zeigte nur eine postglaziale Ausbreitungsroute, die entlang der Ostküste verlief und eine Verbreiterung des besiedelten Areals nach Westen. NCA zeigte zudem einige Muster für einen eingeschränkten Genfluss und die Verteilung. Wir vermuten, dass die Waldbachschildkröten während des Pleistozäns von einem Flaschenhalseffekt betroffen waren sowie unter einer selektiven Auslöschung litten, was zu diesem niedrigen Variationsniveau führte. Nach dem Pleistozän scheinen sich die Waldbachschildkröten aus einem südlichen Rückzugsgebiet sehr rasch nach Norden ausgebreitet zu haben, wobei sie den sich zurückziehenden Gletscherrändern folgten. Diese Ergebnisse zeigen, in welche Richtung Erhaltungsmaßnahmen gehen sollten und deuten an, dass ein potentieller Transfer zwischen den Populationen für diese bedrohte Spezies wichtig ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Siehe auch Rosenbaum, P. A., J. M. Robertson & K. R. Zamudio (2007): Unexpectedly low genetic divergences among populations of the threatened bog turtle (Glyptemys muhlenbergii). – Conservation Genetics 8 (2): 331-342 oder Abstract-Archiv, die auf ein ähnliches Muster für G. muhlenbergii verweisen. Da das Pleistozän erst vor etwa 11.500 Jahren endete, handelt es sich also um eine noch relativ junge Wiederverbreitung. Was mir aber bei dieser Arbeit besonders auffällt ist die Feststellung, wie wichtig der genetische Austausch zwischen den Populationen zu sein scheint, um wenigstens ein Minimum an genetischer Variabilität zu erhalten. Eine Aussage, die dem, was andernorts unter Artenschutz so praktiziert wird, eher widerspricht.

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